08.02.2022

Ein Unfall passiert! Sie greifen zum Handy und wählen 112 – schon ist Hilfe unterwegs. Mit der europaweit einheitlichen Notrufnummer können die örtlichen Feuerwehren, Rettungsdienste oder die Polizei gebührenfrei aus allen Fest- und Mobilfunknetzen der Europäischen Union (EU) gerufen werden. Da nur rund 20 Prozent der Deutschen diese Nummer kennen, haben die ARAG Experten wissenswerte Fakten zur 112 zusammengetragen.

Wer hat den Notruf erfunden?

Am 3. Mai 1969 wird der kleine Björn eine Woche vor seinem neunten Geburtstag auf dem Nachhauseweg vom Schwimmbad von einem Auto angefahren. Handys gibt es nicht und auch keine zentrale Notrufnummer. Es dauert weit über eine Stunde, bis der Krankenwagen am Unfallort eintrifft. Björn überlebt den Transport zum Krankenhaus nicht.

Rund zwei Jahre später gründen die trauernden Eltern die „Björn Steiger Stiftung“. Mit ihrem Engagement sorgten Ute und Siegfried Steiger maßgeblich dafür, dass wir heute flächendeckend und rund um die Uhr über die zentralen Notrufnummern 110 und 112 Hilfe rufen können.

Die Arbeit der Stiftung geht bis heute mit Babynotarztwagen, Anti-Herztod-Aktionen, Rettungsunterricht an Schulen, Handyortung bei Notrufen und zahlreichen anderen Projekten weiter.

Wer die 112 wählt, ruft oft einfach einen Krankenwagen, Rettungswagen oder Notarzt. Diese Begriffe werden meist synonym für die schnelle Hilfe am Unglücksort benutzt. Die ARAG Experten weisen jedoch auf Unterschiede hin, die Sie im Notfall kennen sollten.

112 – europaweit gültig, immer erreichbar

Damit Reisende sich nicht unterschiedliche, aber so lebenswichtige Notrufnummern merken müssten, gilt für ganz Europa die einheitliche Nummer 112, um die nächstgelegene Notrufzentrale zu alarmieren. Und zwar kostenfrei aus allen Netzen. Der Notruf ist seit 2009 jeden Tag im Jahr rund um die Uhr erreichbar. Sollten Anrufer zu Stoßzeiten nur die Warteschleife erreichen, sollten sie nach Auskunft der ARAG Experten unbedingt dranbleiben. Wer auflegt und erneut anruft, landet am Ende der Warteliste, so dass der Notruf unnötig Zeit kosten könnte.

Verpflichtend für EU-Staaten

Für alle EU-Mitgliedstaaten ist der Notruf 112 verpflichtend. Allerdings dürfen die Länder laut der ARAG Experten die 112 auch ergänzend zum bisherigen nationalen Notruf (z. B. 15, 17 oder 18 in Frankreich oder 118 in Italien) schalten. Wer den Notruf 112 in den USA oder Kanada wählt, wird an den nationalen Notruf 911 weitergeleitet. In Dänemark, Finnland, Malta, den Niederlanden, Portugal, Rumänien und Schweden gilt landesweit die 112 als einzige oder Haupt-Notrufnummer. Aber auch Länder außerhalb der EU wie beispielsweise die Schweiz, Montenegro oder die Türkei nutzen die 112 als Notrufnummer. Und in Südafrika etwa kann über die 112 per Handy ein Notruf abgesetzt werden. Übrigens: Laut ARAG Experten gilt für den Notruf die Sprache des Landes, in dem sich der Anrufer befindet. Englisch ist in den meisten Leitstellen allerdings ebenfalls geläufig.

Notruf nur im Notfall

Wer im Notfall die 112 ruft, bekommt in kürzester Zeit Hilfe. Je nach Wohnort bzw. Unglücksstätte dauert die Hilfsfrist, in der ein Einsatzwagen beim Anrufer ist, etwa acht bis zwölf Minuten. Die ARAG Experten weisen darauf hin, dass die Einsatzstellen Notrufe von mobilen Telefonen orten können, um Einsatzwagen schnellstmöglich zum Unfallort zu schicken. Daher sollten Anrufer aus dem Mobilfunknetz, die die 112 irrtümlich gewählt haben, nicht einfach auflegen, sondern den Irrtum sofort aufklären, damit der Einsatzwagen nicht umsonst losfährt. Für alle Anrufer hingegen gilt: Wer den Notruf absichtlich missbräuchlich nutzt, muss mit einer Geld- oder sogar Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr rechnen (Paragraf 145, Strafgesetzbuch). Entpuppt sich der Notruf hingegen als Bagatelle, weil der Anrufer den Notfall falsch eingeschätzt hat, muss er keine Strafe fürchten.

W wie wichtig

Sobald ein Notruf bei einer Leitstelle eingeht, gilt es in kürzester Zeit den Rettungseinsatz zu koordinieren. Dabei ist das „Wo“, nämlich die Informationen zum Unfallort, für die Rettungsleitstelle am wichtigsten. Alle weiteren „Ws“ werden dann von dort gegebenenfalls abgefragt: Wer ruft an? Was ist passiert? Wie viele Menschen sind betroffen? Welche Verletzungen oder Schäden gibt es? Anrufer sollten auf Rückfragen der Notfallzentrale warten und keinesfalls auflegen.

Die ARAG Experten raten Eltern, auch mit ihren Kindern den Notruf zu üben. Als Merkhilfe für die Nummer gilt: Linker Daumen hoch für die 1, rechter Daumen hoch für die 1 und beide Daumen zusammen für die 2. Darüber hinaus sind vor allem zwei Dinge wichtig: Den Mut aufbringen und Fremde um Hilfe zu bitten und – falls sich der Unfall nicht zu Hause ereignet hat – die Umwelt beschreiben zu können, so dass das Notfallteam seinen Einsatzort schneller findet.

eCall in Fahrzeugen

Nach Auskunft der ARAG Experten müssen seit 2018 alle Neuwagen, die in der EU zugelassen werden, über das Notrufsystem „eCall“ verfügen. Dank dieser Technik wird bei einem Unfall manuell oder automatisch die 112 alarmiert. Dabei nutzt das System Mobilfunk und Satellitenortung, um eine Telefonverbindung zur nächstgelegenen Leitstelle herzustellen. Nach Auskunft der ARAG Experten setzt eCall auch einen automatischen Notruf ab, sobald die Airbags des Fahrzeugs ausgelöst werden.

Der ärztliche Notdienst: 116 117 anrufen

Die Rufnummer 116117 ist bundesweit nutzbar, rund um die Uhr besetzt und kostenfrei. Neben einer Telefon- und Onlinepräsenz ist der Patientenservice 116117 auch als App bei Google Play und im App Store erhältlich.

Der Patientenservice bietet ein ‚Patientennavi‘, einen eTerminservice und einen ärztlichen Bereitschaftsdienst an. Das ‚Patientennavi‘ hilft Verbrauchern zunächst dabei, ihr medizinisches Problem einzuordnen und den richtigen Ansprechpartner zu finden. Der eTerminservice ist ein Dienst, mit dem Arzttermine in einer Praxis gebucht werden können. Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist für Personen gedacht, die ein ernstes, aber nicht lebensbedrohliches Problem haben, das aber dennoch nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten kann.

Die ARAG Experten weisen allerdings darauf hin, dass bei Unfällen und lebensbedrohlichen Situationen natürlich weiterhin gilt, den Notruf 112 zu nutzen. Weitere wichtige Telefonnummern und Internetseiten bei Fragen rund um das Coronavirus hat die Bundesregierung hier zusammengestellt. Dort finden sich etwa Telefonnummern für Beschäftigte und Unternehmen mit Fragen zur Corona-Pandemie als auch Kontaktdaten von Anlaufstellen bei familiären Belastungssituationen.

Der Krankenwagen

Das Personal im Krankenwagen besteht aus zwei Notfallsanitätern, früher hießen sie auch Rettungsassistenten. Sie kommen und leisten die nötige Unterstützung, wenn Sie oder Ihre Angehörigen nicht mehr selbst zum Arzt oder ins Krankenhaus fahren können. Auch wenn Sie aufgrund einer ansteckenden Krankheit die öffentlichen Verkehrsmittel nicht benutzen können, können Sie einen Krankenwagen rufen.

Rettungswagen und Notarzt

Den Rettungswagen erkennt man unschwer an Blaulicht und Martinshorn. Die Besetzung variiert je nach Bundesland. Immer sind aber Notfallsanitäter mit an Bord. Den Rettungswagen rufen Sie, wenn Sie akut medizinische Hilfe benötigen. Egal, ob es sich um die Folgen eines Unfalls handelt oder plötzlich starke gesundheitliche Beschwerden auftreten. Der Rettungswagen verfügt über Geräte zur Beatmung oder für andere lebensrettende Maßnahmen. Darum werden – wenn nötig – auch intensivmedizinisch betreute Patienten per Rettungswagen transportiert. Wird ein Notarzt benötigt, fährt dieser separat mit dem Notarzteinsatzfahrzeug zum Einsatzort.

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