Flexibilität und Mobilität fast ohne Grenzen: Mit dem Leihrad ist vieles möglich – auch von jetzt auf gleich. Hier erfahren Sie, wo Sie Räder mieten können, was Sie rechtlich zu beachten haben und warum Mietradradeln gesund ist.

Früher waren Leihfahrräder ein Fall für den Familienurlaub. Auf klapprigen Drahteseln ging es dann die Nord- oder Ostseeküste entlang. Heute haben schicke Leihräder längst die Innenstädte der Metropolen erobert.

Eine Erfolgsgeschichte, an der die Pariser maßgeblich mitgeschrieben haben: Auch das Seine-Völkchen, das sich nicht einmal durch Staus, Beulen oder Smog vom Autofahren abbringen lässt, entdeckte seine Liebe zum Zweirad. Raus aus zweifelhaft riechenden Metrostationen, rauf auf den Sattel, heißt es dort heute. „Vélib“ nennt sich ihr Leihradsystem mit 20.000 Rädern. Spitzenreiter im Fahrradverleih dürfte aber Hangzhou in China mit 60.000 Rädern sein. Auch New York radelt mit: Citi Bike peilt 10.000 Räder an.

Eine tolle Idee, aber ist das auch gesund? – Unfallgefahr, Feinstaubbelastung, Großstadtverkehr ... Londoner Forscher haben dies untersucht und betrachten die Leihradsysteme durchaus positiv: Die Extraportion Bewegung mindert das Risiko für Diabetes, Brustkrebs, Demenz und Herzbeschwerden. Auch verunglücken Leihrad-Fahrer seltener als Menschen, die mit dem eigenen Rad unterwegs sind.

Ob es daran liegt, dass Stadträder nicht auf Geschwindigkeit ausgelegt sind und in der Regel funktionierende Beleuchtungen haben? Vielleicht lassen es Touristen in der für Sie noch neuen Umgebung auch einfach gemächlicher angehen oder steuern eher Parks und ruhigere Straßen an.

Anbieter an schon vielen Orten

Ob in Ihrer Stadt oder an Ihrem anvisierten Urlaubsziel ein Verleihservice existiert, können Sie ganz leicht auf der Leihrad-Weltkarte nachsehen. Dort sammeln Russell Meddin von „bikesharephiladelphia“ und Paul DeMaio von „metrobike“ aktuelle, geplante und wieder aufgegebene Standorte. Achten Sie darauf, dass einige Vermieter Winterpausen einlegen!

Anbieter von Leihrädern

Leihen mit der Bahn

Bei den meisten Anbietern müssen Sie sich zunächst per Telefon oder Internet registrieren. Die Deutsche Bahn etwa bietet in rund 50 Städten deutschlandweit „Call a Bike“ an. So können Sie nach einer einmaligen Registrierung jederzeit ein Rad und beispielsweise in Aachen und Stuttgart auch ein Pedelec ausleihen.

Es ist ganz einfach: Sie rufen die Telefonnummer an, die auf dem Schloss-Deckel des Fahrrads notiert ist, und bestätigen Ihren Entleihwunsch. Dann können Sie den Deckel des Schlosses öffnen und brauchen nur noch den Anweisungen auf dem Display darin zu folgen. Das Schloss entriegelt sich und schon kann’s losgehen. Und wie sie beginnt, so endet die Tour auf dem Leihrad: mit einem Anruf bei der Hotline. P.S.: Bahn-Card-Kunden bekommen eine Ermäßigung auf den Tagespreis.

Deutschland bis Dubai

Wer sich einmal beim Anbieter „Nextbike“ registriert, kann in rund 30 deutschen Städten Räder leihen, obendrein auch in Dubai, Baku oder Christchurch. Interessant ist hierzulande die Flatrate „RadCard-Tarif“. Sie lohnt sich bereits bei mehr als drei Fahrten im Monat. Für eine jährliche Pauschale von 36 Euro sind auf jeder Fahrt die ersten 30 Minuten frei, deutschlandweit! Das reicht beispielsweise, um in der Mittagspause mal schnell einkaufen zu fahren. Dauert eine Fahrt länger als 30 Minuten, kostet jede weitere halbe Stunde 50 Cent. Teurer als fünf Euro für 24 Stunden wird es aber nicht.

Kostenloser Start in Hamburg

Charmant: Bei „StadtRAD“ in Hamburg kostet die erste halbe Stunde Radfahren gar nichts. Danach werden acht Cent pro Minute berechnet. 24 Stunden kosten 12 Euro. Wenn Sie mögen und logistisch versiert sind, könnten Sie also einmal rund um Hamburg radeln – zum Nulltarif. Sie müssten sich nur von Radstation zu Radstation hangeln. Übrigens: „StadtRAD“ ist ziemlich erfolgreich: 1.650 Räder, 129 Stationen und fast 220.000 Kunden.

In London: der Papp-Helm zum Rad

Damit Londoner Leihrad-Fahrer nicht unbehütet durch die britische Hauptstadt zuckeln, haben Bobby Petersen, Tom Gottelier und Edward Thomas den „Paper Pulp Helmet“ kreiert. Zugegeben, der hauptsächlich aus Wasser und altem Zeitungspapier bestehende Wegwerf-Helm sieht nicht gerade schick aus. Stellen Sie sich eine dieser Pappmaché-Obstschalen vom Discounter vor – nur in Oval. Aber er soll die europäischen Sicherheitsnormen erfüllen und sogar sechs Stunden Regen aushalten. Und er kostet so gut wie nichts!

Bilder und Herstellungsfilme sehen Sie auf www.paperpulphelmet.com

Rechtliches zum Leihrad

Lust aufs Fahrrad Mieten bekommen? Hier können Sie alles nachlesen, was Sie auf der rechtlichen Seite beachten sollten. Viel Spaß bei Ihrer Tour!

Konditionen vergleichen
Bevor Sie sich mit einem Mietrad aufmachen, lohnt sich ein Preisvergleich. Achten Sie auf die Öffnungszeiten und die Bedingungen für Abholung und Rückgabe des Fahrrads, auf die Mietdauer, eine mögliche Versicherung und die Haftung, wenn das Leihrad beschädigt oder gestohlen wird.
Mietrad checken
Sie haben ein Recht auf ein verkehrssicheres Rad. Prüfen Sie Bremsen, Schaltung und Beleuchtung Ihres Mietfahrrads und lassen sich bei erkennbaren Mängeln besser ein anderes Fahrrad aushändigen. Lackschäden sollten Sie sich schriftlich bestätigen lassen, um im Streitfall nachweisen zu können, dass Sie diese nicht verursacht haben.
Wenn unterwegs etwas passiert
Tritt ein Mangel – beispielsweise defekte Bremsen – erst unterwegs auf, rufen Sie umgehend den Vermieter an und verlangen Reparatur oder ein Ersatzfahrrad. Für die Zeit, in der Sie das Mietfahrrad nur eingeschränkt nutzen können, müssen Sie keine oder weniger Miete zahlen. Erleiden Sie sogar einen Schaden durch den Mangel am Fahrrad, können Sie Ansprüche gegenüber dem Vermieter geltend machen.
Wer haftet?
Als Mieter eines Fahrrads haften Sie für Schäden, die Sie anderen Verkehrsteilnehmern zufügen. Beschädigen Sie das Mietrad oder wird es gestohlen, haften Sie auch dafür. Das gilt sogar dann, wenn Sie nach dem Ende der Mietzeit ein Rad unsachgemäß abstellen. Ein Vermieter ist verpflichtet, dem Geschädigten Ihren Namen mitzuteilen, damit dieser bei Ihnen Schadenersatz geltend machen kann.
Sind Sie ausreichend versichert?
Checken Sie vor dem Mieten Ihren Versicherungsschutz. Nicht jede Privathaftpflichtversicherung kommt für von Versicherungsnehmern verursachte Schäden am oder durch das gemietete Fahrrad auf. Dies gilt auch für Diebstahl.

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