12.09.2019

Viele fürchten sich vor dem Moment, wo sie Erste Hilfe leisten müssen. Dabei sollten Sie folgendes bedenken. Egal, wie gut oder schlecht das Wissen um die Erste Hilfe bestellt oder wie groß die Unsicherheit ist: Der größte Fehler ist, gar nicht erst zu helfen.

Was passiert, wenn man nicht hilft?

In Deutschland ist Erste Hilfe nicht nur eine moralische Pflicht, sondern vor allem eine rechtliche. Wer es unterlässt, im Notfall oder bei Gefahr Erste Hilfe zu leisten, macht sich strafbar und riskiert sogar eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe (§ 323 c Strafgesetzbuch). Allerdings raten wir, dabei stets auf die eigene Sicherheit zu achten, denn niemandem ist geholfen, wenn sich der Ersthelfer selbst in Gefahr bringt. Bei einem Verkehrsunfall bedeutet das beispielsweise, eine Warnweste anzulegen, den Warnblinker einzuschalten und sich hinter der Leitplanke zum Unfallort zu bewegen. Um Folgeunfälle zu vermeiden, sollte man sich als nächstes um die Absicherung des Unfallortes kümmern und ein Warndreieck am Straßenrand aufstellen. Auf einer Landstraße in 100 Meter Entfernung vom Unfall, auf der Autobahn 200 Meter weit weg.

Den Notruf 112 wählen

Den Rettungsdienst erreichen Ersthelfer unter der 112. Bis der Rettungswagen am Unfallort eintrifft – durchschnittlich ist er in acht Minuten da – können Helfer auch telefonische Unterstützung beim Notruf bekommen. Keine Scheu sollte man haben, sich Unterstützung zu holen, beispielsweise wenn es gilt, einen Verletzten aus einer Gefahrenzone zu bringen. Sobald dann die Rettungskräfte vor Ort sind, folgt man deren Anweisungen und zieht sich zurück, wenn man nicht mehr gebraucht wird.

Wissen Sie noch, wie es geht?

Herzdruckmassage und Beatmung

Laut den Leitlinien des Europäischen Rates für Wiederbelebung wird bei bewusstlosen Personen kein Puls mehr kontrolliert, sondern nur noch die Atmung überprüft. Denn wer nicht atmet, hat in der Regel auch keinen Pulsschlag. Ist das Opfer bewusstlos, gehört die Herzdruckmassage zu den wichtigsten Schritten der Ersthilfe. Dabei liegen beide Hände übereinander auf dem Brustkorb, der 100 bis 120 Mal pro Minute mit ausgestreckten Armen kräftig gedrückt wird, so dass er sich fünf bis sechs Zentimeter senkt. Nach jedem Druckstoß muss der Brustkorb wieder vollständig entlastet werden. Wer sich sicher fühlt, gibt dem Opfer von Mund zu Mund oder Mund zu Nase zwei Atemspenden, bis sich die Brust hebt. Diese Wiederbelebungsmaßnahmen sollte man durchführen, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Einen Defibrillator sollte man nur nutzen, wenn er in greifbarer Nähe ist oder ein Mithelfer ihn holen kann. Auf keinen Fall sollte man laut ARAG Experten die Herzdruckmassage unterbrechen. Eine schrittweise Bedienungsanleitung für den Defibrillator findet sich im Gerät.

Stabile Seitenlage

Wenn Bewusstlose noch atmen, legt man sie nach Auskunft der ARAG Experten in die stabile Seitenlage. Dazu greift man den Arm des Opfers, der näher beim Ersthelfer liegt, und legt ihn im rechten Winkel nach oben. Der andere Arm wird vor der Brust gekreuzt mit dem Handrücken an der Wange. Als nächstes zieht man das abgewandte Bein am Knie nach oben und rollt den Körper am angewinkelten Bein zu sich. Das Bein wird im rechten Winkel zur Hüfte auf dem Boden abgelegt. Am Ende wird der Kopf in Position gebracht, in dem man ihn leicht nach hinten überstreckt – hier gibt die zuvor an der Wange abgelegte Hand den wichtigen Halt – und den Mund leicht öffnet. Das Gesicht zeigt nach unten Richtung Boden.

Bei Schock

Frieren, kalte Haut, Blässe oder Verwirrtheit können auf einen Schock hindeuten. In dem Fall raten die ARAG Experten, das Opfer in die Schocklagerung zu bringen. Dazu wird die Person flach auf den Rücken gelegt und zugedeckt. Die Beine werden hochgelagert. Auch während der Schocklage sollte immer die Atmung überprüft werden.

Psychische Erste Hilfe

Um Panik beim Opfer zu vermeiden, raten die ARAG Experten, mit dem Opfer zu sprechen und es – je nach Zustand – zu informieren, was geschieht. Gleichzeitig sollte man dafür sorgen, dass der Verletzte möglichst ungestört vor schaulustigen Zuschauern bleibt. Auch leichte Berührungen an Hand oder Schulter können helfen, das Opfer zu beruhigen.

Erste Hilfe bei Kindern und Säuglingen

Stabile Seitenlage
Ist das Kind bewusstlos, muss der Notarzt unter 112 gerufen werden. Atmet das Kind, muss es – wie bei Erwachsenen auch – in die stabile Seitenlage gebracht werden, bis der Rettungswagen eintrifft. Babys werden dabei auf den Bauch gelegt, der Kopf leicht zur Seite gedreht und die Arme neben dem Kopf platziert. Bei Kindern ist die Position wie bei Erwachsenen auf der Seite: Unteres Bein anwinkeln, Hand des oberen Armes unter die Wange, die zum Boden zeigt und den Kopf leicht überstrecken.

Beatmung
Wenn das Kind nicht atmet, müssen Eltern eine Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung durchführen, bis der Notarzt da ist und übernehmen kann. Kinder werden wie Erwachsene durch Mund oder Nase beatmet. Bei Babys umschließt man Mund und Nase gleichzeitig mit den Lippen. Dann atmet man vorsichtig etwa 90 Sekunden lang in den geöffneten Mund und/oder die Nase des Kindes, so dass der Brustkorb sich sichtbar hebt. Tut er dies nicht, muss der Atemstoß leicht verstärkt werden. Diese Beatmung wird fünfmal wiederholt.

Herzdruckmassage
Gibt das Kind trotz Beatmung keine Lebenszeichen von sich, muss es mit einer Herzdruckmassage wiederbelebt werden. Dabei sollte es auf einem möglichst harten Untergrund liegen. Bei Kindern gibt es keinen Unterschied zur Herzdruckmassage von Erwachsenen: Mit aufeinander gelegten Händen drückt man dabei mit beiden Ballen die untere Hälfte des Brustbeins etwa fünf Zentimeter ein. Pro Sekunde zwei Mal. Nach 30 Druckstößen wird zweimal beatmet. Diese Maßnahme wird wiederholt, bis der Notarzt eintrifft. Bei Babys bleiben Reihenfolge und Intervall gleich, nur wird hier mit zwei Fingern auf die Mitte des Brustbeins gedrückt. Sobald das Kind wieder atmet, muss es in die stabile Seitenlage bzw. in Bauchlage gebracht werden.

Verbreitete Gefahren
Dass Kinder wiederbelebt werden müssen, ist in der Regel nur sehr selten der Fall. Auch echte Knochenbrüche gibt es bei Kindern zum Glück eher selten, da ihre Knochen sehr elastisch sind. Eine viel größere Gefahr lauert zu Hause. Im Küchenschrank, im Bad, in der Garage. Hier lagern oft bunte, spannend riechende, aber giftige Flüssigkeiten, die der neugierige Nachwuchs gerne mal probiert. Allein in der Informationszentrale gegen Vergiftungen des Landes Nordrhein-Westfalen in Bonn sind 2017 über 50.000 Anrufe zu Vergiftungen eingegangen. Bei der Hälfte der Fälle handelte es sich um Kinder unter 18 Jahren. Im Fall von Vergiftungen raten die ARAG Experten, sofort ein Giftinformationszentrum anzurufen. Per Ferndiagnose ist hier meist schnelle Hilfe möglich, vor allem, wenn die Eltern wissen, was genau getrunken wurde. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat eine Liste der Giftinformationszentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlicht, in der Verbraucher die wichtigsten Telefonnummern finden.

Erste Hilfe bei Haustieren

Wenn der Mops in eine Glasscherbe tritt, der Stubentiger auf die heiße Herdplatte tapst oder das Kaninchen beim Ausflug in den Garten von der giftigen Eibe nascht: Wissen Sie, was jetzt zu tun ist?

Vorsorgen
Auch wenn Sie die gekippten Fenster vor Ihrer Katze gesichert haben oder Ihren Hund auf dem Spazierweg nicht fressen lassen und ihn im Stadtverkehr an der Leine führen; Unfälle lassen sich nicht in jedem Fall vermeiden. Darum ist es für verantwortungsbewusste Tierhalter unerlässlich, auf den Ernstfall vorbereitet zu sein.

  • Speichern Sie diese Telefonnummern ab oder legen Sie sie in der Nähe Ihres Telefons ab: Tierarzt, Tierärztlicher Notdienst, die nächstgelegene Tierklinik, Tierrettung
  • Entscheiden Sie vor dem Ernstfall, welche Tierklinik Sie im Notfall anfahren und wie Sie dort hinkommen. Speichern Sie möglichst die Anfahrt im Navigationsgerät ab.
  • Üben Sie das Anlegen eines Verbands schon einmal am gesunden Tier.
  • Überprüfen Sie am gesunden Tier ab und zu Herzschlag/Puls und Atmung. So bemerken Sie im Ernstfall einfacher, ob etwas ungewöhnlich oder bedrohlich ist.
  • Legen Sie eine Hausapotheke passend für Ihren Vierbeiner an und halten Sie diese aktuell.

Was gehört in die Hausapotheke?

Um Ihrem Schützling eine sinnvolle erste Hilfe leisten zu können, benötigen Sie etwas Material und auch ein paar Medikamente:

  • Steril verpacktes Verbandzeug: Tupfer, Watte, Mullbinden, Pflaster oder Gewebeklebeband
  • Schere mit abgerundeten Enden
  • Desinfektionsmittel und antiseptische Salbe
  • Wundsalbe
  • Tropfen gegen Schmerzen
  • Fieberthermometer, am besten ein digitales zum Einführen ins Ohr
  • Kohletabletten gegen Durchfall
  • Pinzette und Zeckenzange oder Zeckenkarte
  • Einmalspritze aus Plastik

Erste Hilfe bei Blutungen
Ist das Blut hellrot und tritt pulsierend hervor, ist eine Arterie verletzt und es besteht Verblutungsgefahr! Dann sollten Sie die Extremität direkt über der Wunde abbinden und das verletzte Tier sofort in die Tierklinik oder zum Tierarzt bringen. Ist das Blut dunkel und tritt langsam und stetig hervor, legen Sie einen Druckverband an. Drücken Sie dazu eine zusammengebundene Mullbinde auf die Wunde und umwickeln Sie diese. Öffnen Sie den Verband etwa alle 15 Minuten und überprüfen Sie, ob die Blutung gestillt ist. Sodann verbinden Sie die Wunde sorgfältig.

Verbrennungen behandeln
Auch kleine, harmlos wirkende Brandwunden können bei Tieren ernste Folgen haben. Kühlen Sie die verbrannte Körperstelle zuerst mit (nicht zu) kaltem Wasser. Decken Sie die offene Brandwunde mit sterilen Binden ab. Tragen Sie keine Brandsalbe auf, sie schaden Tieren meist. Bringen Sie Ihr Tier direkt nach der Erstversorgung zum Tierarzt.

Vergiftungen erkennen
Nicht jedes Erbrechen und jeder Durchfall weist direkt auf eine Vergiftung hin. Sie sind aber wichtige Anzeichen. Kommen Speicheln, Zittern, blasse Schleimhäute, Atembeschwerden, unsicherer Gang oder Teilnahmslosigkeit hinzu, ist eine Vergiftung wahrscheinlich. Geben Sie dem Tier auf keinen Fall Milch. Dieses alte Hausmittel ist absolut kontraproduktiv. Bieten Sie dem Tier vielmehr Wasser an. Sie können dem Patienten auch etwas Wasser auf eine Einmalspritze ohne Kanüle ziehen und langsam ins geöffnete Maul fließen lassen. Dann bringen Sie den Patienten zum Tierarzt. Wenn Sie wissen, womit das Tier sich vergiftet hat, nehmen Sie eine Probe von der Substanz mit.

Wenn das Tier sich wehrt
Im Ernstfall zahlt es sich besonders aus, wenn Sie die Erste Hilfe am gesunden Tier öfter schon einmal geübt haben. Wenn sich das Tier trotzdem wehrt, bewahren Sie Ruhe. Der Patient hat eventuell Schmerzen und steht unter Schock. Versucht das Tier in seiner Panik, Sie oder andere Helfer zu beißen, machen Sie aus einer Binde oder zur Not einem Schal ein Schnauzenband. Umwickeln Sie die Schnauze einfach so, dass das Tier nicht mehr beißen kann. Doch Vorsicht: Bei einem Tier, das sich übergeben muss oder einem bewusstlosen Tier ist das Schnauzenband tabu, so ARAG Experten.

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