14.02.2019

Rund 1,1 Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland erhalten regelmäßig Nachhilfe – in kommerziellen Nachhilfe-Instituten oder bei Privatlehrern. Gut zu wissen, wie man die richtige Nachhilfeschule findet, wie man sich von einem geschlossenen Vertrag wieder lösen kann und welche Leistung die Nachhilfe zu erbringen hat.

Wie finde ich eine gute Nachhilfe?

Wichtig ist, dass zwischen Schülern und Lehrern ein gutes Verhältnis besteht. In aller Regel können mit Nachhilfeschulen Probestunden vereinbart werden. Diese Angebote sind unbedingt wahrzunehmen, bevor ein langfristiger Vertrag geschlossen wird. Nur so kann der Schüler herausfinden, ob ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann. Grundsätzlich gilt, dass Verträge mit möglichst kurzer Laufzeit abgeschlossen werden sollten. Daneben ist sicherzustellen, dass der Unterricht auch tatsächlich in der vereinbarten Gruppengröße stattfindet.

Was muss ich zum Vertrag wissen?

Nachhilfeverträge (Unterrichtsverträge) sind Dienstverträge. Das bedeutet: Es wird kein konkreter Lernerfolg, sondern eine bloße Lehrtätigkeit geschuldet. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Vertrag mit einer Nachhilfeschule oder mit einem einzelnen Nachhilfelehrer zustande kommt. Der Hintergrund ist, dass beide weder garantieren können noch rechtlich dafür einstehen wollen, dass der Schüler ein bestimmtes Verb zu konjugieren lernt, eine Mathematikarbeit besteht oder die Versetzung schafft. Im Vertrag verpflichten sie sich daher grundsätzlich lediglich dazu, bestimmte Lehrinhalte zu vermitteln. So heißt es in den Vertragsbestimmungen einer überregionalen Kette von Nachhilfeschulen zur Leistungspflicht: „Der aktuelle Schulstoff wird behandelt, wiederholt und vertieft.“ Auf mehr haben die Eltern dann auch keinen Anspruch. Es ist auch möglich, individuell einen Vertrag abzuschließen und einen bestimmten Lernerfolg zu vereinbaren. Hierauf werden sich aus dem dargestellten Grund vernünftigerweise aber nur die wenigsten einlassen.

Wie kündige ich die Nachhilfe?

Wurde ein Vertrag mit einer bestimmten Laufzeit geschlossen, ist das ordentliche Kündigungsrecht ausgeschlossen. Ansonsten gelten die Kündigungsfristen des BGB, die sich daran orientieren, wie die Vergütung erfolgt. Erhält ein Nachhilfelehrer die Vergütung jeweils für den Tag des Unterrichts, so ist der Vertrag an jedem Tag für den Ablauf des folgenden Tages kündbar. Ist die Vergütung nach Monaten bemessen, kann bis zum 15. eines Monats zum Ende desselben Monats gekündigt werden. Dies gilt allerdings nur dann, wenn keine Mindestlaufzeit vereinbart wurde.

Werfen Sie daher unbedingt einen Blick in die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Wenn gekündigt werden soll, ist darauf zu achten, dass die Kündigung nachweisbar fristgemäß zugegangen ist. Daneben existieren noch andere Möglichkeiten, das Vertragsverhältnis zu lösen. Wird der Vertrag nicht ordnungsgemäß erfüllt, so kann er außerordentlich ohne Einhaltung einer Frist gekündigt werden. Denkbar ist, dass die vereinbarte maximale Gruppengröße nicht eingehalten wird oder die Lehrer nicht über die Qualifikation verfügen, mit der geworben wurde. Eine Kündigung ist allerdings kaum damit begründbar, dass der Schüler sich nicht verbessert hat, da dies vertraglich nicht geschuldet ist. Der Nachhilfeinstitution müssen daher konkrete Vertragsverletzungen nachgewiesen werden können.

Was muss ich bei privater Nachhilfe beachten?

Der pensionierte Deutschlehrer, der nette Abiturient aus der Nachbarschaft oder ein Student, der einen Nebenjob sucht: Neben offiziellen Angeboten können Eltern auch auf private Angebote zurückgreifen. Möglicherweise sind Privatlehrer zeitlich flexibler als ein Nachhilfe-Institut und kommen meist ins Haus. Hilfreich ist hier, Referenzen zu haben. Einfach mal nachfragen, wer gute Erfahrungen mit dem potentiellen Nachhilfelehrer gemacht hat.

Was wir zum Thema Vertrag geschrieben haben, gilt auch für private Lehrer. Darüber hinaus sind Schüler und Studenten möglicherweise günstiger als ein Pädagoge. Ob sie alle ihre Einkünfte beim Finanzamt angeben, ist ihre Sache. Sollten Sie aber planen, Nachhilfe von der Steuer abzusetzen, was ohnehin nur bei attestierter Lernschwäche oder einem Umzug unter bestimmten Umständen infrage kommt, sollten Sie auf eine Quittung bestehen.

Kann ich Nachhilfe von der Steuer absetzen?

In der Regel können Nachhilfestunden steuerlich nicht geltend gemacht werden. Hier gibt es aber zwei kleine Ausnahmen: Hat ein Arzt Legasthenie oder Dyskalkulie attestiert, können Kosten für den zusätzlichen Unterricht als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden, wenn die eigene zumutbare Belastungsgrenze in diesem Jahr überschritten wurde. Diese liegt zwischen einem und sieben Prozent der Gesamteinkünfte.

Zieht eine Familie aus beruflichen Gründen um, können Nachhilfekosten als Werbungskosten abgesetzt werden, wenn der Nachwuchs in der neuen Schule Schwierigkeiten hat. Das ist auch bei einem Wechsel in ein anderes Bundesland möglich. Bei einem Umzug nach dem 1. März 2018 können maximal 1.984 Euro umzugsbedingte Unterrichtskosten geltend gemacht werden. Für Umzüge nach dem 1. April 2019 erhöht sich der Betrag auf 2.045 Euro.

Muss auch in den Ferien gezahlt werden?

Eine Klausel in den AGB, wonach in den Ferien, wenn auch die Nachhilfeschule geschlossen hat, die Vergütung weiter zu erfolgen hat, ist unwirksam. Auch eine verminderte Vergütung darf in diesem Fall nicht verlangt werden (LG Nürnberg-Fürth, Az.: 3 O 540/99).

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