Sport für Frauen im Verein richtig gemacht
Wie Sie Ihr Vereinsangebot attraktiver für Frauen machen und so langfristige Mitgliedschaften bilden.
Auf den Punkt
- Sport für Frauen ist wichtig, da regelmäßige körperliche Aktivität das Wohlbefinden und die Gesundheit verbessert.
- Spezielle Angebote im Verein können Frauen dazu ermutigen, aktiv am Vereinssport teilzunehmen, indem sie Barrieren abbauen und ein entlastendes Umfeld schaffen.
- Unterstützen Sie Frauen in besonderen Lebensphasen wie der Schwangerschaft, indem Sie sichere Sportarten und Trainingsanpassungen anbieten.
- Machen Sie Ihren Sportverein zum Safe Space, in dem Frauen ungestört Sport treiben können und sich wohl fühlen.
Bedeutung von Sport für Frauen
Laut einer Meldung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) war 2025 circa jede vierte Frau (26%) im Alter zwischen 19 und 26 Jahren Mitglied in einem Sportverein. Mit zunehmendem Alter treten Frauen jedoch wieder aus, was dazu führt, dass zwischen 27 und 60 Jahren nur noch knapp jede fünfte Frau in einem Sportverein aktiv ist.
Das ist schade, da Sport für Frauen viele positive Effekte hat, die über die körperliche Gesundheit hinausgehen:
- Sport verbessert das körperliche Wohlbefinden,
- stärkt das Selbstvertrauen und das Gemeinschaftsgefühl und
- reduziert das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und anderen gesundheitlichen Problemen.
Zudem erzielen Frauen durch regelmäßige Bewegung dieselben gesundheitlichen Vorteile oft mit weniger intensivem Training als Männer. Laut einer chinesisch-amerikanischen Studie können Frauen bereits mit 140 Minuten Bewegung pro Woche ihr Sterberisiko um 18 % senken, während Männer etwa 300 Minuten benötigen, um denselben Effekt zu erzielen.
Obwohl der Anteil an Frauen an der Gesamtbevölkerung höher ist, sind sie in Sportvereinen dennoch unterrepräsentiert. Dieses Potenzial bietet Ihrem Verein die Chance, durch gezielte Maßnahmen mehr Frauen zu gewinnen und ihre Beteiligung zu erhöhen.
Darum braucht Sport für Frauen spezielle Angebote
Was auch immer Frauen abhält, im Verein zu trainieren, durch ein spezielles Angebot können Sie gezielt dazu beitragen, diese Barrieren abzubauen und sie ermutigen, sportlich aktiv zu werden.
Safe Space Sportverein
- Der Sportverein muss ein „Safe Space“ sein, damit sich jedes Mitglied sicher und wohl fühlt. Schaffen Sie Umgebungen, in denen Frauen frei von Belästigungen oder unangemessenen Blicken sind. Ein sicherer Raum im Sportverein fördert das Wohlbefinden und die Motivation, regelmäßig Sport zu treiben.
- Angemessene Umkleide- und Duschmöglichkeiten stellen sicher, dass Frauen ihre Privatsphäre wahren können. Diskrete und gut ausgestattete Einrichtungen tragen zu mehr Sicherheit und Respekt bei, was die Bereitschaft zur Teilnahme am Vereinsleben erhöht.
- Darüber hinaus sollten Sportvereine effektive Maßnahmen implementieren, um das Vertrauen der Frauen zu gewinnen und ihre Sicherheit zu gewährleisten. Ein wichtiger Bestandteil ist hier auch die Prävention von Belästigung und Gewalt. Schulungen zur Sensibilisierung und Prävention fördern einen respektvollen und sicheren Umgang miteinander.
- Auch die soziale Unterstützung innerhalb des Vereins ist von großer Bedeutung. Die Vernetzung und gegenseitige Unterstützung unter den Vereinsmitgliedern bieten Frauen die Möglichkeit, sich auch außerhalb des Vereinsalltags zu motivieren und füreinander da zu sein. Gemeinsame Aktivitäten und regelmäßige Treffen fördern den Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl, was die langfristige Bindung an den Verein stärkt.
Indem Ihr Sportverein solche Angebote schafft, leistet er einen wertvollen Beitrag zur Förderung der Geschlechtergleichstellung im Sport und zur Stärkung der sportlichen Gemeinschaft insgesamt.
Frauen im Ehrenamt: Warum Vereine von weiblichen Führungskräften profitieren
Frauen bereichern Sportvereine als aktive Mitglieder, Trainerinnen, Übungsleiterinnen, Schiedsrichterinnen und Vorstandsmitglieder. Aktuelle Daten zeigen jedoch: Frauen sind in Führungspositionen im organisierten Sport weiterhin unterrepräsentiert. So liegt der Frauenanteil in den Präsidien der Landessportbünde bei rund 21 %, in den Spitzenverbänden sogar nur bei etwa 10 %. Dabei profitieren Vereine von unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen bei der Gestaltung ihres Vereinslebens.
Weibliche Ehrenamtliche übernehmen häufig wichtige Aufgaben in der Organisation, Nachwuchsarbeit oder Mitgliederbetreuung. Gleichzeitig fungieren sie als Vorbilder für Mädchen und junge Frauen. Sie zeigen, dass sportliches und ehrenamtliches Engagement unabhängig von Geschlechterrollen möglich ist.
Wie Vereine mehr Frauen fürs Ehrenamt gewinnen
- Frauen gezielt ansprechen, statt auf Meldungen zu warten
- Flexible und zeitlich begrenzte Aufgaben anbieten
- Weiterbildungen und Qualifizierungen fördern
- Engagement sichtbar wertschätzen
- Weibliche Vorbilder im Verein präsentieren
Dabei bestehen in vielen Vereinen bereits aktive Frauenabteilungen. Was jedoch häufig fehlt, sind strukturelle Unterstützung, Sichtbarkeit und gezielte Nachwuchsarbeit. Genau hier liegt das Potenzial: Frauenbindung beginnt mit echter Beteiligung auf dem Spielfeld und in der Vereinsstruktur.
Tipp: Ein Vorstand, in dem Männer und Frauen gemeinsam Verantwortung tragen, bringt nicht nur neue Perspektiven – er steht sichtbar für Gleichstellung, Vielfalt und Zukunftsfähigkeit.
Programme für Frauen im Sportverein: Diese Angebote sind besonders beliebt
In den letzten Jahren hat sich das Bewusstsein für die Bedeutung von spezifischen Sportprogrammen für Frauen im Sportverein stark erhöht. Immer mehr Vereine erkennen die Notwendigkeit, Programme anzubieten, die gezielt auf die Bedürfnisse und Interessen ihrer weiblichen Mitglieder zugeschnitten sind. Dabei geht es nicht nur darum, stereotype Vorstellungen von „typisch weiblichen“ Sportarten zu bedienen, sondern vielmehr darum, vielfältige Möglichkeiten zu schaffen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen, Vorlieben und Zielen von Frauen gerecht werden.
Trendsportarten, die bei Frauen besonders beliebt sind
Für die meisten Frauen steht beim Sporttreiben die Gesundheit im Vordergrund, aber auch der Wunsch nach einem Ausgleich zum oft stressigen Alltag. Zu den Favoriten gehören Fitness, Aerobic und Ausdauertraining. Diese Aktivitäten ermöglichen es Frauen, sich körperlich zu betätigen und gleichzeitig Stress abzubauen und Energie zu tanken. Insbesondere Fitnessstudios sind für ihre bestärkende Community bekannt, die Frauen dabei unterstützt, ihre Ziele zu erreichen und sich wohlzufühlen.
Daneben sind auch Laufsportarten wie Joggen, Trailrunning oder Wandern in kleinen Gruppen bei Frauen sehr gefragt. Der Reiz dieser Aktivitäten liegt nicht nur im körperlichen Training, sondern auch darin, in einer vertrauten Umgebung und eigenem Tempo trainieren zu können.
Ein weiterer Bereich, der bei Frauen zunehmend an Beliebtheit gewinnt, sind Selbstverteidigungskurse und Kampfsportarten. Obwohl diese nicht unbedingt als Trendsportarten gelten, entsteht eine wachsende Nachfrage. Neben der körperlichen Fitness bieten sie Frauen die Möglichkeit, ihr Selbstvertrauen und ihr Durchsetzungsvermögen zu stärken, was sich positiv auf ihr alltägliches Leben auswirken kann.
Individuelles zyklusorientiertes Training
Sportvereine, die Angebote für Frauen bereitstellen, sollten darauf achten, dass ihre Trainerinnen, Trainer und Übungsleitenden über Kenntnisse zu den besonderen Bedürfnissen von Frauen verfügen. Dazu gehört auch Wissen über zyklusorientiertes Training, um Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsentwicklung von Sportlerinnen bestmöglich zu unterstützen.
Sport während und nach der Schwangerschaft
Die Zeit der Schwangerschaft markiert oft einen Wendepunkt im Leben einer Frau, besonders in Bezug auf ihre sportlichen Aktivitäten. Viele Frauen treten aus Vereinen aus, sobald sie eine Familie gründen. Wenn Sie sichere und unterstützende Programme während und nach der Schwangerschaft anbieten, haben Sie eine einzigartige Gelegenheit, die Frauen als Mitglieder zu halten oder sogar neue zu gewinnen.
Während der Schwangerschaft ist es wichtig, sichere Sportarten zu wählen und das Training entsprechend anzupassen, um die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen. Dazu gehören unter anderem Schwimmen, Wassergymnastik, sanftes Yoga, Walking, leichtes Aerobic und Radfahren auf stationären Fahrrädern.
Nach der Geburt ist eine schrittweise Rückkehr zum Sport die beste Option, wobei die individuellen Bedürfnisse und Herausforderungen berücksichtigt werden müssen. Eine Kinderbetreuung während des Sports erleichtert die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Sport. Spezielle Programme für Mütter und Kinder führen die Jüngsten schon früh an den Vereinssport heran.
Tipp: Als Verein können Sie angepasste Mitgliedsbeiträge während der Schwangerschaft anbieten oder sogar die Möglichkeit, die Mitgliedschaft in dieser Zeit zu pausieren, um Frauen in der besonderen Lebensphase zu unterstützen.
Spezielle Angebote für die Wechseljahre
Während der Wechseljahre führen hormonelle Veränderungen häufig zu Veränderungen der körperlichen Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig steigt das Risiko für Osteoporose, Knochenbrüche und Muskelabbau. Das ist jedoch kein Grund, auf Sport zu verzichten – im Gegenteil: Regelmäßige Bewegung kann dabei helfen, Gesundheit, Mobilität und Wohlbefinden langfristig zu erhalten. Vereine können Frauen in dieser Lebensphase mit gezielten Angeboten unterstützen, die Kraft, Ausdauer, Gleichgewicht und Koordination fördern. Geeignet sind beispielsweise Gruppenfitnesskurse, Yoga, Schwimmen oder Walking-Gruppen, die auf die Bedürfnisse älterer Frauen abgestimmt sind.
Verletzungen bei Frauen vorbeugen: Worauf Vereine achten sollten
Frauen profitieren wie Männer von einem gut geplanten und altersgerechten Training. Dennoch gibt es einige Besonderheiten, die Vereine bei der Gestaltung ihrer Angebote berücksichtigen können.
In einigen Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, Sprüngen und abrupten Stopps erleiden Frauen häufiger Kreuzbandverletzungen als Männer – zum Beispiel beim Fußball, Handball, Basketball, Volleyball und Hockey. Als mögliche Ursachen gelten anatomische Unterschiede sowie andere Bewegungsmuster bei Landungen und Richtungswechseln. Vereine können das Verletzungsrisiko durch gezieltes Stabilisations- und Koordinationstraining, Technikschulungen sowie präventive Übungen insbesondere im Jugendbereich wirksam reduzieren.
Besonders nach einer Schwangerschaft und Geburt, aber auch bei intensiven Sprung-, Lauf- oder Kraftsportarten wird der Beckenboden stark beansprucht. Viele Frauen unterschätzen diese Belastung, obwohl ein gut trainierter Beckenboden wichtig für Stabilität, Haltung und langfristige Gesundheit ist. Vereine können ihre Mitglieder durch qualifizierte Übungsleiterinnen und Übungsleiter, angepasste Trainingsangebote sowie einen behutsamen Wiedereinstieg nach der Geburt unterstützen und so dazu beitragen, Beschwerden vorzubeugen.
Praxisbeispiel: „Alte Damen“-Mannschaft im Verein
In einem Fußballverein mit einer etablierten „Alte Herren“-Mannschaft entstand zusätzlich eine „Alte Damen“-Mannschaft, für Frauen ab 30 Jahren und solche, die nicht mehr am aktiven Ligabetrieb teilnehmen wollten oder konnten. Das Ziel war ein offenes, generationsverbindendes Fußballangebot ohne Leistungsdruck, aber mit Teamgeist.
So gelang der Start:
- Einladung zum Schnuppertraining mit anschließendem Beisammensein
- Wöchentliches Training, Hobbyturniere, enge Zusammenarbeit mit der „Alte Herren“-Gruppe
- Kinderbetreuung wurde partnerschaftlich organisiert oder vom Verein mitgedacht
Das Ergebnis: Ein engagiertes Team aus ehemaligen aktiven Spielerinnen und Neueinsteigerinnen. Die „Alte Damen“-Mannschaft zeigt: Fußball kann für Frauen in jeder Lebensphase ein Ort der Begegnung, Bewegung und Zugehörigkeit sein.
So wird Sport für Frauen gefördert
Frauen im Sport zu fördern ist ein wichtiger Schritt zu mehr Gleichstellung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Verschiedene Initiativen und Programme wurden ins Leben gerufen, um Frauen zu ermutigen, am Sport teilzunehmen und ihre individuellen Fähigkeiten zu entwickeln.
Ein Beispiel sind die Frauensporttage, die von Verbänden und Organisationen abgehalten werden, um Frauen einen einfachen und unkomplizierten Zugang zum Sport zu ermöglichen. Diese Veranstaltungen bieten eine Vielzahl von sportlichen Aktivitäten und Workshops an.
Ein weiteres Beispiel ist die Initiative klischeefrei im Sport, die sich zum Ziel gesetzt hat, traditionelle Geschlechterklischees im Sport zu überwinden und Mädchen und Frauen zu ermutigen, sich frei von Geschlechterstereotypen im Sport zu engagieren. Durch gezielte Maßnahmen und Sensibilisierungskampagnen soll das Bewusstsein für die Vielfalt der sportlichen Möglichkeiten für Frauen geschärft und ihnen die Teilnahme an verschiedenen Sportarten erleichtert werden.
Darüber hinaus gibt es Programme wie „Integration durch Sport für Frauen“, die speziell darauf abzielen, Frauen mit Migrationshintergrund den Zugang zum Sport zu erleichtern und ihre Integration in die Gesellschaft zu fördern. Diese Programme bieten eine Vielzahl von sportlichen Aktivitäten und Veranstaltungen, um Frauen aus verschiedenen kulturellen Hintergründen zusammenzubringen, Barrieren abzubauen und soziale Bindungen zu stärken.
Aktuell in Augsburg, Bochum, Dortmund, Herne, Karlsruhe und München können Mädchen kostenfrei bei „Mädchen an den Ball“ mitmachen. Das Training findet bei jedem möglichen Wetter auf den Fußballplätzen kooperierender Vereine und Institutionen statt. Ziel des Projektes ist es, niederschwellige und breitensportbetonte Angebote nur für Mädchen zu schaffen. Es geht darum, den Spaß und die Freude am Fußballspielen weiterzugeben und die Kommunikation und Interaktion der Mädchen zu stärken.
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