05.11.2018

Auf Deutschlands Straßen kommt es jährlich zu rund tausenden Wildunfällen mit Personen- und Sachschäden. Eine Vielzahl dieser Unfälle passieren im Herbst und im Winter, wenn die Tage neblig beginnen und die Abenddämmerung früh einsetzt. Dabei sind manche Unfälle mit wild lebenden Tieren vermeidbar. Unsere Experten sagen, was Autofahrer tun können.

Wildwechsel: So verhalten Sie sich richtig

  • Bei Wildwechsel Fuß vom Gas – Geschwindigkeit anpassen! Empfehlung: max. 60 km/h.
  • Aufmerksam Wald- und Straßenränder beobachten.
  • Besondere Vorsicht in der Dämmerung, bei Nacht oder bei Nebel.
  • Besonders gefährlich sind neue Straßen, die durch Waldgebiete führen. Das Wild behält seine gewohnten Wege bei; hier fehlen oft noch Warnhinweise.
  • Mit Nachzüglern rechnen! Ein Tier kommt selten allein.
  • Wenn Tiere im Scheinwerferkegel auftauchen: Abblenden, abbremsen, hupen!
  • Wenn ein Unfall unvermeidbar ist: Lenkrad festhalten! Geradeaus lenken! Abbremsen! Vorsichtig sein beim Ausweichen!

Wildschweine – Begegnungen der anderen Art

Wer beim Joggen und Spazierengehen in unseren Wäldern auf den Wegen bleibt und sich nicht durch das Dickicht schlägt, wird nur in den seltensten Fällen auf ein Wildschwein treffen. Trotzdem nehmen Begegnungen von Mensch und Schwarzwild zu. Wer ein Wildschwein zu Gesicht bekommt, braucht allerdings nicht sofort in Panik auszubrechen. Grundsätzlich handelt es sich um friedliche Tiere, die eher Angst vor Menschen haben. Wie man sich am besten verhält, wenn man einem solchen borstigen Waldbewohner begegnet, erläutern ARAG Experten.

Ruhe bewahren

Treffen Sie beim Waldspaziergang auf ein Schwarzwild, bewahren Sie Ruhe. Ziehen Sie sich langsam und leise zurück und vermeiden Sie hektische Bewegungen. Helfen kann außerdem, während des Rückzugs ruhig und leise vor sich hin zu sprechen. Trotz aller Friedfertigkeit gilt das Wildschwein als das letzte wehrhafte Tier in deutschen Wäldern und in Extremsituationen kann es aggressiv und somit auch gefährlich werden, etwa wenn es Junge hat, verletzt ist oder sich in die Enge getrieben fühlt und keinen Fluchtweg mehr hat. Finden die Wildschweine hingegen einen Fluchtweg, greifen Sie den Menschen nicht an. Aus genau diesem Grund ist es wichtig, den Tieren immer eine Rückzugsmöglichkeit zu geben. Engen Sie ein Wildschweine nicht ein und drängen Sie es auf keinen Fall in eine Zaun- oder Hausecke. Daher sollten Sie auch auf keinen Fall versuchen, das Wildschwein zu verscheuchen!

Wildschweine haben schlechte Augen

Es kann passieren, dass Wildschweine zunächst aus Versehen auf den Menschen zurennen. Sie hören und riechen, dass mögliche Gefahr besteht, können allerdings auf Grund ihrer schlechten Augen nicht genau erkennen, wo sich der vermeintliche Gegner befindet. In diesem Falle hilft es, laut zu rufen oder in die Hände zu klatschen.

Vorsicht bei Bachen und verletzten Tieren

Vorsicht ist laut ARAG Experten geboten, wenn Sie auf ein Muttertier (Bache) mit Jungtieren (Frischlingen) stoßen, auch wenn diese sehr niedlich aussehen. Nähern Sie sich auf keinen Fall und fassen Sie die Frischlinge nicht an. Eine Bache verteidigt ihre Jungen um ihr Leben. Auch wenn Sie auf ein verletztes Tier treffen, ist äußerste Vorsicht geboten, denn diese Tiere verhalten sich oft aggressiv und greifen an. Wer auf ein solches Tier trifft, weil es vom Auto angefahren oder bei der Jagd angeschossen wurde, sollte schnellstmöglich die Polizei oder die örtliche Ordnungsbehörde informieren. Auch wenn das Wildschwein durch die Nase schnaubt, sollten Sie sich besser in Acht nehmen. Dies ist als Drohung zu verstehen und bedeutet so viel wie: „Komm nicht näher!“.

Besuch aus dem Wald

Wer in Waldnähe wohnt, kann gelegentlich Besuch von Wildschweinen bekommen. Sie wittern mit ihrer guten Nase gewisse Leckereien schon von weitem. Fallobst, Blumenzwiebeln und Gemüseabfälle auf dem Komposthaufen sind für Wildschweine unwiderstehlich. Darum raten ARAG Experten, das Fallobst aufzusammeln und stabile Gehäuse für Biotonne oder Komposthaufen zu nutzen. In sogenannten „befriedeten Gebieten“, also in Wohngegenden, Parks und Gartensiedlungen ist die Jagd auf Wildschweine gesetzlich verboten. Lediglich in Ausnahmefällen, wie etwa der Gefahrenabwehr, ist das Bejagen auf Wild durch einen geschulten Jäger erlaubt. Im Zweifel kontaktieren Sie am besten die Polizei, die Jagd- oder Naturschutzbehörde.

Wenn Wild angefahren wurde

  • Warnblinker einschalten und Unfallstelle sichern!
  • Verletztes Wild nicht verfolgen! Totes Wild nicht mitnehmen.
  • Bei verletzten Personen erste Hilfe leisten; ggf. Krankenwagen oder Notarzt rufen.
  • Polizei verständigen!
  • Bei Kfz-Schäden eine Bescheinigung für die Teilkaskoversicherung von der Polizei oder dem Revierinhaber ausstellen lassen.

So urteilten Gerichte

Wer muss für die Beseitigung des Tieres nach einem Wildunfall zahlen?

Nicht selten flattern Autofahrern, die ein Tier überfahren haben, zum Teil bis zu 350 Euro teure Rechnungen für die Bergung und das Entsorgen des getöteten Tieres ins Haus. Doch die ARAG Experten weisen Autofahrer darauf hin, dass der für die Beseitigung des toten Tieres zuständige Jäger nicht das Recht hat, dem Unfallfahrer die Rechnung zu präsentieren. Auch die Straßenbaubehörde, die die Rechnung des Jägers im Normalfall begleichen muss, darf diese Kosten nicht an den Fahrer weitergeben (Verwaltungsgericht Hannover, Az.: 7 A 5245/16, nicht rechtskräftig).

Zusammenstoß mit Wild

Grundsätzlich kommt die Teilkaskoversicherung für Unfälle mit Haarwild (Wildschwein, Reh, Hirsch, Fuchs, Hase) und je nach Vertrag auch mit anderen Tierarten auf; die Vollkaskoversicherung übernimmt aber in jedem Fall die Schäden am eigenen Fahrzeug.

Kommt es nach einer Begegnung mit einem Wildtier zu einem Schaden am Wagen, der nicht durch einen Zusammenstoß, sondern etwa durch Ausweichen verursacht wird, handelt es sich nicht um einen Willdunfall. Hier kann der Schaden aber unter Umständen als sogenannter "Rettungskostenersatz" geltend gemacht werden. Darunter fallen Aufwendungen, die bei Eintritt eines unmittelbar bevorstehenden Versicherungsfalls gemacht werden, um diesen abzuwenden. Die Versicherung zahlt aber nur, sofern die Reaktion des Fahrers nicht reflexhaft und unter Berücksichtigung der Größe des Tieres angemessen war. Außerdem muss der Versicherungsnehmer nachweisen, dass es tatsächlich einen Wildwechsel gab und er deshalb ausgewichen ist (OLG Saarbrücken, Az.: 5 U 356/10 - 57).

Die Rechtslage bei einem Auffahrunfall

Wie ist die Rechtslage bei einem Auffahrunfall, also wenn ein Autofahrer in ein schon totes Wildschwein hineinfährt? Vertraut man auf das Urteil des Landgerichts Stuttgart, entspricht diese Unfallvariante der Haarwild-Versicherungsklausel, die besagt, dass zwar das Fahrzeug nicht aber das betroffene Tier in Bewegung sein muss. Somit steht die Versicherung in der Zahlungsverpflichtung (LG Stuttgart, Az.: 5 S 244/06).

Angefahrenes Reh verursacht Kollision: Wer haftet?

Bei Wildunfällen kommen grundsätzlich die Kfz-Kasko-Versicherungen für den eigenen Schaden auf. Allerdings weisen die ARAG Experten auf die doch sehr grobe Verallgemeinerung dieser Aussage hin. Denn der Teufel steckt auch hier im Detail: Der Versicherungsnehmer muss nämlich zunächst nachweisen, dass es zu einer Berührung mit dem Tier gekommen ist und der Zusammenstoß für den Unfall und den daraus resultierenden Schaden ursächlich geworden ist.

Daher raten die ARAG Experten Betroffenen, in jedem Fall die Polizei zu rufen, die dann eine sogenannte Wildunfallbescheinigung ausstellt. Es besteht zudem die Verpflichtung, die Unfallstelle zu sichern und sich vor dem Entfernen zu vergewissern, dass das angefahrene Wild keine Gefahr für den nachfolgenden Verkehr darstellt (§ 34 Abs. 1 Nr. 2 StVO).

In einem Kollisionsfall mit einem Reh entfernte sich die Fahrerin in der irrigen Annahme, das Tier sei neben der Straße verendet. Zwei nachfolgende Fahrzeuge kollidierten mit dem auf der Straße liegenden Reh und verklagten die Fahrerin auf Schadensersatz. Zwar konnte nicht mehr aufgeklärt werden, ob die Fahrerin das Tier auf der Straße hatte liegen lassen und damit gegen § 32 der StVO verstoßen oder ob sich das noch nicht verendete Tier vom Fahrbahnrand selbst dorthin bewegt hatte. Dennoch traf die Fahrerin eine Mithaftung, da sie sich vom Tod des Tieres und somit der mangelnden Gefahr für folgende Verkehrsteilnehmer nicht vergewissert und keinen Warnhinweis aufgestellt hatte (LG Saarbrücken, 09.04.2010, 13 S 219/09).

Wildwechsel – Vorsicht bei Streusalzeinsatz

Um Unfällen vorzubeugen, streuen die öffentlichen Winterdienste bei Minusgraden Salz – und begünstigen dadurch unfreiwillig Wildunfälle. Denn das Streusalz lockt laut ARAG Experten Rotwild, Schwarzwild, Rehe und Hasen an die Randstreifen.

Die Tiere lecken das Salz auf oder fressen mit Vorliebe die salzigen Pflanzen, denn als Nährstoff ist Salz für Wildtiere eine überlebenswichtige Nahrungsergänzung. Es unterstützt den Fellwechsel im Herbst und im Winter, die Verdauung und den Stoffwechsel. Das bedeutet in ländlichen Gebieten eine erhöhte Unfallgefahr für Autofahrer, wenn auf vereisten Straßen Streusalz zum Einsatz kommt.

Mein Recht in Wald und Flur

Pflanzen, Pilze, Brennholz: ARAG Rechtsexperte Tobias Klingelhöfer sagt, was man aus Wald und Flur mitnehmen darf und was nicht.

Auffahrunfall: Wer auffährt, ist schuld?

Jeden Tag passieren Auffahrunfälle auf deutschen Straßen; viele zum Glück sind harmlos. Manchmal aber müssen Gerichte die Schuldfrage entscheiden, denn nicht immer haben Sie Schuld, wenn Sie Ihrem Vordermann auffahren.

UNSERE EMPFEHLUNG

ARAG Top-Schutzbrief

Wir sind in praktisch allen Notsituationen für Sie da – Tag und Nacht, 365 Tage im Jahr. Zum Beispiel mit unmittelbarer Pannen- oder Unfallhilfe und der Übernahme Ihrer Abschlepp- oder Bergungskosten.