Warum jeder schwimmen können sollte
Schwimmen rettet Leben – und trotzdem können immer weniger Menschen sicher schwimmen. Das zeigen aktuelle Zahlen eindrücklich. Umso wichtiger ist es, dass Kinder und Erwachsene frühzeitig lernen, sich sicher im Wasser zu bewegen.
Immer weniger Menschen können schwimmen
Schwimmen sollte zu den Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen gehören. Doch die Realität sieht anders aus: Immer mehr Menschen können nicht oder nicht sicher schwimmen – mit teils dramatischen Folgen.
Denn je wärmer es wird, desto größer wird auch das Risiko: Die Deutsche Lebens‑Rettungs‑Gesellschaft (DLRG) verzeichnete für das Jahr 2024 mindestens 411 Ertrinkungsfälle in Deutschland. Für das Jahr 2025 nennt die DLRG mindestens 393 Fälle – das sind zwar weniger, aber weiterhin deutlich zu viele. Besonders tragisch: Unter den Todesfällen im Jahr 2024 waren auch Kinder unter zehn Jahren.
Viele Unfälle passieren dort, wo Hilfe nicht sofort verfügbar ist: In rund 90 Prozent der Fälle ereignen sie sich in unbewachten Seen oder Flüssen.
Umso wichtiger ist, dass Kinder und Erwachsene sicher im Wasser sind – denn Schwimmen ist eine Grundfertigkeit, die im Ernstfall Leben retten kann.
Kindern fehlt Schwimmsicherheit
Eine repräsentative forsa‑Befragung im Auftrag der DLRG (2022) zeigt, wie groß das Problem bereits beim Nachwuchs ist: Der Anteil der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren, die nicht schwimmen können, hat sich innerhalb von fünf Jahren verdoppelt – von 10 % auf 20 %.
Hinzu kommt:
- 37 % der Kinder im Grundschulalter besitzen kein Schwimmabzeichen und
- rund 58 % gelten am Ende der Grundschule nicht als sichere Schwimmer.
Dabei wird das Seepferdchen häufig überschätzt: Es ist ein wichtiger erster Schritt, aber kein Nachweis für sicheres Schwimmen. Als sicher schwimmend gilt erst, wer das Schwimmabzeichen Bronze (Freischwimmer) erreicht hat.
Auffällig sind zudem soziale Unterschiede: In Haushalten mit geringerem Einkommen können deutlich mehr Kinder nicht schwimmen als in finanziell besser gestellten Familien.
Dazu kommt: Viele Kommunen müssen sparen. Sanierungen sind teuer – und wenn Bäder schließen, wird Schwimmenlernen schwieriger. Durch weniger Angebote sinkt die Erreichbarkeit von Schwimm- und Freibädern.
Es gibt Fortschritte – aber der Bedarf bleibt hoch
Trotz der Herausforderungen zeigen die Zahlen auch: Es wird viel aufgeholt. Die DLRG meldet für 2024 95.273 ausgegebene Schwimmabzeichen – der Höchstwert seit zehn Jahren.
Im selben Jahr nahmen 378.785 Menschen an Schwimmkursen der DLRG teil. Als Nachweis für „sicheres Schwimmen“ (Bronze/Freischwimmer) wurden 2024 45.283 Abzeichen beurkundet; außerdem erhielten 57.601 Kinder das Seepferdchen.
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage groß: In vielen Schwimmvereinen gibt es lange Wartelisten für Anfängerkurse. Daher tut jeder Verein, der Wassersport inklusive Schwimmkurse anbietet, ein gutes Werk.
Zuerst: Gewöhnung ans Wasser
Wer seine Bahnen sicher durchs Becken oder den See zieht, vollführt komplexe Bewegungsabläufe – die muss der Körper erst erlernen und verinnerlichen. „Crash‑Kurse“ sind daher gerade für Kinder keine gute Idee. Bevor ein Schwimmkurs oder der Schwimmunterricht in der Schule losgeht, braucht ein Kind Vertrauen zum Wasser. Ein guter Schwimmkurs sollte deshalb mit Wassergewöhnung starten und mindestens das Schwimmabzeichen Bronze (Freischwimmer) zum Ziel haben.
Je früher Eltern ihre Kinder mit dem Wasser vertraut machen, desto besser – denn wenn sich erst einmal Angst einschleicht, ist sie nur schwer wieder loszuwerden. Hilfreich ist Regelmäßigkeit: Wenn möglich, einmal pro Woche gemeinsam ins Schwimmbad oder an eine sichere Badestelle gehen. Viele Vereine bieten zudem Wassergewöhnungskurse für Ein- bis Vierjährige an.
Schwimmen lernen – aber richtig
Eltern sollten ihren Kindern das Schwimmen nur selbst beibringen, wenn sie dazu geschult sind. Ausgebildete Schwimmlehrkräfte haben pädagogisches und lernpsychologisches Grundwissen und vermitteln die richtigen Bewegungsabläufe. Das ist wichtig, weil sich gerade beim Brustschwimmen Fehler einschleichen können – und eine falsche Technik dem Körper mehr schaden als nützen kann.
Wie finden Eltern einen guten Schwimmkurs?
Achten Sie darauf, dass die Schwimmlehrkräfte ein Zertifikat vorweisen können – denn die Bezeichnung „Schwimmlehrer“ ist nicht gesetzlich geschützt. Lizenzierte Lehrgänge bieten zum Beispiel der Deutsche Schwimmverband oder die DLRG an.
Auch die Rahmenbedingungen sollten stimmen: Lerngruppen sollten nicht mehr als zwölf Kinder groß sein und der Kurs idealerweise nicht weniger als 20 Stunden umfassen.
Und: Viele Bäder und Schwimmvereine bieten Schwimmkurse auch für Erwachsene an – sicher schwimmen zu lernen ist in jedem Alter sinnvoll.
Schwimmen lernen: So unterstützen Eltern ihr Kind – sicher und stressfrei
- Früh ans Wasser gewöhnen: Vertrauen kommt vor Technik. Regelmäßige, ruhige Wasserzeiten (z. B. wöchentlich) helfen mehr als seltene „Intensivtage“.
- Seepferdchen richtig einordnen: Es ist ein Einstieg – aber noch kein Nachweis für „sicheres Schwimmen“.
- Ziel: Schwimmabzeichen Bronze (Freischwimmer): Erst damit gilt Schwimmen nach DLRG‑Einordnung als „sicher“.
- Auf Qualität beim Kurs achten: Zertifizierte Lehrkräfte, kleine Gruppen (max. 12 Kinder) und genug Kurszeit (mind. 20 Stunden) erhöhen den Lernerfolg.
- Keine „Crash‑Kurse“ für Kinder: Schwimmen besteht aus komplexen Bewegungsabläufen – das braucht Zeit und Wiederholung.
- Sicherheitsregeln immer mitlernen: Baderegeln und Verhalten bei Unsicherheit gehören zur Schwimmausbildung dazu – auch wenn das Kind schon „mutig“ wirkt.