Wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausspricht ...

In der Corona-Krise warnte das Auswärtige Amt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland. Die meisten Länder hatten ihre Grenzen geschlossen. Nach fast 90 Tagen wird die weltweite Reisewarnung zumindest teilweise wieder aufgehoben und durch länderspezifische Sicherheitshinweise ersetzt (Stand 03.06.). Was das für Urlauber bedeutet und welche Auswirkungen das auf Stornobedingungen haben könnte, wissen die ARAG Experten. Lesen Sie auch, warum es nicht nur zu Corona-Zeiten wichtig ist, die Informationen des Auswärtigen Amtes zu verfolgen.

Reisewarnung, Reisehinweise, Sicherheitshinweise – Was ist das?

Wir können nur empfehlen, die stets aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amtes zu lesen. Dort finden Sie drei Typen von nützlichen Hinweisen.

  • Reisewarnungen beinhalten einen dringenden Appell des Auswärtigen Amts, Reisen in ein Land oder in eine Region eines Landes zu unterlassen. Es kann Gefahr für Leib und Leben durch eine Naturkatastrophe, Epidemie, Krieg oder Terror im ganzen Land oder bestimmten Regionen bestehen. Eine Reisewarnung wird nur selten ausgesprochen. Deutsche, die dort leben, werden gegebenenfalls aufgefordert, das Land zu verlassen.
  • Reisehinweise enthalten allgemeine Infos über Einreisebestimmungen, medizinische Hinweise wie Impfungen und straf- oder zollrechtliche Besonderheiten.
  • Sicherheitshinweise nennen besondere Risken für Reisende und können die Empfehlung enthalten, auf Reisen zu verzichten oder sie einzuschränken.

Übrigens: Kosten für erforderlich werdende Hilfsmaßnahmen durch die Auslandsvertretungen werden Ihnen je nach den Vorschriften des Konsulargesetzes in Rechnung gestellt.

Noch ein Tipp: Bei exotischeren Reisezielen oder notwendigen Reisen in Krisenländer empfehlen wir, sich in die Krisenvorsorgeliste "elefand" des Auswärtigen Amtes einzutragen, damit im Notfall unverzüglich Kontakt zu Ihnen aufgenommen werden kann.

Aktuell: Das wurde am 3.6. entschieden...

Reisehinweis statt Reisewarnung
Die Reisewarnung wird für die 26 EU-Länder aufgehoben. Auch für Großbritannien und die vier Schengen-Staaten Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein gilt keine Reisewarnung mehr. Trotzdem wird davon abgeraten, beispielsweise nach Großbritannien zu reisen, solange es für Einreisende eine 14-tägige Quarantäne-Verpflichtung gibt. Maas betonte in seiner Rede, dass es keine erneute Rückholaktion geben werde.

Statt der Reisewarnung wird es individuelle Reisehinweise geben. Allerdings betont Maas: „Reisehinweise sind keine Reiseeinladungen“ und warnt davor, sich in einer falschen Sicherheit zu wiegen. Im Rahmen der Sicherheitshinweise stimmt die Bundesregierung mit den einzelnen Urlaubsländern ab, wie vor Ort z. B. Infektionsschutz, Abstandsregeln oder Belüftung gehandhabt werden, ob es genügend Behandlungsplätze und Test-Kapazitäten gibt und ob eine sichere Heimkehr der Touristen ins Heimatland gewährleistet werden kann. Diese Hinweise werden tagesaktuell angepasst.

Die ARAG Experten weisen darauf hin, dass es jederzeit zu neuen Maßnahmen kommen kann: Gibt es mehr als 50 Neuinfizierte auf 100.000 Einwohner über sieben Tage, werden laut Außenminister Maas aus den Sicherheitshinweisen wieder Reisewarnungen, die an entsprechende Maßnahmen geknüpft sind.

Hier bleiben Einreiseverbote bestehen
Norwegen wird vermutlich einen Sonderweg gehen und das Einreiseverbot bis zum 20. August aufrechterhalten. Nur Dänen dürfen ab 15. Juni einreisen, geprüft wird dies auch für Deutschland. Für alle anderen EU- und Schengen-Staaten soll es dann eine stufenweise Einreiseerlaubnis geben. Auch mit der Reise nach Spanien müssen sich Urlauber noch etwas gedulden. Hier werden die Grenzen voraussichtlich erst ab 1. Juli öffnen und die Zwangsquarantäne aufgehoben.

Das sind die Konsequenzen für Pauschalreisen
Pauschalurlauber, die ihre Reise vor dem 17. März gebucht haben, als die weltweite Reisewarnung ausgesprochen wurde, können nach Auskunft der ARAG Experten bei einem Reisebeginn bis zum 14. Juni von der Reise zurücktreten, ohne Stornogebühren zahlen zu müssen.

Gibt es allerdings eine individuelle Reisewarnung für die Region, in die die Reise gehen soll, können Pauschalurlauber auch für eine Reise nach dem 14. Juni noch vom Vertrag zurücktreten, ohne dass Kosten entstehen.

Ein kostenloser Rücktritt ist zudem auch nach dem 14. Juni noch möglich, wenn es trotz aufgehobener Reisewarnung eine Einreisesperre ins Urlaubsland gibt oder es am Reiseziel zu erheblichen Beeinträchtigungen kommt, wie beispielsweise einer Ausgangssperre oder Zwangsquarantäne nach Einreise.

Eine Reisepreisminderung ist nach Auskunft der ARAG Experten möglich, wenn vertragliche Bestandteile der Reise, wie etwa ein Ausflug oder eine Besichtigung aufgrund von Corona-Beschränkungen nicht durchgeführt werden können.

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Aktuelle Reisewarnungen

Hier finden Sie alle aktuellen Reisewarnungen des Auswärtigen Amts.

So ist die Rechtslage bei einer weltweiten Reisewarnung für Individualreisende

Wer individuell eine Unterkunft gebucht hat, die nicht mehr erreichbar ist, muss auf die Kulanz der Vermieter hoffen. Denn zumindest für deutsche Unterkünfte gilt normales Mietrecht, bei dem es kein kostenloses Rücktrittsrecht gibt. Trotzdem raten die ARAG Experten zur Nachfrage beim Vermieter. Eine kostenlose Umbuchung, eine günstigere Stornorate oder ein Gutschein können für beide Seiten ein Gewinn sein.

Bei einer individuell gebuchten Unterkunft im Ausland ist die rechtliche Lage schon schwieriger, weil hier deutsches Recht nicht greift. Urlauber sind auf die Kulanz ihrer Vermieter angewiesen. So bot Apartment-Vermittler Airbnb beispielsweise an, alle Buchungen, die am oder vor dem 14. März getätigt wurden und deren Check-in-Datum zwischen dem 14. März und 14. April lag, kostenlos zu stornieren und bereits getätigte Zahlungen vollständig zu erstatten.

Flug oder Bahnreise: Wann kann ich stornieren?

Nur wenn die Airline den Flug wegen höherer Gewalt annulliert, haben Sie einen Anspruch auf Rückerstattung des Ticketpreises. Geht der Flieger dagegen wie geplant, bleiben Sie auf den Kosten sitzen, wenn Sie sich entscheiden, den Flug wegen einer Reisewarnung nicht anzutreten. Unter Umständen zeigt sich die Airline aber auch kulant und ermöglicht eine Umbuchung auf einen anderen Flug.

Auch Individualreisende, die mit der Bahn reisen wollen, haben einen gesetzlich verankerten Anspruch auf Stornierung und Erstattung des Ticketpreises, wenn die Beförderung annulliert wird. Voraussetzung: Durch die Annullierung entsteht eine Verspätung von mehr als einer Stunde am Zielbahnhof.

Wie storniert man die Reise?

Schreiben Sie dem Reiseveranstalter eine Mail oder besser noch einen Brief, indem Sie darlegen, dass Sie aufgrund höherer Gewalt vom Reisevertrag zurücktreten möchten und verlangen Sie den Reisepreis zurück.

Gut zu wissen: Für unsere Kunden haben wir im ARAG Online Rechts-Service bereits drei verschiedene juristisch geprüfte Musterschreiben zur Reiserücktrittserklärung zum Ausfüllen hinterlegt. So wird eine Reisestornierung ganz einfach.

Was ist, wenn man schon unterwegs ist, und eine Reisewarnung kommt?

Wenn Sie als Pauschalreisender Ihre Reise schon angetreten haben und vor Ort von einer Reisewarnung ereilt werden, können Sie vom Reisevertrag wegen höherer Gewalt zurücktreten. Dann verliert der Reiseveranstalter seinen Anspruch auf den vollständigen Reisepreis. Bereits beanspruchte Leistungen müssen Sie in der Regel allerdings trotzdem bezahlen. Fallen für den vorzeitigen Rücktransport zusätzliche Kosten an, müssen Sie meist die Hälfte übernehmen.

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