Reisewarnungen, neue Risikogebiete und Beherbungsverbote erschweren Reisen

Reisen ins Ausland haben viele Deutsche bereits gestrichen. Auch wer jetzt noch Urlaub in der Heimat plant oder ihn in nächster Zeit antreten möchte, hat es nicht leicht. Immer mehr Risikogebiete und Beherbungsverbote erschweren das touristische Reisen. Wir empfehlen die Hinweise des Robert Koch Instituts zu verfolgen und die Informationen des Auswärtigen Amtes zu lesen. Erfahren Sie auch, was die neuen Entwicklungen aktuell für Urlauber bedeuten und welche Auswirkungen das auf Stornobedingungen haben könnte.

 

Der Rechtsanwalt und ARAG Rechtsexperte Tobias Klingelhöfer beantwortet wichtige Fragen zum Reisestorno in der aktuellen Situation.

Herr Klingelhöfer, was bedeutet das Beherbergungsverbot?

Das Beherbergungsverbot betrifft ausschließlich touristische Reisende. Und es gilt für Hotels, Jugendherbergen, gewerbliche Zimmeranbieter und auch Online-Plattformen wie z. B. Airbnb. Inhaltlich meint dieses Verbot, dass Reisende, die aus Regionen kommen, die zum Risikogebiet erklärt wurden, nicht mehr in diesen Unterkünften beherbergt werden dürfen. Hoteliers und Beherbergungsbetriebe, die dagegen verstoßen, riskieren hohe Bußgelder.

 

Welche deutschen Regionen sind betroffen?

Aktuell (Stand 8.10.20) handelt es sich um die Regionen Wuppertal, Hagen, Hamm und Remscheid in Nordrhein-Westfalen, die Berliner Bezirke Mitte, Berlin-Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg, Vechta in Niedersachsen, Bremen sowie Esslingen in Baden-Württemberg. Aber die Liste kann sich täglich ändern. Sobald es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen gibt, kann das Robert Koch-Institut eine Region zum Risikogebiet erklären.

 

Was bedeutet das konkret für Reisende?

Wer aus dieser Region kommt, darf, wie gesagt, in den meisten Bundesländern nicht mehr beherbergt werden. Es sei denn, sie können einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Hier könnte es bei Reisen, die schon in den nächsten Tagen beginnen, eng werden mit einer pünktlichen Anreise. Denn die Corona-Tests sind oft nicht so kurzfristig durchzuführen und auch das Ergebnis lässt manchmal einige Zeit auf sich warten.

Urlauber, die ihre Reise in eine Region geplant haben, die nun vom RKI zur Risikoregion erklärt wurde, müssen zudem damit rechnen, nach der Rückkehr ins eigene Bundesland in eine 14-tägige Quarantäne geschickt zu werden. Darauf haben sich am Mittwochabend elf Länder geeinigt. Bremen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Thüringen distanzieren sich aber vom Beherbergungsverbot und gehen jeweils eigene Corona-Wege.

So plant Berlin kein Beherbergungsverbot für Einreisende aus inländischen Corona-Risikogebieten. Es herrscht also gerade etwas Unsicherheit. Daher rate ich Urlaubern, sich vor Reiseantritt genau zu informieren, ob eine Anreise möglich ist.

 

Können betroffene Reisende ihre Buchung stornieren?

 

Ja. Sobald ein Hotel aufgrund dieses Corona-bedingten Beherbergungsverbotes einen Gast nicht mehr aufnehmen darf, kann die Buchung kostenlos storniert werden. In diesem Moment kann das Hotel ja seinen Vertrag nicht erfüllen. Auch wenn es sich um eine Pauschalreise handelt, macht ein Beherbergungs- oder Einreiseverbot die Reise unmöglich. Dann handelt es sich um unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände, bei denen ein kostenfreier Rücktritt von der Reise möglich ist. Sind Anreise und Unterbringung hingegen möglich, selbst wenn es unter Quarantäne-Bedingungen wäre, müssen Urlauber in diesem Fall zahlen.

Probleme mit Ihrer Reise?

Sie wissen nicht, ob Sie Ihre Reise stornieren müssen? Ihr Reiseveranstalter will für die stornierte Reise kein Geld zurückzahlen? Ihr Hotel verlangt den vollen Preis trotz geschlossener Anlagen?

Für Kunden mit ARAG Rechtsschutz
 
ARAG Service - Anwaltstelefon
 

Telefonische Beratung durch einen Anwalt

Unsere unabhängigen Partneranwälte beantworten Ihre rechtlichen Fragen oder geben eine professionelle Einschätzung Ihres rechtlichen Problems. Direkt am Telefon.

 

0211 9890-2424

Für alle ohne ARAG Rechtsschutz
 
ARAG Service - Mit einem Anwalt chattenARAG Service - Mit einem Anwalt chatten
 

Kostenloser Anwaltschat

Sie möchten schnell eine rechtliche Frage klären oder die Einschätzung eines Rechtsanwaltes einholen? In unserem Livechat beantworten unabhängige Rechtsanwälte Ihre Fragen.

Reisewarnung, Reisehinweise, Sicherheitshinweise – Was ist das eigentlich?

Wir können nur empfehlen, die stets aktuellen Hinweise des Robert Koch Instituts und des Auswärtigen Amtes zu lesen. Beim Auswärtigen Amt finden Sie drei Typen von nützlichen Hinweisen.

  • Reisewarnungen beinhalten einen dringenden Appell des Auswärtigen Amts, Reisen in ein Land oder in eine Region eines Landes zu unterlassen. Es kann Gefahr für Leib und Leben durch eine Naturkatastrophe, Epidemie, Krieg oder Terror im ganzen Land oder bestimmten Regionen bestehen. Eine Reisewarnung wird nur selten ausgesprochen. Deutsche, die dort leben, werden gegebenenfalls aufgefordert, das Land zu verlassen.
  • Reisehinweise enthalten allgemeine Infos über Einreisebestimmungen, medizinische Hinweise wie Impfungen und straf- oder zollrechtliche Besonderheiten.
  • Sicherheitshinweise nennen besondere Risken für Reisende und können die Empfehlung enthalten, auf Reisen zu verzichten oder sie einzuschränken.

Übrigens: Kosten für erforderlich werdende Hilfsmaßnahmen durch die Auslandsvertretungen werden Ihnen je nach den Vorschriften des Konsulargesetzes in Rechnung gestellt.

Noch ein Tipp: Bei exotischeren Reisezielen oder notwendigen Reisen in Krisenländer empfehlen wir, sich in die Krisenvorsorgeliste "elefand" des Auswärtigen Amtes einzutragen, damit im Notfall unverzüglich Kontakt zu Ihnen aufgenommen werden kann.

Aktuelle Reisewarnungen

Hier finden Sie alle aktuellen Reisewarnungen des Auswärtigen Amts.

So ist die Rechtslage bei einer weltweiten Reisewarnung für Individualreisende

Wer individuell eine Unterkunft gebucht hat, die nicht mehr erreichbar ist, muss auf die Kulanz der Vermieter hoffen. Denn zumindest für deutsche Unterkünfte gilt normales Mietrecht, bei dem es kein kostenloses Rücktrittsrecht gibt. Trotzdem raten die ARAG Experten zur Nachfrage beim Vermieter. Eine kostenlose Umbuchung, eine günstigere Stornorate oder ein Gutschein können für beide Seiten ein Gewinn sein.

Bei einer individuell gebuchten Unterkunft im Ausland ist die rechtliche Lage schon schwieriger, weil hier deutsches Recht nicht greift. Urlauber sind auf die Kulanz ihrer Vermieter angewiesen. So bot Apartment-Vermittler Airbnb beispielsweise an, alle Buchungen, die am oder vor dem 14. März getätigt wurden und deren Check-in-Datum zwischen dem 14. März und 14. April lag, kostenlos zu stornieren und bereits getätigte Zahlungen vollständig zu erstatten.

Flug oder Bahnreise: Wann kann ich stornieren?

Nur wenn die Airline den Flug wegen höherer Gewalt annulliert, haben Sie einen Anspruch auf Rückerstattung des Ticketpreises. Geht der Flieger dagegen wie geplant, bleiben Sie auf den Kosten sitzen, wenn Sie sich entscheiden, den Flug wegen einer Reisewarnung nicht anzutreten. Unter Umständen zeigt sich die Airline aber auch kulant und ermöglicht eine Umbuchung auf einen anderen Flug.

Auch Individualreisende, die mit der Bahn reisen wollen, haben einen gesetzlich verankerten Anspruch auf Stornierung und Erstattung des Ticketpreises, wenn die Beförderung annulliert wird. Voraussetzung: Durch die Annullierung entsteht eine Verspätung von mehr als einer Stunde am Zielbahnhof.

Wie storniert man die Reise?

Schreiben Sie dem Reiseveranstalter eine Mail oder besser noch einen Brief, indem Sie darlegen, dass Sie aufgrund höherer Gewalt vom Reisevertrag zurücktreten möchten und verlangen Sie den Reisepreis zurück.

Gut zu wissen: Für unsere Kunden haben wir im ARAG Online Rechts-Service bereits drei verschiedene juristisch geprüfte Musterschreiben zur Reiserücktrittserklärung zum Ausfüllen hinterlegt. So wird eine Reisestornierung ganz einfach.

Was ist, wenn man schon unterwegs ist, und eine Reisewarnung kommt?

Wenn Sie als Pauschalreisender Ihre Reise schon angetreten haben und vor Ort von einer Reisewarnung ereilt werden, können Sie vom Reisevertrag wegen höherer Gewalt zurücktreten. Dann verliert der Reiseveranstalter seinen Anspruch auf den vollständigen Reisepreis. Bereits beanspruchte Leistungen müssen Sie in der Regel allerdings trotzdem bezahlen. Fallen für den vorzeitigen Rücktransport zusätzliche Kosten an, müssen Sie meist die Hälfte übernehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Fluggastrechte: Ihre Ansprüche auf Entschädigung

Das sind Ihre generellen Rechte bei Streik, Verspätung, Annullierung, Überbuchung und Storno.

Top-Schutzbrief

Passiert eine Naturkatastrophe im Reiseland und verlängert sich dadurch Ihre Reise, übernehmen wir die zusätzlichen Übernachtungs- und Fahrtkosten.

Unsere Empfehlung
Frau telefoniert in einem Hotelzimmer

Reiserechtsschutz

Sichern Sie sich rechtliche Hilfe bei Problemen mit Airlines, Reiseveranstaltern oder Hotels.