23.01.2023

Sport in Nicht-Sportstätten – was ist zu beachten?

Sportstätten und ihre Nutzungszeiten sind in vielen Regionen Deutschlands knapp. Viele Hallen sind beispielsweise renovierungsbedürftig oder besetzt durch nachmittägliche Bewegungsangebote von Ganztagsschulen. Sportvereine bekommen so immer weniger Sporthallenzeiten kommunaler Einrichtungen zugeteilt. Eine Lösung: Das Ausweichen auf so genannte nicht normierte Sport- und Bewegungsräume.

Gemeindesäle, Versammlungsstätten oder andere Räume sind auf den ersten Blick für Sportangebote geeignet. Ob sie tatsächlich genutzt werden können, entscheidet der Sportverein, der dort ein Angebot plant. Schließlich verantwortet er, möglichst gefahr- und risikofreie Veranstaltungen. Gerade im gesundheitsorientierten Sport, im Rehabilitationssport oder auch im allgemeinen präventiven Sport der Älteren sind solche alternativen Räume ein Gewinn.

 

Wo findet man Räume für Sport, Spiel und Bewegung?

Mehrzweckräume, Aufenthalts- oder Gemeinschaftsräume oder Seminarräume sind gut geeignet. Diese finden Sie in Gemeindezentren, Pfarrzentren, Bürgerzentren, Bildungsstätten, ehemaligen Tennis- oder Badmintonhallen, Lagerstätten oder Kirchen. Seien Sie kreativ und suchen Sie auch nach unkonventionellen Raumlösungen wie einer ausgedienten Backstube oder leerstehenden Fabrikationshalle.
Gerade für ältere Menschen kann es schwierig sein, das passende Sport- und Bewegungsangebot zu finden. Der Weg zur Sporthalle ist für sie oft zu weit. Die Hemmschwelle ist dann zu hoch. Der Weg ins Gemeindezentrum oder zur Kirchengemeinde hingegen ist bekannt und gibt Sicherheit.

 

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Vier Tipps zu geeigneten Räumen

  • Ideal sind Mehrzweckräume jedweder Art. Sie können etwa für Bewegungsangebote mit Musik, Gleichgewichtsschulung, zum Training der Orientierung im Raum beispielsweise für kleine Kinder oder Ältere dienen. Meist ist hier der Gebrauch von Kleingeräten (Luftballons, Bälle, Seilchen, Therabänder, Säckchen, Minihanteln) oder Matten möglich. Achten Sie auf gute Belüftung und einen rutschhemmenden Bodenbelag.
  • Geeignet sind auch Aufenthalts- oder Gemeinschaftsräume. Die Stühle sollten eine angemessene Reibung zum Boden haben oder sicher weggeräumt werden können. Beschädigungen im Raum müssen ausgeschlossen werden.
  • Auch gut belüftete Seminarräume mit geeignetem Boden (Vorsicht bei Teppich mit Unebenheiten) kommen in Frage.
  • Als Not- oder Ausweichraum sind mit Einschränkungen auch Hausflure geeignet, sofern Beleuchtung, Wände, Boden sowie Mindestbreite des Ganges angemessen sind. Natürlich nur, wenn kein „Querverkehr“ stört.
 

Mögliche Kriterien für die Nutzung von Räumen

Unterschiede zwischen normierten und nicht normierten Sporträumen gibt es vor allem bezüglich der Größe und Raumform, der Funktion, der üblichen Nutzungen und der organisatorischen Einbindung in das Gesamtkonzept.

Beginnen Sie Ihre Überlegungen deshalb mit einer Risikobeurteilung. Kriterien für die Beurteilung eines Risikos sind der mögliche Schadensumfang, die Wahrscheinlichkeit des Eintritts und der Aufwand für eine Beseitigung des Mangels bzw. Reduzierung der Gefährdung der Sporttreibenden.
Achtung: Sind einzelne Kriterien nicht erfüllt, schränkt das die Nutzungsmöglichkeiten drastisch ein oder machen sie gar unmöglich.

 

Checkliste: Diese zwölf Kriterien sollten Sie prüfen, wenn Sie Räume für Sportveranstaltungen suchen

  • Erreichbarkeit, Zugang und Wege – Barrierefreiheit: Gute Erreichbarkeit kann die Anreise erleichtern und Hemmschwellen senken. Ideal ist die Nachbarschaft zu wohnungsnahen Sportanlagen im Quartier oder Stadtteil. Achten Sie auf gute Zugänge über Fuß- und Radwege, welche auch abends beleuchtet sind und ein Gefühl der Sicherheit geben, sowie eine gute ÖPNV-Anbindung. Ein barrierefreier Zugang sollte vorhanden sein, um Inklusion in Ihrem Verein zu fördern.
  • Eingangssituation: Das Gebäude selbst sollte Freundlichkeit und Offenheit ausstrahlen. Vermeiden oder beseitigen Sie Stolperstellen und sorgen Sie für einen passenden Bodenbelag, sodass die Rutschgefahr reduziert wird.
  • Einsehbarkeit: Der Bewegungsraum sollte nicht von außen aus einsehbar sein. Niemand sollte „heimlich“ beobachtet werden können. Das Training muss in ausreichend heller Beleuchtung stattfinden, sodass die Übungsleitung auch während der dunkleren Jahreszeit alle Teilnehmenden im Blick hat.
  • Umkleidemöglichkeit: Achten Sie auf einen passenden Raum zum Umkleiden. Für manche Angebote reichen notfalls einfache Toiletten.
  • Sanitäre Ausstattung: Die sanitäre Ausstattung sollte nah am Bewegungsangebot liegen und sauber sein. Bei Duschwasseranlagen ist die richtige Temperatur wichtig. Zur wirksamen Prophylaxe von Legionellen sollte der zentrale Trinkwasser-Speicher dauerhaft auf mindestens 60 °C erhitzt werden. Die Auslauftemperatur sollten Sie allerdings auf maximal 40 °C begrenzen, um Verbrühungen zu vermeiden.
  • Raumgröße: Die Raumgröße ist abhängig von der Teilnehmerzahl, dem Bewegungsangebot und den Fähigkeiten der Teilnehmenden sowie der Übungsleitenden. Werden Kleingeräte benutzt oder bewegungsintensive Angebote durchgeführt, hat das ebenfalls Einfluss auf die Raumgröße. Grundsätzlich gilt: besser mehr Platz als zu wenig, besser weniger Teilnehmende als zu viele. Der Bewegungsanbieter muss vor Ort seine eigene Entscheidung fällen und Risiken abwägen. Bitte prüfen Sie, ob Stolper- und Stoß-Fallen bestehen – vor allem auch in Kopfhöhe, um Kopfverletzungen zu vermeiden.
  • Türen: Eine ausreichende Türbreite – möglichst flächenbündig inklusive der Türgriffe – ist wichtig, damit auch Seniorinnen und Senioren, die auf einen Rollator angewiesen sind, mitmachen können. Der Glasanteil der Tür sollte gering und das Glas sollte bruchsicher sein oder besser aus Sicherheitsglas bestehen.
  • Fenster: Die Verglasung selbst sollte möglichst aus Einscheibensicherheitsglas (ESG) bestehen. Ist dies nicht der Fall, können keine Bälle (Ausnahme: Luftballons) oder andere Wurfgegenstände genutzt werden. Günstig ist ein geringer Versatz vom Rahmen zum Glas gemäß dem Prinzip der glatten Wand. Sollten Fenster in den Bewegungsraum hineinragen, müssen sie während der Bewegungszeit geschlossen bleiben.
  • Wände: In Kontaktbereichen müssen Wände eben, glatt und splitterfrei sein. Kann man Bilder, Wandbehänge und andere Installationen nicht abhängen, müssen die Bereiche als Bewegungsfläche ausgespart werden.
  • Fluchtwege: Fluchtwege sind ohnehin in der normalen Nutzung des Raumes vorgesehen. Sie dürfen durch die Nutzung des Raumes als Sportraum nicht verstellt oder behindert werden.
  • Brandschutz: Da der Raum als Bewegungsraum genutzt wird, sind i. d. R. keine zusätzlichen Brandschutzmaßnahmen nötig.
  • Elektronische Anlagen müssen regelmäßig geprüft werden. Bei Angeboten für Kinder den Steckdosenschutz nicht vergessen!
 

Zu guter Letzt: Geräteeinsatz und Lagerung

Viele Sportangebote kommen ohne Großgeräte aus. Für Kleingeräte ist ein abschließbarer Schrank außerhalb der Bewegungsfläche ideal. Zu vermeiden ist die offene Lagerung im Bewegungsraum.

Manche Multifunktionsräume haben wenig Stellfläche für das beiseite geräumte Mobiliar. Am besten lagert man Möbel in einem anderen Raum. Wenn das nicht möglich ist, muss die Stellfläche deutlich von der Bewegungsfläche abgetrennt sein. Natürlich dürfen die Möbel keinesfalls in den Bewegungsbereich hineinragen oder gar hineinfallen.

 

Zum Weiterlesen

Hier finden Sie eine ausführliche Handlungsempfehlung zur sicheren Nutzung nicht normierter Sport- und Bewegungsräume für den Sport der Älteren.

 

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