Was wäre das schön: Sich zur Ruhe setzen in einer fernen pulsierenden Stadt oder auf dem stillen Land. Oder besser noch: Sich zur Ruhe legen – am Strand vielleicht. Immer mehr Deutsche zieht es für den Ruhestand in andere Länder. Doch was gibt es bei der Rente im Ausland zu beachten?

New York, Rio, Tokio: Wer in Deutschland gesetzlich rentenversichert war, steht vor der freien Wahl, wo er seinen Ruhestand verbringt. Die Deutsche Rentenversicherung überwies 2017 gut 1,76 Millionen Renten in über 150 Länder. Natürlich prüft der Versicherungsträger zunächst, ob es einen Rentenanspruch gibt.

Hierfür gilt es, das Renteneintrittsalter zu erreichen und eine Mindest-Versicherungszeit zu erfüllen. In Deutschland liegt diese sogenannte Wartezeit bei fünf Jahren. Wie hoch die Rente im Ausland ausfällt, hing lange unter anderem davon ab, ob der Rentner seinen Ruhestand vorübergehend oder dauerhaft außerhalb Deutschlands genießt. Doch diese Zeiten sind vorbei!

Rente im Ausland beim dauerhaften Aufenthalt

Tschüss Deutschland, hallo Ruhestand: Mit dem Renteneintritt zieht es viele Rentner dauerhaft ins Ausland. Mit „dauerhaft“ ist gemeint, dass man seinen Lebensmittelpunkt außerhalb Deutschlands hat.

Spanien, Griechenland oder Türkei? Wollte ein Rentner seinen Ruhestand dauerhaft außerhalb Deutschlands verbringen, stand er vor einigen Hürden: Sein Bestimmungsland und seine Staatsangehörigkeit spielten eine Rolle für die Höhe der Rente im Ausland.

Für viele ausländische Staatsangehörige verkürzten sich die Altersbezüge in bestimmten Fällen auf 70 Prozent. Mit der Gesetzesänderung vom 1.10.2013 gehört das der Vergangenheit an. Rentner, die in Deutschland Ansprüche haben, erhalten ihre Rente im Ausland in voller Höhe. 2017 gingen ganze 13 % der Auslandsrenten an Deutsche mit festem Wohnsitz im Ausland.

Ganz gleich, wo sie ihren Ruhestand verbringen wollen, ob sie unter das Europarecht fallen oder ob sie aus einem Land kommen, das kein Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland hat. Wenn es um die deutsche Rente im Ausland geht, sind die Einschränkungen jetzt für alle passé. Nur in Ausnahmefällen wird die Rente eingeschränkt oder gar nicht gezahlt.

Rente im Ausland beim zeitweisen Aufenthalt

Den Winter dort verbringen, wo es keinen Winter gibt. Wer als Rentner nicht länger als sechs Monate im Jahr außerhalb Deutschlands verweilt, erhält seine Rente hürdenlos in voller Höhe – und zwar entweder weiter auf sein deutsches Konto oder auf ein Konto bei einer ausländischen Bank.

Wenn Sie Ihre Rente auf ein Konto bei einem ausländischen Geldinstitut erhalten, können aber möglicherweise Abzüge auftauchen. Denn die anfallenden Kursverluste und Bankspesen übernimmt die Deutsche Rentenversicherung nicht.

Deutsche Rentner gehen immer öfter ins Ausland

 
2016 234.000*
2015 230.000*
2014 226.000*
2013 222.000*
2008 192.000*

Rente im Ausland bei verminderter Erwerbsfähigkeit?

Die Rente wegen verminderter Erwerbs­fähigkeit erhalten diejenigen, die aufgrund einer Krankheit oder Behinderung erwerbs­gemindert sind, also nicht mehr oder nur eingeschränkt arbeiten können. Ist der Betroffene wegen seines Gesundheits­zustandes voll erwerbsgemindert, steht ihm diese Form der Rente auch im Ausland zu.

Anders kann es aussehen, wenn die gesundheitlichen Einschränkungen eine Teilzeitarbeit erlauben, der Arbeitsmarkt in Deutschland dies aber nicht hergibt. Die in diesem Fall bewilligte volle Erwerbs­minderungsrente wird nur weitergezahlt, wenn der Betroffene in einen Mitgliedsstaat der EU, in die Schweiz, nach Norwegen, Liechtenstein, Island oder in Staaten, in denen eine entsprechende bilaterale Regelung mit Deutschland besteht, auswandert.

Ausländische Rentner

Wer seinen Wohnsitz dauerhaft in ein anderes Land verlegt, kommt dagegen in diesem Fall oftmals nicht mehr in den Genuss der vollen Erwerbs­minderungs­rente, sondern erhält nur noch eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung.

Erhält ein Rentner allerdings Grundsicherung, weil er nur eine Kleinstrente bezieht, kann ihm nach vier Wochen Aufenthalt im Ausland die Grundsicherung versagt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Rentner im Ausland einen Urlaub verleben, wie es z. B. bei Verwandten günstig möglich ist, oder ob sie ihren Aufenthalt mit einer beruflichen Tätigkeit verbinden. Davon sind vor allem Künstler betroffen, die oftmals auch im höheren Lebensalter noch beruflich aktiv sein können. Um Sanktionen zu vermeiden, sollten Betroffene den Auslandsaufenthalt unbedingt vorher ankündigen und auch klären, was sie tun können, damit die Zahlung der Rente nicht eingestellt wird.

Wo zahlen Rentner ihre Steuern?

Die Antwort ist einfach: Auch bei der Rente im Ausland gilt es, Steuern zu entrichten. Dabei kommen die sogenannten Doppelbesteuerungs-Abkommen zum Tragen: Wer seinen Hauptwohnsitz in Deutschland beibehält, versteuert seine Rente in der Bundesrepublik. Verlegt der Rentner seinen Wohnsitz dauerhaft ins Ausland, zahlt er die Steuern dort. Deutschland hat mit über 100 Ländern ein Doppelbesteuerungs-Abkommen. Darunter mit Australien, Argentinien, Südafrika, Israel oder Thailand.

Versteckte Steuern bei der Rente im Ausland?

Das kommt ganz auf den Wohnsitz des Rentners an. Liegt dieser im Ausland, hat der Rentner eine beschränkte Steuerpflicht. Rentner mit Wohnsitz in Deutschland unterliegen der unbeschränkten Steuerpflicht. Daher kommt für sie bei der Berechnung ihrer Steuern ein Grundfreibetrag ins Spiel.

Dieser liegt 2018 bei 9.000 Euro für Ledige und bei 18.000 Euro für Verheiratete und wird jedes Jahr neu angepasst. Das bedeutet: Nur das, was über diesen Grenzen liegt, ist zu versteuern.

Für Rentner mit Wohnsitz im Ausland und beschränkter Steuerpflicht entfällt der Grundfreibetrag. Diese müssen auf jeden Fall Abgaben von ihrem steuerpflichtigen Rentenanteil leisten – auch wenn dieser niedrig ausfällt. Betroffene haben unter bestimmten Voraussetzungen aber die Möglichkeit, die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland zu beantragen.

Krankenversicherung

Angeln, wandern oder die Welt erkunden. Die Rente im Ausland möchte jeder fit und unbeschwert genießen. Der richtige Schutz darf daher im Ruhestand nicht fehlen.

Fließen die Altersbezüge allein aus Deutsch­land, ist eine neue Krankenversicherung in vielen Ländern nicht notwendig. Dazu zählen die Staaten der EU, des EWR und die Schweiz. Gleiches gilt für die Länder Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Monte­negro, Serbien, die Türkei und Tunesien.

Eine Sache ist für den Auslands-Kranken­schutz im Ruhestand entscheidend, sofern Sie Ihren Wohnsitz in einen EU- oder EWR-Mitgliedsstaat oder die Schweiz verlegen: Die Anspruchs-Bescheinigung E 121, die Sie von Ihrer deutschen Krankenversicherung erhalten.

Die Bescheinigung E 121

Die Krankenversicherung fernab der Heimat prüft zunächst, ob der Rentner einen Anspruch auf Leistungen hat. Und dafür benötigt er die Anspruchs-Bescheinigung E 121 beziehungsweise S1.

Planen Sie Ihre Rente im Ausland, laden Sie den Schein im Internet runter oder beantragen ihn bei Ihrer Krankenkasse. Danach füllen Sie ihn aus und lassen ihn dem Versicherungsträger in Ihrem neuen Heimatland zukommen. Er kümmert sich um den Rest und rechnet die Kosten für Ihre Behandlungen bei der deutschen Krankenkasse ab.

Und wie sieht es in anderen Ländern aus?

In Nicht-EU-Staaten und Ländern ohne entsprechende bilaterale Abkommen gilt die deutsche Krankenversicherung nicht. Zum Beispiel in den USA. Hier muss sich der Rentner selbstständig um eine neue Krankenversicherung kümmern. Lassen Sie sich individuell bei Ihrer Krankenversicherung beraten. Schließlich gelten in jedem Land andere Vorschriften.

Ruhestand im Ausland genießen. Hier wohnen Deutsche Rentner am liebsten

Beliebteste Ziele der deutschen Rentner

Ruhestand in Spanien

Rente im Ausland, olé! Spanien ist ein beliebtes Ruhestandsziel für Deutsche. Aber wussten Sie, dass es in Sachen Steuern etwas Wichtiges zu beachten gilt? Deutsche Rentner in Spanien mussten bislang keine Steuern auf ihre Rente nach Deutschland abführen, wenn sie in Spanien besteuert wurden. Ab 2015 ist das anders. Ab diesem Zeitpunkt stehen Neurentner in der Pflicht, fünf Prozent ihrer deutschen Rente in Deutschland zu versteuern. Ab dem Jahr 2030 sind es zehn Prozent.

Lebensabend in Thailand

Ein Ziel rückt für die Rente im Ausland mehr und mehr in den Mittelpunkt: Thailand. Und das schätzen die Thais. Für alle über 50 bietet das Land ein Rentner-Visum an. Dieses ist an Voraussetzungen geknüpft. So benötigt der Rentner ein Konto, auf das monatliche Altersbezüge von mindestens 65.000 Baht fließen, also derzeit rund 1.500 Euro. Das Visum gilt für ein Jahr, doch die Regierung bietet Möglichkeiten zur Verlängerung an.

Rente in Südafrika

Wenn es um den Ruhestand geht, ist Südafrika für viele ein Traum. Die dortige Regierung erfüllt ihn mit einer speziellen Aufenthaltsgenehmigung. Diese gibt es in zwei Varianten: Als temporäres Visum, das bis zu vier Jahre gültig ist, sowie als dauerhaftes Visum. Für beide Genehmigungen muss der Antragsteller ein monatliches Einkommen von 37.000 Rand nachweisen. Das sind derzeit umgerechnet rund 2.450 Euro. Beim temporären Visum kann das erforderliche Einkommen aus dem Kapital entspringen. Beim dauerhaften Visum ist mit längeren Wartezeiten zu rechnen.

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