Keine Frage: Das ehrenamtliche Vorlesen für Senioren oder Essenausteilen in der Suppenküche verdient höchste Anerkennung. Doch nicht jeder hat Zeit, an konkreten Tagen zu bestimmten Einrichtungen zu fahren und vor Ort zu helfen. Trotzdem möchten viele ihren Beitrag leisten – im Zuge des digitalen Ehrenamts kein Problem.

Das digitale Ehrenamt eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, sich via Apps und Internetseiten ehrenamtlich zu engagieren. Egal ob von Zuhause oder von unterwegs, egal ob morgens, mittags oder abends.

Es gibt Initiativen, bei denen die digitalen Ehrenamtlichen sogar im Schlaf helfen. Wir verraten Ihnen, wie es geht und stellen Ihnen eine Auswahl von Apps und Internetseiten vor, die Ihnen einen mühelosen Einstieg ins digitale Ehrenamt eröffnen.

1,6 Millionen Rollstuhlfahrer leben in Deutschland
470.000 Orte wurden auf wheelmap markiert
Über 35.000 Nutzer gibt es im Monat
Wheelmap ist in 22 Sprachen verfügbar - darunter in Klingonisch

Wegbereiter mit Wheelmap

Wheelmap ist eine Online-Karte, die rollstuhlgerechte Orte anzeigt. Das Schöne an dieser Form des digitalen Ehrenamts: Überall auf der Welt kann jeder mitmachen und in seinem Alltag Cafés, Schwimmbäder, Arztpraxen und alle anderen Einrichtungen markieren und anhand eines Ampelsystems bewerten. Grün steht für rollstuhlgerecht, Orange für eingeschränkt rollstuhlgerecht und Rot für nicht rollstuhlgerecht. Personen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, sehen auf der Karte, welche Gebäude barrierefrei sind und haben die Chance, ihren Tag besser zu planen. Und seien wir ehrlich: Das betrifft uns in Zukunft alle.

Schließlich zählen zu mobilitäts-eingeschränkten Menschen nicht nur Gehbehinderte, sondern auch Senioren, die nicht mehr fit auf den Beinen sind.

Alles was Sie zum Mitmachen benötigen, ist die Wheelmap App. Laufen Sie an einem öffentlichen Gebäude vorbei, können Sie sich direkt am digitalen Ehrenamt beteiligen. Hierfür markieren Sie das Bauwerk mit wenigen Klicks auf der Online-Karte. Und auch Wheelmap wurde bereits gekennzeichnet – oder besser gesagt: ausgezeichnet. Zum Beispiel mir dem renommierten World Summit Award mobile.

Wegbereiter mit Wheelmap

Wheelmap existiert nicht nur als App – auch auf dem Rechner kann der hilfreiche Stadtplan für rollstuhlgerechte Orte eingesehen und mit Infos gefüttert werden

Digitales Ehrenamt mit Helpedia

2016 ging das Spendenaufkommen in Deutschland stetig zurück. Nicht wenige befürchten, dass ihr Spendengeld zu einem geringen Teil bei der ausgewählten Organisation landet. Genau hier kommt das digitale Ehrenamt ins Spiel. Oder genauer: die Plattform Helpedia. Sie garantiert, dass 100% der Spenden direkt an die jeweilige Initiative fließen.

Doch das Einzigartige bei Helpedia ist, dass jeder Nutzer seine eigene Spendenaktion ins Leben rufen kann. Ganz nach dem Motto: „Statt zehn Euro spenden, 100 Euro sammeln.“

Sie registrieren sich auf Helpedia.de, wählen eine der zahlreichen Organisationen aus, die Sie fördern möchten und rufen mit wenigen Klicks eine Spendenaktion ins Leben. Dabei erklären Sie, worum es bei der Aktion geht, bestimmen ein Spendenziel und laden Freunde, Bekannte oder Kollegen ein, bei diesem digitalen Ehrenamt mitzumachen.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. So können Sie einen Lauf organisieren, bei dem die Menschen für jeden bewältigten Kilometer einen bestimmten Betrag spenden. Oder Sie stellen Ihren Geburtstag auf Helpedia ein und bitten darum, statt Geschenke zu vergeben, Spenden für das digitale Ehrenamt zu leisten.

Boinc – helfen im Schlaf

Sie haben richtig gelesen. Auch im Schlaf steht Ihnen das digitale Ehrenamt offen. Denn mit Boinc stellen Sie Ihre Rechenleistung für ein ausgesuchtes Projekt zur Verfügung. Das bedeutet: Sie lassen Ihren Computer laufen und gehen ins Bett. Währenddessen steht die Rechenleistung für einen guten Zweck bereit.

Keine Sorge: Die Wissenschaftler haben keinen Zugriff auf Ihre persönlichen Daten, sondern nutzen die Arbeitskraft des Prozessors. So hat die Wissenschaft schlagartig die Möglichkeit, ihre Forschungsarbeit deutlich zu beschleunigen.

Um an diesem digitalen Ehrenamt teilzunehmen, reicht es, die Boinc Software auf runterzuladen und sich ein Projekt auszuwählen.

Boinc - helfen im Schlaf

Sie können auch im Schlaf etwas Gutes tun. Na gut, eigentlich macht es Ihr Rechner. Sie lassen Ihren Computer einfach laufen und gehen ins Bett. Währenddessen wird die Rechenleistung für einen guten Zweck verwendet.

6.500 Non Profit Organisationen bei skillsforchange - 70.000 Freiwillige helfen ehrenamtlich mit.

skillsforchange.com – digitales Ehrenamt von Zuhause.

Auf der amerikanischen Online-Plattform skillsforchange haben Menschen die Möglichkeit, soziale Organisationen auf vielfältige Weise gemütlich vom Rechner aus zu unterstützen. Zum Beispiel durch das ehrenamtliche Übersetzen von Texten, durch Gestaltung von Internetseiten oder durch die Pflege des Auftritts in sozialen Netzwerken. Die Anmeldung für dieses digitale Ehrenamt ist dabei kinderleicht.

Sie suchen sich zunächst den sozialen Bereich aus, den Sie gerne unterstützen wollen. Dann geben Sie Ihre Fähigkeiten an und die Seite stellt Ihnen passende Aufgaben bei verschiedenen Non-Profit-Organisationen vor. So nehmen Sie bequem auf dem Sofa mit dem Laptop Platz, stürzen sich ins digitale Ehrenamt und bringen die Website eines Hilfsprojekts auf Vordermann.

Tag. Check. Score.

Wie wäre es mit digitalem Ehrenamt für die Kultur? Mit der App Tag. Check. Score macht das richtig Spaß. Sie bekommen ein Bild gezeigt und geben an, womit Sie es zu tun haben. Einer Naturfotografie? Einem Personenportrait? Oder einer Postkarte? Wer noch weitere Infos zu dem Bild hat, kann sie in einem Textfeld eintragen. Zudem überprüft der Nutzer, ob bisher eingetragene Beschreibungen, zu dem jeweiligen Bild passen. Sehen Sie dort einen Sonnenuntergang? Einen Arbeiter? Oder ein Kamel? Doch wozu soll dieses digitale Ehrenamt gut sein? Nun, das Ethnologische Museum in Berlin stand vor dem Problem,

dass es Millionen digitalisierte Kultur-Objekte hatte, aber keine beschreibenden Daten. Die sogenannten Metadaten. Und ohne die waren die digitalen Bilder nutzlos, da ihnen das Museum keine Suchbegriffe zuordnen konnte und keine Erklärungen dabei standen.

Mit dem digitalen Ehrenamt via der App Tag. Check. Score hat sich das geändert. Für die Anreicherung der Bilder mit Metadaten gibt es Punkte, die Sie sammeln können. So wird das digitale Ehrenamt zu einem unterhaltsamen Spiel mit einer Top-Ten Liste. Die kategorisierten Bilder

gelangen an die Datenbank des Ethnologischen Museums, das sie einfacher weiter analysiert und begutachtet. Statt also, dass wenige Praktikanten an einer nahezu unlösbaren Aufgabe sitzen, arbeiten tausende Bürger gemeinsam und unterstützen das Museum ehrenamtlich, unerschlossene Bildbestände zu verarbeiten.

Mehr erfahren Sie unter: http://cityapps.fokus.fraunhofer.de/tcs

Laptop

Die gute Tat ist oft nur einen Klick entfernt: Es gibt unzählige Initiativen, die es ermöglichen, sich bequem vom Rechner aus für bestimmte Projekte einzusetzen.

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