16.02.2022

Immer wieder kommt es zu Schäden bei und nach heftigen Stürmen und Unwettern. Da kommt die Frage auf, wer die Kosten für entstandene Sachschäden übernehmen wird. Nach Auskunft der ARAG Experten werden Sturmschäden grundsätzlich von den Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen abgedeckt.

Wohngebäudeversicherung

Die heute übliche Wohngebäudeversicherung deckt alle Sturmschäden am Gebäude ab. Sie schließt ebenfalls Feuer-, Leitungswasser- und Hagelschäden mit ein. Auch Folgeschäden sind mitversichert – wenn beispielsweise durch ein abgedecktes Dach Regenwasser ins Haus eindringt und Wände, Decken oder Fliesen beschädigt. Die Versicherung übernimmt die Kosten, die der Eigentümer braucht, um das Haus nach einem Sturm wieder in Stand zu setzen.

ARAG Experten weisen darauf hin, dass jeder Hauseigentümer eine solche Versicherung benötigt. Die Gebäudeversicherung für Eigentumswohnungen wird in der Regel von der Hausverwaltung abgeschlossen. Die Höhe der Versicherungsbeiträge richtet sich nach der Region, in der man wohnt. Die Bundesrepublik ist dabei in verschiedene Gefahrenzonen aufgeteilt: In Gebieten, in denen es häufiger stürmt, ist es daher teurer, sich gegen Sturmschäden zu versichern.

Hausratversicherung

Neben Standardleistungen wie beispielsweise Einbruch, Brand- und Leitungswasserschäden ersetzt die Hausratversicherung auch Sturmschäden an Möbeln und anderen Einrichtungs­gegenständen. Auch hier sind die Folgeschäden am Hausrat mitversichert, wenn das Dach durch den Sturm beschädigt oder abgedeckt wurde.

Die Glasversicherung deckt die Bruchschäden an Fenster – und Türscheiben und Glasdächern – einschließlich der Kosten für eine eventuell erforderliche Notverglasung. Für Gebäude, die sich noch im Bau befinden, ist eine Bauleistungsversicherung notwendig.

Warum die Elementarversicherung so wichtig ist

Bei wem beispielsweise der Keller nach einem heftigen Gewitter mit Starkregen vollläuft, der hat mit Hausrat- und Wohngebäudeversicherung allein schlechte Karten, denn hierbei tritt keine der beiden Versicherungen ein.

Hier hilft nur eine so genannte zusätzliche Elementarschaden-Versicherung, die in der Regel zusammen mit einer Wohngebäude- oder Hausratversicherung abgeschlossen wird.

Sie sichert Schäden, die über Sturm und Hagel hinausgehen, ab. Sie zahlt etwa für Schäden durch Starkregen, Blitzschlag, Hochwasser, Schneedruck, Erdrutsch, Erdsenkung oder Erdbeben. Die Gebäude werden dann beispielsweise trockengelegt. Müssen sie im schlimmsten Fall abgerissen werden, zahlt das die Elementarversicherung ebenso wie den Bau eines gleichwertigen Objekts. Muss man während der Instandsetzungsphase woanders wohnen, kommt die Versicherung dafür auf – auch, wenn Vermietern Mietverluste entstehen. Ein großes Thema ist auch der sogenannte Rückstau. Die Kanalisation kann die Wassermassen nicht abtransportieren und das Wasser sucht sich, wenn keine oder schlechte Vorkehrungen getroffen sind, eigene Wege – im unappetitlichsten Fall ins Haus und quillt aus Toiletten und Waschbecken. Richtet es Schäden an, kommt dafür die Elementarschadenversicherung auf, wenn so genannte Rückstau-Schäden explizit eingeschlossen sind.

Kaskoversicherungen

Durch die Kaskoversicherungen werden alle unmittelbaren Sturm- und Hagelschäden an Autos abgedeckt. Wird das Fahrzeug beispielsweise durch umherfliegende Dachpfannen, herabstürzende Äste oder umgestürzte Bäume beschädigt, tritt die Teilkaskoversicherung ein. Sie zahlt die notwendigen Reparaturen oder ersetzt im Bedarfsfall den Zeitwert des Wagens – abzgl. einer etwaigen Selbstbeteiligung. Die Teilkasko kommt laut Auskunft der ARAG Experten allerdings nicht für mittelbare Sturmschäden auf! Hier bedarf es einer Vollkaskoversicherung. Diese ersetzt Schäden, auch am eigenen Fahrzeug, die durch eigenes Verschulden entstanden sind: Wenn z. B. ein unachtsamer Fahrer auf einen Wagen auffährt, der zuvor gegen einen vom Sturm umgestürzten Baum geprallt ist.

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Melden Sie Schäden so schnell wie möglich. Um Folgeschäden zu vermeiden, sind notdürftige Reparaturen zwar erlaubt, bevor der Gutachter der Versicherung da war, aber um auf Nummer sicher zu gehen, sollten vor der Reparatur Fotos von der Schadensstelle gemacht werden.

Schäden durch Stark­regen: Sieben Fragen zur Versicherung

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Gerichtsurteile nach Sturmschäden

Kollision mit einem umgestürzten Baum

Ob zu Fuß, mit dem Rad, im Auto oder in den vermeintlich sicheren vier Wänden – umgestürzte Bäume können gefährlich werden. Doch wer haftet, wenn es dabei zu Schäden kommt? Hängt davon ab – sagen die ARAG Experten. In einem konkreten, noch nicht rechtskräftigen Fall war ein Autofahrer nachts gegen einen umgestürzten Baum gefahren, der hinter einer Kurve die Straße blockierte. Den Schaden von rund 4.600 Euro wollte der Fahrzeughalter vom Eigentümer des Baumes, dem Land Nordrhein-Westfalen, ersetzt bekommen. Nach seiner Auffassung sei das Land dazu verpflichtet, seinen Baumbestand regelmäßig zu kontrollieren. So weit, so gut und richtig. Doch das Land lehnte es ab, für den Schaden am Fahrzeug aufzukommen, da es regelmäßige Kontrollen gegeben habe. Das Problem: Die Baumwurzeln waren verfault, weshalb der Baum den Sturm nicht überlebt hatte. Dies sei trotz sorgfältiger Kontrollen nicht aufgefallen. Das Gericht konnte den Sachverhalt zwar nicht mehr prüfen, weil der Baum bereits entfernt und beseitigt worden war, doch es wies die Klage ab. Da es keine Anzeichen für die Erkrankung gab, wollten die Richter keine schuldhafte Verletzung der Verkehrssicherungspflicht erkennen (Landgericht Köln, Az.: 5 O 77/20).

Wenn es Dachziegel regnet

Ein Grundstücks- oder Immobilieneigentümer muss mit erheblichem Sturm rechnen und für entsprechende Festigkeit der Gebäudeteile sorgen. In einem konkreten Fall tobte der Sturm mit Windstärke zehn durch die Stadt. Das Dach einer Kirche hielt nicht stand und einige Dachziegel fielen herab und beschädigten ein vor der Kirche geparktes Auto. Die Kaskoversicherung zahlte zwar den Schaden von knapp 7.000 Euro, verlangte aber Erstattung von der Kirche. Die weigerte sich zunächst. Doch laut ARAG Experten waren die Richter auch in zweiter Instanz der Ansicht, dass ein Dach, das Stürme bis Windstärke 13 nicht standhält, offenbar fehlerhaft errichtet oder mangelhaft kontrolliert sein muss (Oberlandesgericht Stuttgart, Az.: 4 U 97/16).

Gefährliches Parken unter Bäumen

Ein immer wiederkehrender Streitpunkt sind umstürzende Bäume oder abknickende Äste, die parkende Autos beschädigen. ARAG Experten weisen in diesem Zusammenhang auf einen Fall hin, bei dem ein Pkw durch einen herabgefallenen Platanen-Ast beschädigt wurde. Die Ausbesserung der im Fahrzeugdach entstandenen Dellen kostete rund 1.500 Euro. Der Autofahrer verklagte die Gemeinde auf Schadensersatz, weil diese seiner Ansicht nach ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt und dadurch den Schaden verschuldet habe. Sie wäre dazu verpflichtet gewesen, den 15 Meter hohen Baum nicht nur – wie geschehen – vom Boden aus, sondern mit Hilfe eines Hubwagens eingehend auf trockene Äste zu untersuchen. Das zuständige Gericht teilte diese Meinung jedoch nicht (Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt a. M., Az.: 1 U 30/07). Anders sieht es allerdings aus, wenn bei einem sehr hohen Baum totes Holz wegen einer dichten Krone vom Boden aus nicht erkennbar ist. Dann reicht eine Sichtkontrolle von unten nicht aus, um der Verkehrssicherungspflicht zu genügen (OLG Brandenburg, Az.: 2 U 58/99).
Ein anderer Autofahrer hatte nicht so viel Glück mit dem Ersatz seines Schadens. Sein parkendes Fahrzeug war durch einen großen, herabfallenden Ast beschädigt worden. Allerdings war der Ast durch einen Sturm tags zuvor abgerissen worden, hatte sich aber im weiteren Geäst des Baumes verfangen und landete erst mit Verspätung auf dem Autodach. Der Fahrzeughalter meldete den Schaden seiner Versicherung als Sturmschaden. Doch diese verweigerte die Schadensregulierung, da Sturm und Schadensereignis nicht in direktem Zusammenhang standen. Auch die Richter waren der Ansicht. Anders wäre der Fall zu beurteilen, wenn der Sturm einzige oder letzte Ursache für den Schaden am Fahrzeug gewesen wäre. Aber eine unmittelbare Einwirkung lag hier nicht vor und wäre nach Auskunft der ARAG Experten nur von einer Vollkaskoversicherung gedeckt gewesen (Amtsgericht Bremen, Az.: 7 C 323/14).

Markise rein, wenn’s stürmt!

Bei Sturm muss jedem klar sein, dass es zu Windstößen kommen kann, die erheblichen Schaden anrichten können. Lässt man die nötige Vorsicht vermissen, verliert man unter Umständen wegen grober Fahrlässigkeit den Versicherungsschutz. In einem beispielhaften Fall wurde eine Markise bei Windstärke 8 stark beschädigt. Der Hausherr ließ die Schäden zu einem Preis von 1.785 Euro reparieren; diese Kosten sollte seine Wohngebäudeversicherung ihm erstatten. Doch diese weigerte sich unter Hinweis darauf, dass der Mann grob fahrlässig gehandelt habe, da er die fragliche Markise bei den ersten Anzeichen des aufziehenden Sturms nicht zur Gänze eingefahren hatte. Die zuständige Richterin gab der Versicherung Recht: Es müsse jedermann klar sein, gerade auch einem 89-jährigen Mann mit langer Lebenserfahrung, dass es bei einem heftigen Sturm zu Windstößen kommen könne, die auch eine moderne Markise zerstören können. Da der Kläger dies ignoriert hatte, bestand nach Auskunft der ARAG Experten kein Versicherungsschutz mehr (Amtsgericht München, Az.: 112 C 31663/08).

Wenn das Toilettenhäuschen unglücklich landet

Fällt ein Toilettenhäuschen durch starken Sturm um und beschädigt dabei ein Fahrzeug, haftet der Besitzer des mobilen Klos. Er muss schließlich dafür sorgen, dass das Häuschen sicher steht oder aber woanders abgestellt wird. Doch wer in der Nähe eines solchen Leichtbaus parkt, während es heftig stürmt, muss nach Auskunft der ARAG Experten mit einer Mithaftung rechnen. In einem konkreten Fall teilten sich eine Fahrzeughalterin und die Eigentümerin des Toilettenhäuschens den Schaden (Amtsgericht Ratingen, Az.: 8 C 1768/90).

Unser Praxistipp: Kosten von Sturmschäden von der Steuer absetzen

Wer Sturmschäden in Haus oder Garten beseitigen muss, kann Kosten von der Steuer absetzen. Erstattet werden zum Beispiel Kosten aus dem Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen, wie ein Gärtner, der einen umgefallenen Baum zersägt und abtransportiert.

Zur Schule bei Sturm?

Bei einem heftigen Sturmtief stellt sich die Frage nach dem Schulbetrieb. Eltern von minderjährigen Schülerinnen und Schülern können ihre Kinder für einen Tag zu Hause behalten oder vorzeitig vom Unterricht abholen, wenn sie eine unzumutbare Gefährdung auf dem Schulweg durch extreme Witterungsverhältnisse befürchten, so die ARAG Experten.

Wenn der Baum aufs Haus fällt

Was ist, wenn ein Baum das Haus des Nachbarn beschädigt? Unser ARAG Rechtsexperte Tobias Klingelhöfer beantwortet die wichtigsten fünf Fragen zu diesem Thema.

Kettensäge & Co: Das sagt das Bundes-Immissions­schutzgesetz

Wann darf man mähen, häckseln, Laub blasen. Wir verraten es Ihnen.

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