17.10.2017

Was meinen Sie? Hilft ein Spurwechsel im Stau? Darf man den Standstreifen nutzen? Oder lohnt es, einen Stau zu umfahren? Unsere Experten sagen es Ihnen und haben Tipps, wie Sie trotz Stau erholt ans Ziel kommen.

Lohnt es, einen Stau zu umfahren?

Staus kann man mit den heutigen Navigationsgeräten umfahren. Das macht aber nicht immer Sinn. Navis reagieren schon auf kurze Staus mit der unnötigen Empfehlung, auf Nebenstrecken auszuweichen. Stauforscher haben ermittelt: Wenn nur zehn Prozent der Autofahrer abfahren, ist jede Ausweichstrecke schon nach kurzer Zeit dicht. Auch Radioinformationen können veraltet sein. Wichtig ist, immer die Ruhe zu bewahren.

Dürfen Motorräder rechts am Stau vorbeifahren?

Keiner steht gerne im Stau – auch Motorradfahrer nicht. Geht auf allen Fahrstreifen nichts mehr, dürfen sie aber trotzdem nicht rechts an den stehenden Autos vorbeifahren oder sich zwischen den Fahrstreifen durchschlängeln. Denn rechtlich ist klar: Das Rechtsüberholen – auch beim Durchschlängeln – ist grundsätzlich unzulässig und kann als Verstoß gegen die StVO mit einem Bußgeld und einem Punkt in Flensburg geahndet werden.

Kommt es zum Unfall, rechnen die Gerichte dem Fahrer außerdem ein Mitverschulden an (LG Tübingen, Az.: 5 O 80/13). Auch das Ausweichen auf den Seitenstreifen ist nicht zulässig. Der gilt nämlich laut StVO nicht als Fahrbahn und darf deshalb nicht zum Fahren benutzt werden. Links überholen dürfen Motorradfahrer zwar grundsätzlich, aber nur innerhalb der Fahrbahnmarkierung – und das dürfte oft am fehlenden Platz scheitern.

Anders sieht die Lage nach der StVO für Mofa- und Radfahrer aus: Sie dürfen einen Stau oder wartende Fahrzeuge an der Ampel vorsichtig rechts überholen.

Wie bilde ich eine Rettungsgasse?

Wenn das Stauende in Sicht ist, bleibt nur eins: Warnblink-Anlage einschalten, runter vom Gas gehen und zur Stoßstange des Vordermanns ausreichend Abstand halten.

Auf einspurigen Straßen sollten Autofahrer beim Herannahen der Rettungskräfte das Tempo drosseln, nach rechts an den Fahrbahnrand ausweichen und wenn nötig anhalten. Auf mehrspurigen Straßen und Autobahnen besteht die Pflicht, eine Rettungsgasse zu bilden – immer zwischen dem linken und den übrigen Fahrstreifen! Autos auf dem linken Fahrstreifen müssen also an den linken Fahrbahnrand fahren, die auf allen anderen Fahrstreifen möglichst weit nach rechts.

Seit dem 28. April 2020 gilt: Das unerlaubte Nutzen oder das Nichtbilden einer Rettungsgasse kann zwischen 200 und 320 Euro kosten. Es drohen ein Monat Fahrverbot sowie zwei Punkte in Flensburg.

Schaulustige, die durch Fotos und Filme einen Rettungseinsatz erschweren, werden bereits seit Anfang 2020 härter bestraft. Wer Unfallopfer ablichtet und angezeigt wird, muss mit bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug rechnen.

Macht ein Spurwechsel Sinn?

Besonders Clevere versuchen, die Wartezeit abzukürzen, indem sie fleißig auf die scheinbar schnellere Spur wechseln. Doch verschiedene Studien zeigen: Ständiges Spurwechseln führt meistens nicht schneller ans Ziel. Genauso wenig profitieren häufig diejenigen, die auf Nebenstrecken ausweichen und sich dann durch kleine Ortschaften qualvoll ans Ziel schlängeln.

Darf man den Standstreifen nutzen?

Der leere Standstreifen lädt eilige Verkehrsteilnehmer dazu ein, schnell an den anderen Autos vorbeizuhuschen. Doch Vorsicht! Das Manöver kann Sie 75 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg kosten. Wenn dabei auch noch ein Unfall passiert, müssen Sie zudem die Kosten der Schadensregulierung unter Umständen allein tragen. Das gleiche gilt, wenn der Standstreifen zum Überholen genutzt wird. Auch dann riskiert man bei einem Unfall eine erhebliche Mithaftung.

In einem konkreten Fall hatten ein Pkw- und ein Lkw-Fahrer den gleichen verbotenen Gedanken und nutzten den Standstreifen, um den Stau zu umgehen. Der Lkw hatte das Auto beim Ausscheren jedoch übersehen und es war zum Crash gekommen. Zwei Drittel des Schadens musste der Lkw-Fahrer übernehmen, weil er seine besonders hohe Sorgfaltspflicht bei einem Fahrspurwechsel nicht beachtet hatte. Auf einem Drittel des Schadens blieb der Pkw-Fahrer allerdings sitzen, da die Nutzung der Standspur verboten ist (Landgericht Bochum, Az.: 11 S 44/15).


So vermeiden Sie Staus

Entscheidend, ob Sie in einem Stau landen oder nicht, ist die Zeit, zu der Sie losfahren. Wenn man zum Beispiel die Staus am ersten Ferienwochenende vermeiden möchte, die es auf jeden Fall geben wird, dann sollte man möglichst einen oder zwei Tage später fahren und sich dann möglichst früh am Tag auf den Weg machen, so ARAG Experten.

 

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Aktuelles Urteil

Warnblinker bei Stauende missachten kann teuer werden

Wer die eingeschalteten Warnblinker missachtet, handelt fahrlässig und muss bei einem Auffahrunfall unter Umständen tief in die Tasche greifen.

Autofahrer, die im Straßenverkehr aufgrund einer Unachtsamkeit gegen die allgemeine Sorgfaltspflicht (§ 1 Straßenverkehrs-Ordnung - StVO) verstoßen und dadurch einen anderen schädigen, müssen in der Regel mit einer Geldbuße von 35 Euro rechnen. Dazu gehört auch ein Auffahrunfall an einem Stauende.
Werden dem Fahrer weitere fahrlässige Verkehrsordnungswidrigkeiten nachgewiesen, kann sich das Bußgeld leicht vervielfachen.

Mindestabstand einhalten!

Wurde vor dem Auffahren beispielsweise der Mindestabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug nicht eingehalten oder war die Geschwindigkeit trotz einer angekündigten Gefahrenstelle nicht angepasst, kann ein fahrlässiger Verstoß gegen § 4 Abs. 1 bzw. § 3 Abs. 1 StVO vorliegen. Und der wird höher geahndet.

In einem konkreten Fall war ein unachtsamer Fahrer eines Sattelschleppers ungebremst in einen vorausfahrenden Lkw gefahren, obwohl dieser den Warnblinker gesetzt und die Geschwindigkeit von 80 auf 40 km/h gedrosselt hatte. Es entstand ein Sachschaden von 20.000 Euro. Der Fahrer des Sattelschleppers bekam jedoch statt des Regelbußgeldes von 35 Euro gleich 165 Euro aufgebrummt.

Gegen die hohe Strafe wehrte sich der Lkw-Fahrer vor Gericht. Sein Argument: Bei einer Verurteilung wegen eines fahrlässigen Verstoßes gegen § 3 Abs. 1 StVO hätte es eine angekündigte Gefahrenstelle durch ein Verkehrszeichen geben müssen. Doch ARAG Experten weisen darauf hin, dass auch ein eingeschalteter Warnblinker eine Gefahrenstelle ankündigen kann.

Für Wiederholungstäter wird es teurer

Was in diesem Fall erschwerend hinzukam, war das verkehrswidrige Vorleben des unaufmerksamen Fahrers. Denn der war in der Vergangenheit schon mehrfach wegen der Unterschreitung des Mindestabstands auffällig geworden. Daher musste er jetzt tief in die Tasche greifen (Oberlandesgericht Celle, Az.: 2 Ss 263/15).

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