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11.02.2016

Schlichtung und Mediation: Wie funktioniert das eigentlich?

Ein Gespräch mit unserer Expertin Kristina Große Siestrup über Konfliktkultur, Mediation und kreative Lösungen.

Wenn Lokführer, Fluglotsen oder Kita-Angestellte unzufrieden sind, hat das meist eins zur Folge: Am Ende leiden Dritte unter den gescheiterten Verhandlungen und den nachfolgenden Streiks.

Helfen kann in solchen Situationen manchmal ein neutraler Dritter als Schlichter. Ein bekanntes Beispiel war der Einsatz von Heiner Geißler im Streit um Stuttgart 21. Nun haben sich auch im Bahnstreik die Konfliktparteien für eine Schlichtung entschieden, um eine gemeinsame Lösung zu finden.

Warum ein solches Verfahren manchmal besser ist als ein Gerichtsurteil in der Tasche zu haben, erfahren Sie im Experten-Interview.

Kristina Große-Siestrup

Seit Anfang 2012 arbeitet Kristina Große Siestrup für die ARAG als Mediatorin und Coach und hilft ARAG Kunden, ihre Konflikte außergerichtlich beizulegen. Dabei unterstützt sie Menschen, selbstverantwortliche Lösungen zu finden. Übrigens: Bei 12.528 Mediationen konnten wir 2015 unseren Kunden helfen.

Wie könnten Sie als Mediatorin den Verhandelnden helfen?

Kristina Große Siestrup
Streitenden Menschen hilft es immer, wenn wir es als Mediatoren schaffen können, Verständnis herzustellen. Ein Perspektivwechsel wirkt manchmal Wunder: Wer sich in den anderen hineinversetzen kann, versteht plötzlich, warum dem Gegenüber etwas sehr wichtig ist. Oft geht es bei Konflikten nicht um ein Problem, sondern um den Umgang miteinander. Das sehen wir in unserer täglichen Arbeit.

Was leistet die Mediation denn nun konkret?

Kristina Große Siestrup
Zunächst ist Mediation ein freiwilliges Verfahren. Die Parteien entscheiden, ob sie teilnehmen möchten, und haben auch jederzeit die Möglichkeit das Verfahren zu beenden. Wenn beide Konfliktpartner aber von Anfang an gesprächsbereit sind, kann Mediation zu sehr kreativen Lösungen führen.

Als Mediatorin bin ich neutral und allparteilich. Hier gibt es ein schönes Bild. Wie eine Giraffe blicke ich von oben auf den Konflikt und versuche herauszufinden, wo das Problem liegt. Dabei muss ich mich selbst sehr zurücknehmen. Auch wenn die Lösung vielleicht auf der Hand liegt, müssen die Parteien sie selber finden. Dabei helfe ich als Mediatorin mit einer speziellen Fragetechnik.

Kann man zu einer Mediation gezwungen werden?

Kristina Große Siestrup
In manchen Bundesländern gibt es Regelungen, wonach zum Beispiel Nachbarn bei Konflikten erst einen Schiedsmann aufsuchen müssen, ehe sie sich an ein Gericht wenden können. Mediation lebt aber von der Freiwilligkeit.

Was das Beispiel Bahnstreik angeht: Eine interessante Frage ist, ob man bei großen Konflikten wie dem aktuellen Bahnstreik eine Schlichtung verpflichtend vorschreiben könnte, ehe gestreikt werden darf.

Ist das Ergebnis einer Mediation bindend?

Kristina Große Siestrup
In aller Regel kann das Ergebnis einer Mediation nicht wie ein Richterspruch vollstreckt werden. Wir haben aber bei inzwischen ca. 10.000 Fällen pro Jahr die Erfahrung gemacht, dass Mediation auf die Zukunft gerichtet ist und sich dort am besten bewährt, wo Beziehungen auf längere Sicht angelegt sind wie zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Mieter und Vermieter oder unter Nachbarn.

Oft ist der sachliche Teil des Konflikts lediglich der „Aufhänger“. In der Mediation wird dann aufgebrochen, worum es in dem Konflikt wirklich geht. Es kann dann interessengerecht nicht nur der sachliche Teil, also die „viel zu hohe Hecke“ geklärt werden, sondern gleichzeitig der zukünftige Umgang der Nachbarn miteinander.

Schließlich haben wir noch die Möglichkeit, nach einiger Zeit nachzuhaken, ob die vereinbarte Lösung tragfähig war. Erst dann ist unsere Arbeit erledigt.

Was würden Sie sich im Hinblick auf Konflikte und ihre Lösung wünschen?

Kristina Große Siestrup
Schön wäre es, wenn wir mit unserem Angebot zur Mediation einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Konfliktkultur in unserem Land geben könnten. Kreativ und konstruktiv statt kämpferisch. Wir sind schon auf einem guten Weg. Viel mehr Menschen haben heute schon ein Verständnis von den Möglichkeiten der Mediation als noch vor wenigen Jahren. Immer mehr Kunden fragen sogar gezielt nach einem Mediator, wenn sie mit einem Rechtsproblem bei der ARAG anrufen. Früher war Mediation für die meisten sehr exotisch und in der Regel unbekannt.

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Wir sagen Ihnen, wie das Mediationsverfahren funktioniert, und warum nicht jeder Streit vor Gericht enden muss.

Unsere Broschüre „Lösen Sie Konflikte ohne Prozess“

Hier erfahren Sie, wie Sie Konflikte auch ohne den Gang zum Gericht lösen können.