06.09.2019

Über 400 Prüfsiegel, Testurteile und andere Kennzeichnungsmerkmale gibt es in Deutschland. Gekennzeichnete Produkte versprechen hohe Qualitätsstandards. Doch wie hoch ist der Stellenwert eines Prüfsiegels, wenn es viele unterschiedliche Institute gibt? Dient das Siegel eher den Werbezwecken der Hersteller oder tatsächlich der transparenten Verbraucherinformation?

Neu! Der grüne Knopf

Der „Grüne Knopf“, das neue Siegel für nachhaltig produzierte Kleidung, wurde im September 2019 eingeführt, die Pilotphase endet Mitte 2021. Es ist kein von staatlicher Seite kontrolliertes Produktionssiegel, sondern wird von privaten Prüfunternehmen überwacht. Das Label erhält ein Produkt, wenn es 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhält, z. B. die Zahlung von gesetzlichen Mindestlöhnen, der Verzicht auf gesundheits- und umweltschädliche Chemikalien oder die Möglichkeit der Beschäftigten, sich gewerkschaftlich organisieren zu können. Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie lehnt das Label allerdings ab, weil er der Überzeugung ist, dass ein neues nationales Siegel nichts an den Bedingungen in den Entwicklungsländern ändern werde. Zudem fehlen den Gewerkschaften Kontrollmechanismen und wirksame Sanktionsmittel.

Mehrere kleine Naturtextil-Firmen wollen mitmachen, aber auch große Händler wie etwa Lidl, Kik, Tchibo oder Vaude haben Interesse bekundet oder das Siegel schon bekommen. Der Anfang ist also gemacht, weitere Schritte müssen allerdings folgen.

Das Sechseck für mehr Tierwohl

Ein weiteres neues Label hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eingeführt. Auf weißem Grund des sechseckigen Logos prangt ein schwarzer Stern – „Mehr Tierwohl“ steht darüber. Dieses Label soll Fleisch und Fleischprodukte zieren, bei deren Herstellung es den Tieren – zumindest bis zu ihrer unweigerlichen Schlachtung – besser ging, als dies die gesetzlichen Haltungsbestimmungen vorgeben. Ähnlich wie die Legehennen-Haltung, die in der ersten Kennzahl des Stempels auf dem Ei ausgewiesen wird (0-Bio, 1-Freilandhaltung, 2-Bodenhaltung, 3-Käfighaltung), soll das Tierwohl-Label glückliche Fleischlieferanten ausweisen. So kann der Verbraucher dafür sorgen, dass sein Schnitzel vor dem Verzehr ausreichend Frischluft und Spielmöglichkeit im Stall vorgefunden hat. Dieses Label sagt aber nichts über die Qualität des Tierfutters oder der Fleischprodukte aus, so ARAG Experten.

Gut zu wissen

So unterscheiden sich Kennzeichnungen

Prüfzeichen, Gütezeichen, Test-Label, Eigenmarken, Umwelt- oder Regionalzeichen – unterschiedliche Produkte fordern unterschiedliche Klassifizierungen und alle versprechen bzw. suggerieren Qualität. Wer allerdings auf Nummer sicher gehen möchte, dass sein Fleisch wirklich „bio“ und sein Kindersitz „Bester seiner Klasse“ ist, sollte den Auszeichnungen unabhängiger und bewährter Institute vertrauen. An einem Stiftung-Warentest- oder TÜV-Urteil ist in der Regel nichts auszusetzen.

Bei Unsicherheiten aufgrund unbekannter Auszeichnungen sollte vor dem Erwerb des entsprechenden Produkts besser recherchiert werden. Auch sollte beachtet werden, dass nicht jede Auszeichnung auf ein besonders hochwertiges Produkt hinweist. Beim bekannten Siegel „Geprüfte Sicherheit“ (GS-Zeichen) beispielsweise wird lediglich attestiert, dass das Produkt den Anforderungen des Geräte- und Produktsicherheitgesetzes entspricht. Die Qualität – sprich die Lebensdauer – wird nicht getestet.

Fragen Sie Verbraucherschützer!

Ob „Fairtrade“ bei Kaffee, der „Blaue Engel“ bei Duschgel oder „Spiel-gut-Siegel“ bei Spielwaren – jede Branche hat eigene, aber auch übergreifende Siegel.

Dementsprechend schwierig ist es, den Label-Dschungel zu durchschauen. Handelt es sich nicht um staatlich geprüfte oder als vertrauensvoll eingestufte Kennzeichnungen, können Verbraucherschutz­organisationen häufig Auskunft über die Qualität einer entsprechenden Kennzeichnung geben.

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