Auf den Punkt

 
  • Inklusion im Sport heißt: Alle Menschen – auch Menschen mit Behinderung – können mitmachen.
  • Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert, dass Menschen mit Behinderungen Zugang zu sportlichen Aktivitäten haben.
  • Echte Inklusion scheitert im Vereinsleben meist an hohen Kosten, Angst vor Veränderung und schlechter Planung.
  • Clubs und Verbände, die den Weg zu mehr Inklusion erfolgreich beschritten haben, gibt es in Deutschland mittlerweile zur Genüge.
Inklusion im Sport

Was bedeutet Inklusion im Sport?

Der Begriff Inklusion kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Einbeziehen“. Es ist immer dann von Inklusion die Rede, wenn es darum geht, alle Menschen an etwas teilhaben zu lassen. Inklusiv ist eine Gesellschaft, wenn alle Menschen als gleichberechtigte Mitglieder der Gemeinschaft anerkannt werden und dieselben Angebote und Chancen nutzen können. Und das nicht nur auf dem Arbeits- oder Wohnungsmarkt, sondern auch in der Freizeit und in Bezug auf kulturelle Angebote.

Auf den Bereich des Sports bezogen bedeutet Inklusion, dass alle mitmachen können. Dafür bedarf es jedoch nicht nur der theoretischen Möglichkeit, sich in Sportvereinen anzumelden, sondern auch der aktiven Förderung von Angeboten, die einen Zugang für Menschen erlauben, die andere Voraussetzungen haben als der Durchschnitt. Wirklich inklusiv ist ein Sportverein nämlich erst dann, wenn behinderte Menschen „Sitz und Stimme“ haben und behinderte und nicht behinderte Menschen ohne Einschränkungen zusammen Sport treiben können.

Was ist Inklusion?

Die UN-Behindertenrechtskonvention

Die rechtliche Grundlage für die Teilhabe behinderter Menschen am gesellschaftlichen Leben bildet die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die in Deutschland im März 2009 in Kraft trat. Insgesamt bekennen sich darin mehr als 170 Staaten zur Inklusion. Die Konvention schreibt vor, dass jeder Mensch ein Recht auf gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben hat.
Mit Bezug auf das Thema Sport stellt die Konvention klar, dass behinderten Menschen das Recht zusteht, an breitensportlichen Aktivitäten teilzunehmen und darüber hinaus behinderungsspezifische Sport- und Erholungsangebote zu gestalten, zu organisieren und zu leiten. Daher verpflichten sich die Unterzeichner der Konvention in Artikel 30 dazu, sicherzustellen, dass:

  • „Menschen mit Behinderungen Zugang zu Sport-, Erholungs- und Tourismusstätten haben“,
  • „Kinder mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen Kindern an Spiel-, Erholungs-, Freizeit- und Sportaktivitäten teilnehmen können“ und
  • „Menschen mit Behinderungen Zugang zu Dienstleistungen der Organisatoren von Erholungs-, Tourismus-, Freizeit- und Sportaktivitäten haben“.

Im Nachgang der Ratifizierung der UN-BRK gewann nicht nur das Thema „Inklusion im Sport“ stark an Gewicht. Die Konvention sorgte auch dafür, dass Begriffe wie Barrierefreiheit, persönliche Mobilität, Gesundheit, Rehabilitation, Bildung, Beschäftigung, Freizeit, politische Partizipation, Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung vermehrt in den Fokus rückten.

 

Der Index für Inklusion als Leitfaden für Sportvereine

Neben der UN-Behindertenrechtskonvention gilt der „Index für Inklusion im und durch Sport“, herausgegeben vom Deutschen Behindertensportverband und dem National Paralympic Committee Germany, als umfassender Wegweiser für die Schaffung inklusiver Sportangebote. Das selbstformulierte Ziel des Index ist die „Förderung der wirksamen, selbstbestimmten und gleichberechtigten Teilhabe und Teilnahme von allen Menschen am gesellschaftlichen Leben von Anfang an, unabhängig von ihrer Kultur (...), ihrem Alter, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Identität, Behinderung und Religion (...).“

Sportvereinen, die dieses Vorhaben umsetzen wollen, legt der Index vor allem eine grundlegende Offenheit für Neues, den Mut zur Veränderung und die Wertschätzung für das Verschiedensein von Menschen nahe. Neben diesen allgemeinen Voraussetzungen listet der Index auch eine ganze Reihe von praktischen Maßnahmen auf. Diese können dazu beitragen „Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung im Sport zu schaffen, Berührungsängste abzubauen und eine Willkommenskultur für Menschen mit Behinderung im Sportverein und Sportverband“ zu schaffen.

Diese Maßnahmen, die allesamt darauf abzielen, inklusive Kulturen zu fördern, inklusive Strukturen zu etablieren und inklusive Praktiken zu entwickeln, werden mithilfe eines fünfphasigen Index-Prozesses erläutert.

Die fünf Phasen des Index-Prozesses

  • Phase I: Den Index-Prozess beginnen
  • Phase II: Die Situation beleuchten
  • Phase III: Die Ziele und Prioritäten festlegen
  • Phase IV: Die Prioritäten umsetzen
  • Phase V: Den Index-Prozess reflektieren

Zu Beginn geht es vor allem darum, die ersten Schritte zu wagen. Konkret bedeutet das, sich Verstärkung zu holen und dauerhafte Kooperationen und Netzwerke zu prüfen, die bei der nachhaltigen Entwicklung eines inklusiven Sportangebots unterstützen können. In Phase I sind Vereine also vor allem dazu angehalten, sich mit Unterstützern und Unterstützerinnen aus verschiedensten Kontexten zu umgeben und zu unterhalten. Diese können beispielsweise sein:

  • Vorstände und Geschäftsführungen sowie Trainer und Trainerinnen anderer Vereine,
  • Vertreter und Vertreterinnen der Behindertenhilfe,
  • politische und wirtschaftliche Akteure,
  • sowie Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen.

In Phase II soll dann der Ist-Zustand im Verein durchleuchtet werden. Dazu werden verschiedene Personen im Umfeld des Vereins mittels einer Befragung zur Einschätzung der Situation gebeten. Da die Befragungsergebnisse einen Überblick darüber liefern sollen, welche Punkte in Hinblick auf Inklusion in Zukunft besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, ist es von zentraler Wichtigkeit, die richtigen Fragen an Menschen mit Behinderung zu stellen.

Zielführende Fragestellungen sind hierbei etwa:

  • „Nehmen Sie momentan in der Freizeit an einem regelmäßigen Sportangebot teil?“,
  • „Möchten Sie gerne an einem (zusätzlichen) Bewegungs-, Spiel oder Sportangebot teilnehmen?“ und
  • „Möchten Sie sich darüber hinaus auch im Sport engagieren (z. B. als Übungsleiter oder Übungsleiterin, als Helfer oder Helferin bei Sportfesten oder im Vereinsvorstand)?“

Wichtig ist hierbei vor allem, dass „Ja“- oder „Nein“-Antworten stets detailliert begründet werden.

Ist dieser Prozess abgeschlossen, entscheidet das bestehende Netzwerk in Phase III darüber, mit welchen Ergebnissen sich der Verein näher beschäftigen sollte und wie erste Veränderungen theoretisch angestoßen werden könnten. Hierbei geht es vor allem darum, sich auf kurz-, mittel- und langfristige Ziele zu verständigen. Gleichzeitig wird festgelegt, wie später am besten gemessen und dokumentiert werden kann, ob diese Ziele erreicht oder verfehlt wurden.

Erst in Phase IV geht es daran, die gesetzten Prioritäten in praktische Maßnahmen zu übersetzen und die Zielerreichung auszuwerten. Abgeschlossen ist der Index-Prozess damit allerdings noch nicht, denn: Zu jedem Veränderungsmoment gehört immer auch die anschließende Reflexion. Phase V dient deshalb dazu, noch einmal auf den Gesamtprozess zurückzublicken und herauszuarbeiten, wie gut zusammengearbeitet wurde und welche Punkte für weitere Transformationsprozesse noch offengeblieben sind.

 

Inklusion im Sportverein: Erfolgsfaktoren und Hürden

Veränderung herbeizuführen ist nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in althergebrachten Verbands- und Vereinsstrukturen, immer ein gemeinschaftlicher Kraftakt. Gibt es dabei von Anfang an gute Voraussetzungen für einen Strukturwandel, kann das einiges erleichtern. Doch gleichzeitig können gewisse Stolpersteine und Hürden auch als großes Hemmnis für eine Modernisierung des Vereins wirken. In der Folge haben wir deshalb die wichtigsten Erfolgs- und Problemfaktoren für ein inklusives Sportangebot zusammengefasst:

Problemfaktoren

  • Kosten der Inklusion: Geld, Zeit, Personal – ein inklusives Sportangebot zu schaffen, frisst in jedem Fall Ressourcen. Gerade bei kleinen Vereinen, die aus ihrem Unterstützernetzwerk ohnehin schon viel herausholen, kann das zu Überlastung führen.
  • Zu wenig Vorwissen und zu viele Vorurteile: Will ein Verein inklusive Strukturen schaffen, ist es unabdingbar, dass sich die Verantwortlichen vorher gut über die Thematik informieren. Haben alle die Chance den Veränderungsprozess mitzugestalten? Sind Informationen zu den Plänen des Vereins barrierefrei zugänglich? Wenn es hier bereits an den Grundlagen fehlt, macht sich der Verein mit seinen hehren Zielen womöglich schnell unglaubwürdig.
  • Falsche Kommunikation: Inklusion bedeutet auch immer, dass Informationen transparent ausgespielt werden. Versteckt sich der Verein bei seinen Vorhaben hinter verklausulierter Sprache und bürokratischen Fachbegriffen und meidet den direkten Austausch mit Interessierten und Mitgliedern, dann trägt das im Zweifelsfall nicht zur Sache bei.
  • Angst vor Veränderung: Wie bei jedem Veränderungsprozess wird es auch auf dem Weg zum inklusiven Verein immer Menschen geben, die gewisse Sorgen und Ängste hegen und neuen Strukturen grundsätzlich skeptisch gegenüberstehen.

Erfolgsfaktoren

  • „Change Agents“ im Verein: Gibt es im Verein an den richtigen Stellen Menschen, die offen für Neues sind und sich aktiv für Veränderung einsetzen, ist das bereits die halbe Miete.
  • Kultur der Selbstreflexion: Sind offene und konstruktive Kritik, Feedbackschleifen und die regelmäßige Aufarbeitung vereinsinterner Prozesse bereits Teil der Vereins-DNA, erleichtert dies den Wandel hin zu einer inklusiveren Vereinsstruktur.
  • Die richtigen Grundwerte: Offenheit, Integration und Toleranz sind bereits in der Satzung Ihres Vereins und/oder in einem Verhaltenskodex festgeschrieben? Damit dürfte es Ihnen sehr viel leichter fallen, die Wichtigkeit eines inklusiven Sportangebots für den Verein herauszustellen.
  • Ein starkes Netzwerk: Gerade Vereine, die sich in der Vergangenheit bereits breit vernetzt haben und im Austausch mit Experten und Expertinnen von außen stehen, sind besser für Veränderungsprozesse gewappnet.
 

Praxisbeispiele inklusiver Vereinsangebote

Clubs und Verbände, die den Weg zu mehr Inklusion bereits erfolgreich beschritten haben, gibt es in Deutschland mittlerweile zur Genüge. Besonders hervorgetan haben sich dabei beispielsweise Vereine wie der Lintforter Turnverein (LTV) und der Behindertensportverein Oberhausen e. V., die zuletzt beide für ihre Arbeit vom Landessportbund NRW und dem Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen e. V. (BRSNW) ausgezeichnet wurden.

So schaffte es der LTV aus Kamp-Lintfort mit seinem neuen Leitbild „Wir lieben die bunte Vielfalt“ in kürzester Zeit mehr als 100 neue Mitglieder zu gewinnen. Zentral für den Erfolg des neuen inklusiven Sportangebots war dabei der Abbau von analogen und digitalen Barrieren sowie die Schaffung von Kooperationen mit Kitas, Ganztagsschulen und Familienzentren im Umfeld des Vereins.

Der Behindertensportverein Oberhausen tat sich derweil vor allem durch seine konstruktive Zusammenarbeit mit anderen Breitensportvereinen hervor, etwa mit Kanu-, Schwimm- und Fußballvereinen, an denen so Lernbegegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung ermöglicht wurden. Für seine „vorbildlichen Ideen und Projekte“ erhielt der Verein deshalb den „Inklusionspreis NRW“ des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales.

 

Das Inklusionsnetzwerk: Vereinspartner als Motor der Veränderung

Wie bereits im Index für Inklusion festgehalten, ist der Aufbau eines Inklusionsnetzwerks für die Schaffung förderlicher Strukturen in Vereinen unabdingbar. Starke Partner können hierbei sowohl Stiftungen, Behindertensport- und Wohlfahrtsverbände als auch Gemeinden, Städte und Bildungseinrichtungen sein. Dabei zahlen sich dauerhafte und stabile Partnerschaften für Ihren Verein gleich mehrfach aus:

  • Mehr Ressourcen für Veränderung: Mit den richtigen Kooperationen steht Ihrem Verein nicht nur mehr Know-how zur Verfügung, sondern im Optimalfall auch mehr finanzielle Unterstützung zur Umsetzung Ihrer Vorhaben.
  • Mehr Reichweite und Anziehungskraft: Je größer Ihr Vereinsnetzwerk wird, desto schneller finden sich auch weitere Partner und Partnerinnen und Verbündete für Ihre Pläne. Dieser Dominoeffekt spielt Ihnen in die Karten.
  • Mehr Rückendeckung und Akzeptanz: Haben Sie erst mal einige wichtige Persönlichkeiten und Schirmherren und Schirmherrinnen aus Sport und Politik für sich gewonnen, kann Ihnen das enorm dabei helfen, Ihre Ziele zu erreichen und öffentliche und interne Akzeptanz für Ihre Pläne zu schaffen.
Barrierefreiheit

Barrierefreiheit im Verein: Das muss bedacht werden

Untrennbar mit dem Inklusionsbegriff verbunden ist immer auch die sogenannte Barrierefreiheit. Als barrierefrei bezeichnet man in Deutschland „Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen“, die für Menschen mit Behinderung „ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind“. Festgehalten ist dies in § 4 des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG).

Für Sportvereine, die inklusive Sportangebote garantieren wollen, ist es dementsprechend von zentraler Bedeutung, die eigenen Strukturen, Kommunikationsweisen und Aktivitäten regelmäßig auf ihre Barrierefreiheit zu überprüfen. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass Barrierefreiheit zwangsläufig bedeutet, alle Angebote des Vereins für alle Mitglieder und Interessierten in der allgemein üblichen Weise nutzbar zu machen. Gibt es also am Haupteingang des Vereinsheims keine Rampe für Menschen mit Rollstühlen oder für Kinderwagen, sondern lediglich einen ebenerdigen Hintereingang, ist die Barrierefreiheit hier – anders als gemeinhin oft angenommen – nicht gewährleistet.

Alltagsbarrieren für Menschen mit Behinderungen
 

Inklusive Sportveranstaltungen barrierefrei ausrichten

Wollen Sie in Ihrem Sportverein barrierefreie Sportveranstaltungen ausrichten, sollten Sie sich dafür zunächst an einige grundlegende Vorgaben halten. Die wichtigsten Empfehlungen haben wir hier für Sie zusammengefasst:

  • Veranstaltungen frühzeitig ankündigen: Teilen Sie den Teilnehmenden und Gästen der Veranstaltung rechtzeitig mit, dass das Event barrierefrei und inklusiv ist – und versuchen Sie einzuschätzen, wie viele Personen mit eingeschränkter Mobilität teilnehmen werden. So können Sie Ihr Angebot passgenau justieren.
  • Barrierefreie Eingänge schaffen: Alle und nicht nur einige der Zugänge zu der Veranstaltung sollten für Rollstuhlfahrer*innen uneingeschränkt nutzbar sein.
  • Sichere Evakuierung ermöglichen: Natürlich sollten nicht nur die Eingänge zur Veranstaltung, sondern auch die potenziellen Notausgänge barrierefrei sein. Im besten Fall sind Notfalltüren- und -ausgänge ebenerdig angelegt und ohne Treppen und Rampen zu nutzen.
  • Beschilderungen anbringen: Helfen Sie Gästen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, indem Sie die richtigen Zugänge und einfachsten Wege zu Hallen und entsprechenden Einzelveranstaltungen gut ausschildern.
  • Hilfsmaterialien anbieten: Legen Sie multimediale oder ergänzende Hilfsmaterialen an, die sehbehinderten, gehörlosen oder taubblinden Menschen den Aufenthalt erleichtern. Zum Beispiel durch Veranstaltungshinweise in Blindenschrift oder durch die Einbindung von Assistenten für Gebärdensprache.
Behindertensport

Von Hobbysport bis Wettkampf: Adaptierte Sportangebote

Neben der zunehmenden Einbindung von Menschen mit Behinderung in den Breitensport sind in der jüngeren Vergangenheit auch immer mehr adaptierte Sportangebote entstanden. Während diese sich zu Beginn noch auf Sportarten ohne Körperkontakt beschränkten, sind mittlerweile auch viele Kontaktsportarten für Menschen mit Behinderung angepasst worden. Das Ziel dieser Sportangebote ist es, Menschen mit Behinderung eine möglichst uneingeschränkte Sporterfahrung zu bieten und notwendige Hilfsmittel wie Rollstühle nahtlos in den Wettkampf einzubinden.

Zu den bekanntesten adaptierten Sportarten zählen Tischtennis und verschiedene Radsportarten, bei denen Handbikes (durch die Arme angetriebene Fahrräder) zum Einsatz kommen, und der Rollstuhl-Basketball, bei dem sowohl die Maße der Courts als auch die Höhe der Körbe angepasst sind. Zudem werden von Spielern und Spielerinnen zumeist speziell angefertigte Rollstühle benutzt, die Schnelligkeit, mehr Stabilität und feineres Handling garantieren.

Ähnlich verhält es sich beim Rollstuhlrugby und beim Rollstuhlhockey. Beim Rollstuhlfechten, einer Sportart, die bereits seit 1969 als paralympische Disziplin zugelassen ist, ist der Rollstuhl derweil am Boden befestigt, und der Fokus liegt allein auf der Armarbeit.

Sehr erfolgreich adaptiert worden sind darüber hinaus auch verschiedenste Tanzsportarten, das Segeln und Tennis.

 

Bekannte Behindertensport-Veranstaltungen

Dass Spitzenleistungen nicht nur für Menschen ohne Behinderung reserviert sind, zeigen die weltbekannten Paralympischen Spiele schon seit Langem. Letztere finden im Folgejahr der Olympischen Spiele statt und bringen Sportler und Sportlerinnen mit körperlichen Behinderungen in denselben Unterkünften und Veranstaltungsorten unter, die zuvor von den Olympioniken genutzt wurden.

Neben den Paralympischen Spielen gibt es für Menschen mit Behinderung auch noch eine ganze Reihe anderer großer Sportevents. So etwa die Deaflympics, an denen gehörlose Athleten und Athletinnen teilnehmen, und die Special Olympics, die für geistig behinderte Sportler und Sportlerinnen konzipiert wurden. Daneben gibt es mit den World Transplant Games auch einen globalen Wettbewerb für Organtransplantierte.

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) richtet regelmäßig die sogenannten IPC-Weltmeisterschaften aus, darunter unter anderem:

  • die Alpine Skiweltmeisterschaft der Behinderten,
  • die Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Behinderten,
  • die Nordische Skiweltmeisterschaften der Behinderten,
  • die Weltmeisterschaft im Sledge-Eishockey,
  • die Weltmeisterschaften der Behinderten im Gewichtheben,
  • die Weltmeisterschaft der Behinderten im Sportschießen,
  • die Schwimmweltmeisterschaften der Behinderten und
  • die Rollstuhltanzweltmeisterschaft.

Und auch in Deutschland finden mittlerweile mehrere bedeutende Sportveranstaltungen für Menschen mit Behinderung statt. Dazu zählen unter anderem die Internationalen Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik, die Europameisterschaft im Blindenfußball und die German Open im Rollstuhltennis.

 

Interview mit Special Olympics Sportler Christian Pohler

Christian Pohler, einer der teilnehmenden Athleten bei den Special Olympics 2020, hat uns einen kleinen Einblick in die Spiele gegeben:

1. Christian, Gratulation zur Silbermedaille! Wie haben Sie die Spiele und Ihren Olympiasieg erlebt?

Ich fand die Spiele toll. Die Eröffnungsfeier war gut vorbereitet. Leider fielen die Athletendisko und die Abschlussfeier wegen dem Coronavirus aus. Ich war froh, ohne Sturz das Rennen zu beenden und freue mich über meine Silbermedaille.

2. Was hat Ihnen geholfen, so weit zu kommen?

Ich trainiere regelmäßig und bereite mich auf die Wettbewerbe vor. Ich habe einen guten Trainer, der mich immer wieder motiviert.


Der Düsseldorfer Christian Pohler hat das Down-Syndrom. Seit 2004 nimmt er erfolgreich an Special Olympics Sommer- und Winterspielen teil. Wir wünschen ihm für die Zukunft viele weitere Erfolge. Sie möchten mehr über Christian Pohler wissen, dann besuchen Sie ihn auf seinem Facebook-Account.

Förderung

Behindertensportförderung: Zuschüsse für Behindertensport, Barrierefreiheit & Co.

Damit Vereine den Weg zu mehr Inklusion und Barrierefreiheit nicht komplett auf eigene Faust bestreiten und aus eigener Kasse finanzieren müssen, gibt es in Deutschland eine ganze Reihe von Fördermöglichkeiten und Zuschüsse für inklusive Sportangebote und innovative Projekte. Zu Stiftungen, an die Sie sich mit Ihren Ideen und Vorhaben wenden können, zählen dabei unter anderem

  • Laureus Sport for good,
  • die Fürst Donnersmark-Stiftung,
  • die DFL Stiftung,
  • die DFB-Stiftungen Egidius Braun und Sepp Herberger
  • sowie die Stiftungen der Sparkassen-Finanzgruppe.

Zudem engagieren sich in diesem Bereich die Heidehof-Stiftung, die Herbert-Grünwald-Stiftung und die Paul-Lechler-Stiftung. Und auch die jeweiligen Landesministerien für Sport und/oder Inneres stellen immer wieder Fördertöpfe für Inklusionsprojekte im Sport bereit.
Der hoch dotierte Werner-Otto-Preis wird derweil von der Alexander-Otto-Sportstiftung für Projekte vergeben, die „zur Inklusion und Förderung behinderter Menschen im Sport beitragen und sich zur Nachahmung empfehlen“. Bewerben können sich für den mit 30.000 Euro dotierten Preis ausschließlich Vereine und Institutionen mit Sitz in Hamburg und der Metropolregion.

Rehasport

Inklusives Angebot von Sportvereinen durch Rehasport erweitern

Neben dem Ausbau von konkreten Sportangeboten für Menschen mit Behinderung kann es sich für Vereine, die Inklusion fördern wollen, auch lohnen, sich mit dem Thema Rehabilitationssport auseinanderzusetzen. Um sich als sogenannter Rehasport-Anbieter zu registrieren, müssen formale Grundlagen erfüllt sein (ausreichend Platz, geschultes Personal etc.), die von Sportvereinen mit der richtigen Planung oft gut gestemmt werden können.

Was ist Rehasport?

Rehabilitationssport, auch unter der Kurzform „Rehasport“ bekannt, ist eine für behinderte und von einer Behinderung bedrohte Menschen entwickelte Leistung mit dem Ziel, die Betroffenen auf Dauer in das Arbeitsleben und in die Gesellschaft einzugliedern.

Was macht man beim Rehasport?

Das ist ganz unterschiedlich, denn beim Rehasport soll ganzheitlich auf das jeweilige Handicap der Teilnehmenden eingegangen werden. Ziel ist es dabei, durch vom Fachpersonal angeleitete Übungen die Ausdauer und Kraft der Teilnehmenden zu stärken und ihre Koordination zu verbessern. Als Rehabilitationssportarten gelten unter anderem Gymnastik, Leichtathletik, Schwimmen, Bewegungsspiele in Gruppen und einzelne Elemente von Judo, Karate, Taekwondo und Jiu-Jitsu. Das Training kann also je nach Gruppe unterschiedlich ausfallen.

Wer verschreibt Rehasport?

Rehasport kann vom behandelnden Arzt verordnet werden und muss von der Krankenkasse genehmigt werden. Hierzu können Sie die jeweilige Verordnung einfach persönlich bei der Krankenkasse vorlegen oder sie per Post zustellen lassen.

Wie lange werden die Kosten für Rehasport übernommen?

Wird Rehasport über die Rentenversicherung beantragt, wird das Training üblicherweise für sechs Monate angesetzt. Bei medizinischer Erforderlichkeit können jedoch auch bis zu zwölf Monate anberaumt werden. Läuft der Antrag derweil über eine gesetzliche Krankenversicherung, dann werden üblicherweise entweder 50 Übungseinheiten in 18 Monaten oder bis zu 120 Übungseinheiten in 36 Monaten angesetzt. Nur bei einer Abwicklung über eine Unfallversicherung läuft die Kostenübernahme in der Regel auf unbegrenzte Zeit.

 

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