ARAG.de verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie der Cookie Nutzung zu. Mehr zu Cookies

Eine attraktive Idee, zum Arbeiten morgens ins Nachbarzimmer zu gehen, statt im Stau auf dem Weg ins Büro zu stehen. Viele Arbeitnehmer und Selbständige schätzen bei der Option Home-Office die flexible Zeiteinteilung und bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Reizt es Sie auch, zu Hause zu arbeiten? Sie fragen sich, was Ihr Chef dazu sagt und ob Sie sogar einen Rechtsanspruch auf Arbeit im Home-Office haben? Wir beleuchten die rechtliche Seite der Heimarbeit.

Was ist Home-Office?

Beim Home-Office arbeiten Sie teilweise oder komplett von zu Hause aus. Sie kommunizieren mit Ihrer Firma per Telefon und Computer. Das kann für Arbeitgeber interessant sein, weil sie durch die Heimarbeit ihrer Angestellten fixe Büro-Kosten sparen.

Für immer mehr Mitarbeiter ist es inzwischen üblich, nur sporadisch im Unternehmensbüro zu sein und ansonsten von zu Hause aus zu arbeiten. Und für Existenzgründer kann ein Home-Office zunächst ein kostenneutraler Arbeitsort sein, ehe sie etwas anmieten.

Infografik zur Telearbeit

Telearbeit

Wer Telearbeit verabredet hat, arbeitet entweder ganz von zu Hause aus oder teilweise im Unternehmen und teilweise zu Hause. Nach der neuen Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) sind Telearbeitsplätze vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Mitarbeiter. Ist alternierende Telearbeit – also ein Wechsel zwischen Büro und zu Hause – vereinbart, wird den Mitarbeitern in der Firma ein fester Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt. Eventuell muss man sich einen Schreibtisch mit mehreren Kollegen, die ebenfalls alternierend arbeiten, teilen. Bei diesem Arbeitsmodell ist es üblich, dass die unterschiedlichen Zeiten, zu denen Sie im Unternehmen anwesend sind, abgesprochen werden. Durch diese äußerst flexible Konstellation ist es sogar möglich, etwa in Hamburg zu leben, aber in Berlin zu arbeiten.

Infografik Mobiles Arbeiten

Mobiles Arbeiten

Mobile Arbeit wird hauptsächlich von Außendienstlern geleistet. Mobil heißt hier ‚viel unterwegs‘. Rechtlich fällt das Arbeiten von unterwegs – zum Beispiel im Zug oder Flieger – nicht unter den Begriff „Telearbeit“. Mobile Arbeiternehmer haben täglich wechselnde Einsatzorte, beispielsweise wenn sie Kunden oder Lieferanten besuchen. So pendeln sie zwischen ihrem Büro in der Firma und den Kunden und arbeiten dabei oft vom Laptop oder Smartphone aus. Hierbei können sie auf die IT-Infrastruktur des Unternehmens zugreifen.

Kein Recht aufs Home-Office

Angenommen, Sie finden es attraktiv, von zu Hause aus zu arbeiten, dann sollten Sie das mit Ihrem Chef besprechen. Legen Sie sich überzeugende Argumente zurecht, denn anders als bei der Teilzeitarbeit gibt es keinen Rechtsanspruch darauf, den Job ganz oder teilweise im Home-Office zu erledigen.

Hier haben es die Niederländer besser. Seit Juli 2015 können sie einen Anspruch auf Heimarbeit durchsetzen, beispielsweise wenn die Kinder krank oder Angehörige pflegebedürftig sind. Dieses Recht haben Angestellte in Unternehmen ab zehn Mitarbeitern. Allerdings muss sich die Arbeit natürlich auch von Hause aus erledigen lassen. Lehnt der Chef die Bitte ab, muss er dies begründen.

In Deutschland hingegen bestimmt grundsätzlich der Arbeitgeber den Arbeitsort seiner Angestellten. Das bedeutet nicht, dass Ihr Wunsch, zu Hause zu arbeiten, gänzlich zum Scheitern verurteilt ist. Klären Sie daher zunächst, ob es für Ihren Job einen Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung gibt, die die Arbeit im Home-Office regelt. In manchen Unternehmen ist klar definiert, wie viel Prozent der Arbeitszeit im Home-Office erbracht werden kann. Genauso gibt es Firmen, die verlangen, dass nach Jobantritt zunächst eine bestimmte Zeit im Büro gearbeitet werden muss, bevor der Wechsel ins Home-Office genehmigt wird.

Andersherum kann Ihr Arbeitgeber Sie nicht gegen Ihren Willen ins Home-Office verbannen. Da Ihre Privatsphäre geschützt ist, verbietet sich eine Zwangs-Versetzung. Sie können also unbesorgt Heimarbeit ablehnen. Mit einer Ausnahme: Wurde das Home-Office arbeitsvertraglich festgeschrieben, müssen Sie bei einer Weigerung mit Abmahnung oder Kündigung rechnen.

Infografik Arbeitszeiten

Arbeitszeiten im Home-Office

In den meisten Fällen vereinbaren Arbeitgeber und -nehmer Vertrauensarbeitszeit . Das bedeutet: Sie müssen die vereinbarte Arbeitszeit erbringen; es erfolgt aber keine Kontrolle Ihrer Zeiteinteilung. Für die Arbeit im heimischen Büro hat es sich dennoch bewährt, geregelte Arbeitszeiten einzuhalten. Ihre Kollegen im Büro sollten wissen, wann sie Sie telefonisch erreichen können und wann nicht. Finden Sie Ihren persönlichen gesunden Arbeitsrhythmus heraus und denken auch an regelmäßige Pausen und Abwechslung in den Arbeitsabläufen.

Ihr Chef zu Besuch

Möchten Sie zu Hause arbeiten, bekommen Sie womöglich zu Beginn Besuch von Ihrem Arbeitgeber. Denn genau wie im Unternehmen gelten in Ihrem Arbeitszimmer zu Hause das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Ihr Arbeitgeber muss sicherstellen, dass Sie auch an Ihrem Bildschirmarbeitsplatz zu Hause Ihre Gesundheit nicht gefährden – und handelt ordnungswidrig, wenn er diese Vorschriften nicht einhält. Wundern Sie sich also nicht, wenn er sich im Vertrag ein Zugangsrecht zu Ihrer Wohnung festschreiben lässt.

Auch kann er nach Absprache prüfen, ob Sie Ihre Vertraulichkeitspflichten einhalten. Alle wichtigen Geschäftsunterlagen müssen vor dem Einblick durch Dritte geschützt werden. Sie sind verpflichtet, Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse auch zu Hause zu wahren. Lassen Sie deshalb keine Kundendaten offen auf dem Schreibtisch liegen – schon gar nicht, wenn Besuch kommt.

 
Zwei passende Gerichtsurteile
Icon Hammer Dunkelblau

Der Beklagte hatte für sich und seine Familie eine 2-Zimmer-Wohnung gemietet. Die Anmietung erfolgte laut Mietvertrag ausdrücklich „zu Wohnzwecken“. Er war als selbständiger Immobilienmakler tätig – und zwar von seiner Wohnung aus. Weil er dabei auch Mitarbeiter beschäftigte, war die Kündigung des Vermieters nach Auffassung des Bundesgerichtshofs berechtigt (Az.: VIII ZR 165/08).

Zum gleichen Ergebnis kamen die Karlsruher Richter in einem anderen Fall. Dort hatte der Beklagte an drei Tagen in der Woche für zwölf Schüler Gitarrenunterricht erteilt, weshalb der Vermieter die Nutzung nicht erlauben musste. Die Kündigung durch den Kläger und die anschließende Räumungsklage waren deshalb erfolgreich
(Az.: VIII ZR 213/12).

Vereinbarungen im Arbeitsvertrag

Ist Ihr Arbeitgeber mit der Heimarbeit einverstanden, müssen nach der neuen Arbeitsstättenverordnung die Einzelheiten im Arbeitsvertrag oder einer zusätzlichen Vereinbarung festgehalten werden. Die Ausstattung des Telearbeitsplatzes mit Mobiliar, Arbeitsmitteln und Kommunikationseinrichtungen ist nach den neuen Vorschriften Sache des Arbeitgebers. Ganz wichtig sind daneben diese Fragen:

Welche Arbeits- und Pausenzeiten gelten?

Wie frei ist man in seiner Zeiteinteilung?

An wie vielen Tagen pro Woche darf die Arbeit von zu Hause aus erledigt werden?

Gibt es im Betrieb Kernarbeitszeiten, die auch im Home-Office einzuhalten sind?

Muss man zu bestimmten Zeiten für Vorgesetzte, Kollegen oder Kunden erreichbar sein?

Darf der Chef den Heimarbeitsplatz besichtigen?

Was darf man auch privat nutzen?

Darf der Vermieter ein Home-Office verbieten?

Sie haben Ihren Chef überzeugt! Kann es jetzt losgehen? In der Regel ja. Wer sein Home-Office in der Mietwohnung einrichtet, braucht normalerweise keine Erlaubnis vom Vermieter. Solange Ihre Tätigkeit nicht dem Charakter der Räume als Wohnung zuwiderläuft, bedarf es keiner vertraglichen Regelung. Wenn Sie also zu Hause am Computer arbeiten oder Telefonate erledigen, bewegen Sie sich noch im Rahmen der so genannten vertragsgemäßen Nutzung Ihrer Mietwohnung. Es sind sogar gelegentliche geschäftliche Besprechungen mit Kollegen erlaubt.

Kritisch wird es nur bei regelmäßigem Kundenverkehr in der Wohnung: Dann könnte der Vermieter Sie wegen vertragswidriger Nutzung der Mietwohnung abmahnen und gegebenenfalls auf Unterlassung klagen oder im schlimmsten Fall das Mietverhältnis kündigen. Sobald nämlich die geschäftlichen Aktivitäten in der Wohnung nach außen in Erscheinung treten, muss der Vermieter sie nicht dulden.

Kommt es zum Streit über die Frage, ob der Vermieter die berufliche Tätigkeit dulden muss, ist es Ihre Sache als Mieter, die Umstände, die zu Ihren Gunsten sprechen, darzulegen und zu beweisen!

Steuer: Kann man sein Home-Office steuerlich absetzen?

Das Arbeitszimmer ist eine komplizierte Materie im Steuerrecht. Entsprechend oft wird darum gestritten, ob das Arbeitszimmer der Arbeitsmittelpunkt ist. Es geht meist darum, wie viele Stunden man zu Hause arbeiten muss, um den Arbeitsplatz absetzen zu können. Für die Oberfinanzdirektion Münster reicht es da bereits, wenn Sie an mindestens drei Wochentagen vom häuslichen Arbeitszimmer aus tätig werden (OFD Münster v. 21.3.2013). Es kommt auch darauf an, ob der Arbeitsplatz privat genutzt wird. Und wo er liegt. Da macht es durchaus einen Unterschied, ob sich Ihr Home-Office innerhalb einer Wohnung, auf derselben Etage und in einem anderen Geschoss befindet.

Die Finanzämter müssen aber auf jeden Fall einen Höchstbetrag von 1.250 Euro akzeptieren, wenn Sie keinen anderen Arbeitsplatz haben. Und wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt Ihrer gesamten Tätigkeit bildet, können Sie sogar sämtliche Kosten für das Arbeitszimmer angeben.

Was übrigens steuerfreie Zusatzleistungen für Arbeitnehmer anbetrifft: Wenn es um Hard- und Software für das Home-Office geht, darf der Zuschuss vom Chef unbegrenzt hoch sein. Und ist die Firma der Eigentümer oder Leasing-Mieter, dürfen Sie die gestellten Geräte zu Hause auch privat nutzen.

Denken Sie an

  • anteilige Miete oder – bei Eigentum – die Finanzierungskosten und Abschreibungen
  • Strom, Wasser, Heizung
  • Ausgaben für Tapeten oder Teppichboden
  • Renovierung des Zimmers

Arbeitsmittel, die Sie im Büro nutzen, lassen sich übrigens beim Finanzamt immer ansetzen, also Computer, Schreibtisch, Stuhl oder Leselampe.

 

Vorteile und Nachteile von Home-Office

Laut einer repräsentativen ARAG Umfrage mit dem Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest wünschen sich mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer mehr Home-Office-Angebote. Wenn Sie noch unsicher sind, lesen Sie unsere Entscheidungshilfen.

Pro

  • Ich kann Familie und Job besser vereinbaren.
  • Ich spare Zeit und die Kosten für die Fahrten zum Job.
  • Man kann Kinderkrankheitstage oder Kitaschließungszeiten besser abdecken.
  • Meine Loyalität steigt, wenn mein Arbeitgeber mir die Möglichkeit gibt, Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

Contra

  • Persönliche Beziehungen zu Kollegen oder einem Team gehen verloren.
  • Der Chef sieht nicht, ob und wie ich arbeite.
  • Was ist mit meinen Karrierechancen, wenn ich nicht präsent bin?
  • Ich fürchte mich vor Ablenkungen und kann Arbeit und Privatleben schlecht trennen. Das Abschalten nach Feierabend fällt schwerer.
40,6% sagen
14,8% sagen
18,4% sagen

Wie bin ich im Home-Office versichert?

Die Unfallversicherung

Auch bei der Arbeit im Home-Office oder als mobiler Arbeiternehmer unterliegen Sie dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Dienstliche Tätigkeiten im Arbeitszimmer sind dabei ebenso versichert wie der Weg in die Firma oder zum Kunden. Ihr Arbeitsweg beginnt übrigens erst an der Außentür des Wohngebäudes, wie das Sozialgericht Karlsruhe urteilte.

Daher liegt kein so genannter Wegeunfall vor, wenn Sie im Home-Office in der eigenen Wohnung oder in einem anderen Stockwerk des Hauses arbeiten und dort auf dem Weg zum Schreibtisch verunglücken (SG Karlsruhe, Az.: S 4 U 675/10). Der Gang aus dem Arbeitszimmer zur Kaffeemaschine oder zur Toilette ist zu Hause – anders als im Büro – also nicht unfallversichert.

Wir freuen uns auf Ihr Feedback

Welche Fragen zum Artikel sind offen geblieben?
Zu welchen Themen würden Sie gerne mehr erfahren?
Was können wir hier in Zukunft besser machen?

Könnte Sie auch interessieren

Was ist eigentlich Vertrauensarbeitszeit?

Vertrauensarbeitszeit ist die eigenverantwortliche Verteilung der individuellen Arbeitszeit durch die Beschäftigten zur Erledigung ihrer Arbeitsaufgaben im Rahmen der geltenden rechtlichen Bedingungen.

Facebook: Chef liest mit

Udo Vetter erläutert, warum man dem Unmut über seinen Arbeitgeber besser nicht bei Facebook & Co Luft macht.

Arbeiten im Ausland

Eine mutige Entscheidung, die im wahrsten Sinne den Horizont erweitert. Damit Ihre „Grenzerfahrung“ gelingt, gibt’s hier wichtige Tipps für die Vorbereitung.

Major Sponsor der Liebherr Tischtennis WM 29.5 bis 26.6