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Bei Bewerbungen ist das Arbeitszeugnis von entscheidender Bedeutung. Inhaltliche Fehler oder formale Mängel können dazu führen, dass Sie im Ranking potenzieller Neuzugänge nach unten rutschen. Gut, dass Sie als (ehemaliger) Arbeitnehmer das Recht haben, den Aussteller des Zeugnisses zur Nachbesserung aufzufordern!

Ihr Chef hat stets ein hohes Maß an Sorgfalt von Ihnen verlangt. Natürlich zu Recht. Zur Akribie ist er allerdings auch seinerseits verpflichtet – besonders bei der Ausstellung Ihres Arbeitszeugnisses.

Die Rechtslage ist eindeutig. Für die Richtigkeit des Arbeitszeugnisses ist der ausstellende Arbeitgeber verantwortlich. Doch auch Sie haben Pflichten. So liegt es an Ihnen, unverzüglich auf Fehler oder Mängel hinzuweisen und diese beseitigen zu lassen. Und das sollten Sie auf jeden Fall machen!

Denn wer die Chance zur Korrektur versäumt hat, wird von möglichen neuen Arbeitgebern eventuell als nachlässig eingestuft. Dieses kann dazu führen, dass seine Bewerbung auf dem Stapel mit den uninteressanten Kandidaten landet.

Fehler und Mängel beim Arbeitszeugnis

Nach Expertenschätzungen ist mindestens jedes zweite Arbeitszeugnis nicht ordnungsgemäß ausgestellt. Deshalb sollten Sie das für Ihre berufliche Entwicklung so überaus wichtige Dokument sorgfältig prüfen. Besonders häufig sind folgende fünf inhaltliche Fehler und formale Mängel:

1. Unvollständige Angaben

Oft tauchen relevante Inhalte schlichtweg aus Unkenntnis nicht im Arbeitszeugnis auf. Es kann jedoch auch taktisches Kalkül dahinterstecken: Der Zeugnisaussteller möchte die Gefahr einer Klage vor dem Arbeitsgericht minimieren. Deshalb verzichtet er auf Bewertungen, bei denen der Beurteilte schlecht abschneiden würde. Doch auch fehlende Inhalte können ein negatives Bild zeichnen. Ein Raumausstatter wird für eine „sehr sorgfältige Arbeitsweise“ gelobt, ohne ein Wort über seine kreativen Fähigkeiten zu verlieren? Für Personalentscheidender spricht das Bände!

Diese Taktik des bewussten Weglassens bezeichnet man als „beredtes Schweigen“. Sie wird relativ häufig eingesetzt, ist jedoch unzulässig. Denn beim Arbeitszeugnis gelten die Gebote der Zeugnisklarheit und Zeugniswahrheit. Zudem müssen Tatsachen, an denen künftige Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse haben, genannt werden (so z. B. BAG, Az.: 9 AZR 632/07)).

2. Unglaubwürdiges Lob

Ballen sich in einer Leistungsbewertung die Superlative, werden Personaler ebenfalls wachsam. Zumindest dann, falls sich diese ohne persönliche Würdigung generisch aneinander reihen. Oder wenn das Arbeitszeugnis bei kurzer Verweildauer im Unternehmen unverhältnismäßig lang ausfällt. Das lässt nämlich auf ein sogenanntes „Gefälligkeitszeugnis“ schließen. Ein solches wird für gewöhnlich nach einer unfreiwilligen Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses ausgestellt, zum Beispiel bei einer betriebsbedingten Kündigung und Insolvenz.

3. Unprofessionelle Schreibweise

Sie möchten das Arbeitszeugnis selbst formulieren, sodass Ihr Vorgesetzter oder Chef nur noch unterschreiben muss? Rein rechtlich betrachtet ist das – natürlich die Zustimmung des Arbeitgebers vorausgesetzt – durchaus möglich.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie selbst kennen die eigenen Fähigkeiten und Ihr fachliches Know-how am besten. Zudem können Sie mit Entgegenkommen rechnen. Wenn der Unterzeichner Ihren Entwurf akzeptiert, möchte er den Ablauf der Kündigung vermutlich möglichst konfliktfrei gestalten. Kurzum: Sie haben gute Chance auf ein überdurchschnittliches Arbeitszeugnis!

Aber Hand aufs Herz: Verfügen Sie wirklich über die erforderlichen Kenntnisse? Wer nicht um die besonderen Regeln und Feinheiten der komplexen Zeugnissprache weiß, kann eine Vielzahl an Fehlern begehen. Insbesondere die gebotene Balance zwischen Wahrheit und Wohlwollen lässt sich ohne entsprechende Erfahrung nur schwer erreichen. Oft das kontraproduktive Resultat:
unglaubwürdige Bewertungen, die Personaler sofort als Eigenlob erkennen.

Unser Tipp: Lassen Sie sich von jemandem helfen, der über die notwendige Kompetenz verfügt. Es gibt auch Dienstleister, die sich auf die Erstellung von Zeugnissen spezialisiert haben. Geben Sie einfach die Begriffe „Arbeitszeugnis“ und „Hilfe“ in Ihre Internet-Suchmaschine ein, um Zeugnisprofis oder Tipps zum Selbstverfassen von Leistungsbewertungen zu finden.

4. Fragwürdige Formulierungen

Im Arbeitszeugnis kommt es auf jedes Wort an. Formulierungen können widersprüchlich, anders zu verstehen oder sogar verschlüsselt sein. Nicht jeder, der eine Stelle zu besetzen hat, ist der deutschen Zeugnissprache mächtig. Falsche Interpretationen von Aussagen führen aber vielleicht dazu, dass Sie beruflich nicht richtig durchstarten. Sie sollten deshalb unbedingt darauf achten, dass Ihr Arbeitszeugnis in der gesetzlich vorgeschriebenen Klarheit verfasst ist.

Beruhigend zu wissen: Als „Geheimcode“ getarnte Kritik (zum Beispiel doppelte Verneinungen und zweideutige Aussagen) ist laut Gesetz nicht erlaubt.

5. Strukturelle, formale und stilistische Fehler

Der beim Arbeitszeugnis übliche Aufbau sollte eingehalten werden. Die Reihenfolge der Inhalte: Einleitung, Werdegang, Tätigkeitsbeschreibung, Leistungs- und Verhaltensbeurteilung sowie Schlussformel. Abweichungen sind von Personalchefs nicht gerne gesehen. Vor allem die von Ihnen verantworteten Aufgaben, Ihre Gesamtnote und besondere Erfolge sollten schon auf den ersten Blick erfassbar sein.

Ob Eselsohren, Flecken, durchgestrichene Passagen oder Tipp-Ex-Spuren: Äußere Mängel des Arbeitszeugnisses müssen Sie natürlich auch nicht hinnehmen. Dafür ist das Dokument zu wichtig! Der Verfasser hat per Unterstreichung oder Fettdruck etwas hervorgehoben? Aussagen durch Fragezeichen, Ausrufezeichen oder Anführungszeichen betont? Das ist nicht erlaubt. Ebenso wie Rechtschreib- oder Grammatikfehler, die Sie übrigens auf jeden Fall ausmerzen lassen sollten!

Um ein angemessenes Erscheinungsbild sicherzustellen, muss weißes Papier (wenn üblich: Geschäftspapier) verwendet werden. Dieses muss mit Schreibmaschine beschrieben oder mit einem Drucker bedruckt werden. Wichtig zu wissen: Auch in Zeiten der Digitalisierung darf Ihr Arbeitszeugnis nicht per E-Mail oder auf anderem elektronischen Weg übermittelt werden
(§ 109 GewO).

So prüfen Sie, ob Ihr Arbeitszeugnis korrekt ist
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Änderungswünsche im Arbeitszeugnis durchsetzen

Sie sind sich unsicher, ob Ihr Arbeitszeugnis inhaltlich und formal ordnungsgemäß ist? Das ist verständlich. Denn für „Zeugnislaien“ sind Fehler und Mängel oft nur mit viel Mühe aufzudecken. Unser Tipp: Ziehen Sie einen Anwalt für Arbeitsrecht hinzu. Dieser analysiert Ihr Zeugnis fachkundig und berät Sie individuell.

So gehen Sie vor

Grundsätzlich haben Sie das Recht, Ihren Arbeitgeber zur Berichtigung des Arbeitszeugnisses aufzufordern. Ihr erster Ansprechpartner ist hier der Unterzeichner des Dokuments. Wenn Ihre Änderungswünsche nachvollziehbar sind und sich in einem für den Zeugnisaussteller annehmbaren Rahmen bewegen, werden sie in den meisten Fällen bereitwillig umgesetzt.

Nimmt Ihr Arbeitgeber berechtigte Korrekturen jedoch nicht vor, können Sie Ihren Anspruch auf Nachbesserung vor dem Arbeitsgericht einklagen.

Häufige Korrekturen bei Arbeitszeugnissen

Verschlüsselte, doppeldeutige oder widersprüchliche Formulierungen sind ersatzlos zu streichen (LAG Hamm, Az.: 4 Sa 630/98).
Sollte das Arbeitszeugnis nach ausgeführten Änderungen nicht mehr dem Wahrheitsgrundsatz entsprechen, ist es vollständig neu zu formulieren (LAG Bremen, Az.: 4 Sa 320/88).
Auch Fehler im Schlussteil müssen auf Ihren Wunsch hin korrigiert werden. Es besteht aber kein Anspruch auf Dankesformel und Zukunftswünsche – selbst wenn deren Fehlen von Dritten negativ ausgelegt werden könnte (BAG, Az.: 9 AZR 227/11).

Neue Fassung des alten Arbeitszeugnisses

Berichtigungen oder Ergänzungen sind durch Ausstellung eines neuen Zeugnisses vorzunehmen, das wie eine Erstausfertigung abzufassen ist. Wichtig zu wissen: Bei der Korrektur ist der Zeugnisschreiber an den bisherigen, von Ihnen nicht beanstandeten Text gebunden. (Es sei denn, es werden nachträglich Fakten bekannt, die zu einer Neubewertung Ihrer Leistungen oder Ihres Verhalten führen.) Ein Recht auf Formulierungen im gewünschten Wortlaut haben Sie allerdings nicht.

Befristete Chance auf Korrektur

Selbst wenn Sie Ihr Arbeitszeugnis nicht sofort für eine Neubewerbung benötigen: Auf Fehler oder Mängel sollten Sie dennoch zeitnah hinweisen. Denn wer seinen (früheren) Arbeitgeber nicht spätestens fünf bis zehn Monate nach Zeugnisausgabe über sein Korrekturanliegen informiert, hat dieses verwirkt (LAG Mainz, Az.: 1 Sa 1433/01).

Beispiele aus der Rechtspraxis

Besser als „befriedigend“? Das braucht Beweise!

Übersetzt in das schulische Notensystem, entspricht der Wortlaut „zur vollen Zufriedenheit“ einer Drei. Eine Zahnarzthelferin wollte diese Bewertung nicht hinnehmen.

Nachdem das Berliner Arbeitsgericht und das Landesarbeitsgericht ihr die Formulierung „stets zur vollen Zufriedenheit“ (also die Note „gut“) zugestanden hatte, entschied das Bundesarbeitsgericht schlussendlich gegen die Klägerin. Selbst Studien, nach denen rund 90 Prozent der untersuchten Arbeitszeugnisse mindestens die Note „gut“ ausweisen würden, änderten nichts am Sachverhalt. Wer vor Gericht eine bessere Bewertung als eine Drei durchsetzen möchte, muss beweisen, dass die gewünschte Benotung gerechtfertigt ist (BAG, Az.: 9 AZR 584/13).

Gute Arbeit, karger Dank

Die Leistungen und das Verhalten eines Baumarktleiters wurden als überdurchschnittlich bewertet. Für den Beurteilten dennoch kein Grund zur Freude. Denn sein früherer Arbeitgeber wünschte ihm im Schlussteil des Arbeitszeugnisses lediglich „alles Gute“. Der ehemalige Arbeitnehmer klagte gegen diese Formulierung: Sie würde den positiven Gesamteindruck mindern.

Die erste Instanz entschied zunächst im Sinne des Klägers. Doch im Revisionsverfahren wurde das Urteil aufgehoben. Die Begründung: Sätze, in denen der Arbeitgeber persönliches Empfinden ausdrückt, sind nicht beurteilungsneutral. Bei Nichtgefallen sind Dankesbekundungen oder Zukunftswünsche zwar zu streichen. Ein Anspruch auf die gewünschte Formulierung besteht aber nicht (BAG, Az.: 9 AZR 227/11).

Abschied ohne Lächeln

Zwei Punkte, ein nach unten gezogener Haken: Diese Elemente befanden sich in der Unterschrift auf dem Arbeitszeugnis eines Ergotherapeuten. Bei näherem Hinsehen konnte so der Eindruck eines Smileys mit heruntergezogenen Mundwinkeln entstehen. Der Unterzeichner erklärte, dass es sich um seine typische Unterschrift handeln würde. Diese sei zwar etwas individuell gestaltet, drücke aber in keiner Weise eine Missachtung gegenüber dem ausscheidenden Mitarbeiter aus.

Das Arbeitsgericht Kiel sah das anders: Der Zeugnisaussteller müsse mit einem lachenden Smiley unterschreiben. Denn gemäß der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts sind Ausdrücke oder Satzstellungen verboten, die bei Dritten zu Irrtümern oder Mehrdeutigkeiten führen könnten. Die Unterschrift auf dem Arbeitszeugnis dürfe keinen negativen Eindruck bei potenziellen Arbeitgebern erwecken (ArbG Kiel, Az.: 5 Ca 80b/13).

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