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24.09.2018

In Deutschland gilt die situative Winterreifenpflicht. Demnach dürfen bei Glatteis und Schnee nur Autos mit geeigneten Reifen fahren. Was der Gesetzgeber dazu in der Straßenverkehrsordnung geändert hat, welche Rolle das Schneeflocken-Symbol beim Kauf neuer Reifen spielt und was Sie bei der Fahrt in den Urlaub beachten sollten, lesen Sie in unserem umfassenden Rechtstipp zu Winterreifen.

Das ist neu seit der Wintersaison 2017/2018

Seit 2010 gilt laut § 2 Abs. 3a Straßenverkehrs-Ordnung die sogenannte „situative Winterreifenpflicht“ in Deutschland. Das bedeutet: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf das Fahrzeug nur gefahren werden, wenn es mit geeigneten Reifen ausgerüstet ist.

Im letzten Jahr hat der Gesetzgeber die Wintertauglichkeit von Reifen präzisiert. Als wintertauglich gelten laut Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) grundsätzlich nur noch solche Reifen, die das "Alpine-Symbol" tragen. Sie erkennen es an einem gezackten Berg mit einer Schneeflocke.

Nach einer Übergangsregelung dürfen Sie sogenannte M+S-Reifen ohne das Schneeflocken-Symbol noch bis zum 30.September 2024 fahren, sofern sie bis zum 31. Dezember 2017 hergestellt wurden.

Neu ist auch, dass die Winterreifenpflicht für einspurige Kraftfahrzeuge entfällt. Als Fahrer von Mofas, Motorrollern und Motorrädern müssen Sie die Bereifung Ihres Bikes – anders als Autofahrer – nicht mehr der jeweiligen Wettersituation anpassen.

Was ein Verstoß kostet

Wer gegen § 2 Abs. 3a StVO der Straßenverkehrsordnung verstößt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 80 Euro und einem Punkt im Fahreignungsregister rechnen. Neuerdings müssen Sie zudem als Halter 75 Euro zahlen, wenn Sie die Inbetriebnahme Ihres Wagens ohne die vorgeschriebene Bereifung anordnen oder zulassen. Auch hier wird zusätzlich ein Punkt in Flensburg eingetragen. Kommt es aufgrund falscher Bereifung zu einem Unfall, riskieren Sie unter Umständen auch den Versicherungsschutz.

Wann ist der beste Zeitraum für Winterreifen?

In welchem Zeitraum die Winterreifenpflicht gilt, ist nicht festgelegt worden. Die Hersteller empfehlen den Wechsel auf Winterreifen, wenn die Außentemperaturen auf unter sieben Grad Celsius sinken. Viele Autofahrer orientieren sich an der sogenannten O-bis-O-Regel, nach der man am besten von Oktober bis Ostern mit Winterreifen fährt.

Auf die EU-Plakette achten

Rollwiderstand, Nasshaftung und Abrollgeräusch – das sind die Prüfkriterien der EU-Kennzeichnung. Jeder Reifen, der nach dem 1. Juli 2012 produziert wurde, muss ein Label tragen, das Auskunft über das Reifenverhalten gibt. Nur auf den Rollwiderstand zu achten, der den Kraftstoffverbrauch angibt, ist nicht empfehlenswert.

Der wichtigste Wert hinsichtlich der Verkehrssicherheit ist die Nasshaftung. Hier kann die Differenz im Bremsweg zwischen gutem A- und schlechterem F-Reifen bei mehreren Metern liegen. Bei einer Vollbremsung kann dies den Unterschied zwischen einem großen Schrecken und einem Totalschaden ausmachen. Dies sollte natürlich gerade auch beim Neuerwerb von Winterreifen beachtet werden – das Fahrverhalten auf Schnee und Eis ist aber nicht explizit gekennzeichnet. Daher ist es beim Winterreifenkauf zusätzlich ratsam, auch auf unabhängige Testberichte zurückzugreifen.

Die Winterreifenpflicht im Ausland

Die Winterreifenpflicht für Pkw ist in den verschiedenen europäischen Ländern sehr unterschiedlich geregelt. Da Verstöße oft teuer geahndet werden, sollten Sie sich kurz vor Reiseantritt nochmals über die jeweiligen Bedingungen im Ausland informieren.

In Schweden, Finnland, Estland und Lettland sind in den Wintermonaten M&S-Reifen oder Winterreifen strikte Pflicht – egal, ob Schnee und Eis die Straßensituation beeinflussen oder nicht. Übrigens: In Schweden sollte man eine Schneeschaufel im Kofferraum haben.

Wer z.B. in Österreich vom 1. November bis zum 15. April bei winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen unterwegs ist, riskiert nicht nur ein hohes Bußgeld; darüber hinaus kann sogar das Fahrzeug aus dem Verkehr gezogen werden.

In Norwegen dürfen Sommerreifen bei Eis und Schnee nur mit Schneeketten gefahren werden. In bestimmten Gegenden Italiens müssen vom 15. Oktober bis zum 15. April die Winterpneus aufgezogen sein oder Schneeketten mitgeführt werden.

In den Wintersportparadiesen der Schweiz herrscht zwar keine generelle Winterreifenpflicht, aber Winterreifen werden bei winterlicher Witterung dringend empfohlen, da bei Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer eine Geldbuße verhängt wird; bei Unfällen mit Sommerbereifung kommt darüber hinaus eine Mithaftung in Betracht.

In Frankreich und Spanien wird der Einsatz von Winterreifen per Verkehrsschild geboten. Wer ohne Winterreifen erwischt wird, zahlt ein Bußgeld.

Es gibt aber auch Länder, in denen der Gesetzgeber gar keine Regelung zur Bereifung im Winter getroffen hat. Zu diesen zählen Großbritannien, Irland, Dänemark, die Niederlande, Belgien und Polen.

Im Winter bei Mietwagen auf die Bereifung achten

Viele Autovermieter statten nur einen Teil ihrer Flotte mit Winterreifen aus. Autofahrer sollten daher bereits bei der Buchung auf Winterreifen bestehen und bei Fahrtantritt auf die Bereifung achten.

Allerdings müssen sich die Nutzer dafür auf teilweise hohe Zusatzkosten gefasst machen, denn die Anbieter verlangen Winterreifen-Aufschläge in unterschiedlicher Höhe. Ein Preisvergleich kann sich durchaus lohnen.

Übrigens: Ist der Anbieter trotz winterlicher Verhältnisse bei Entgegennahme eines bestellten Leihwagens nicht in der Lage, ein Fahrzeug mit Winterreifen zur Verfügung zu stellen, ist der Mieter berechtigt, von der Reservierung zurückzutreten. Das Fahrzeug ist dann nämlich als nicht verkehrstauglich anzusehen.

 

Das passende Gerichtsurteil

 

Hinweispflicht bei Winterreifen

Ein Mann verlangte von seiner Autowerkstatt 4.000 Euro Schadensersatz, da sich ein Reifen nach rund 1.900 Kilometer Fahrt auf der Autobahn gelöst hatte. Vor Gericht bekam er überwiegend Recht, trug aber auch eine Mitschuld von 25 Prozent, weil er die allmähliche Lockerung bemerkt haben müsste und nicht rechtzeitig zur Werkstatt fuhr. Die Werkstatt hatte nicht deutlich genug darauf hingewiesen, dass die Radschrauben neu aufgezogener Winterreifen nach den ersten maximal 100 Kilometern nachgezogen werden müssen. Lediglich auf der Rechnung unterhalb der Unterschriftenzeile und ohne besondere Kennzeichnung stand ein Hinweis (LG Heidelberg, Az 1 S 9/10).

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