19.11.2019

Über 400 Prüfsiegel, Testurteile und andere Kennzeichnungsmerkmale gibt es in Deutschland. Gekennzeichnete Produkte versprechen hohe Qualitätsstandards. Doch wie hoch ist der Stellenwert eines Prüfsiegels, wenn es viele unterschiedliche Institute gibt? Dient das Siegel eher den Werbezwecken der Hersteller oder tatsächlich der transparenten Verbraucherinformation?

Neu! Der grüne Knopf

Der „Grüne Knopf“, das neue Siegel für nachhaltig produzierte Kleidung, wurde im September 2019 eingeführt, die Pilotphase endet Mitte 2021. Es ist kein von staatlicher Seite kontrolliertes Produktionssiegel, sondern wird von privaten Prüfunternehmen überwacht. Das Label erhält ein Produkt, wenn es 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhält, z. B. die Zahlung von gesetzlichen Mindestlöhnen, der Verzicht auf gesundheits- und umweltschädliche Chemikalien oder die Möglichkeit der Beschäftigten, sich gewerkschaftlich organisieren zu können. Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie lehnt das Label allerdings ab, weil er der Überzeugung ist, dass ein neues nationales Siegel nichts an den Bedingungen in den Entwicklungsländern ändern werde. Zudem fehlen den Gewerkschaften Kontrollmechanismen und wirksame Sanktionsmittel.

Mehrere kleine Naturtextil-Firmen wollen mitmachen, aber auch große Händler wie etwa Lidl, Kik, Tchibo oder Vaude haben Interesse bekundet oder das Siegel schon bekommen. Der Anfang ist also gemacht, weitere Schritte müssen allerdings folgen.

Neues Label „Saisonal“

Zugegeben: Erdbeeren schmecken nicht nur im Juni. Und so mancher Verbraucher möchte auf den frischen Spargel zum Weihnachtsbraten nicht verzichten. Somit greift man gerne auf Produkte zurück, die von weither importiert oder mit viel Energieaufwand in Gewächshäusern gezüchtet werden. Dem wirkt ein neues Label entgegen. „Saisonal“ heißt das Zauberwort und kennzeichnet hauptsächlich bei Obst und Gemüse, dass die CO2-Emissionen langer Transportwege wegfallen.

Das Sechseck für mehr Tierwohl

Ein weiteres neues Label hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eingeführt. Auf weißem Grund des sechseckigen Logos prangt ein schwarzer Stern – „Mehr Tierwohl“ steht darüber. Dieses Label soll Fleisch und Fleischprodukte zieren, bei deren Herstellung es den Tieren – zumindest bis zu ihrer unweigerlichen Schlachtung – besser ging, als dies die gesetzlichen Haltungsbestimmungen vorgeben. Ähnlich wie die Legehennen-Haltung, die in der ersten Kennzahl des Stempels auf dem Ei ausgewiesen wird (0-Bio, 1-Freilandhaltung, 2-Bodenhaltung, 3-Käfighaltung), soll das Tierwohl-Label glückliche Fleischlieferanten ausweisen. So kann der Verbraucher dafür sorgen, dass sein Schnitzel vor dem Verzehr ausreichend Frischluft und Spielmöglichkeit im Stall vorgefunden hat. Dieses Label sagt aber nichts über die Qualität des Tierfutters oder der Fleischprodukte aus, so ARAG Experten.

Gut zu wissen

Bio: EU-weit geregelt

Das EU-Bio-Siegel ist eines der bekanntesten, weil am meisten verbreitetsten Labels für Nahrungsmittel. Anbau und Herstellung von Biolebensmitteln sind in der EG-Öko-Basisverordnung geregelt. Durch die zahlreichen gesetzlichen Bestimmungen ist sichergestellt, dass bei der Erzeugung weder chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel noch leicht lösliche mineralische Düngemittel eingesetzt wurden. Außerdem schreibt die Verordnung eine artgerechte Tierhaltung und eine höchstzulässige Anzahl von Tieren pro Hektar vor. Ein Tierwohl-Label ersetzt die Kennzeichnung als Bio-Produkt aber nicht. Bei der Produktion von Eiern schlüpfen nämlich nicht nur Legehennen aus den Eiern, sondern auch männliche Küken. Darum werden Millionen von ihnen sofort nach dem Schlüpfen getötet. Das gilt laut ARAG Experten auch für die Brüder von Bio-Legehennen.

Regional: Vom Bauern aus dem Nachbardorf?

Gut, wenn der Apfel vom nächstgelegenen Bauernhof stammt und das Spanferkel nicht durch halb Europa gefahren wurde, bis es auf dem Teller landet. Kurze Transportwege verheißen weniger Umweltbelastung und mehr Frische. Die Kennzeichnung als regionales Lebensmittel verspricht genau das – hält es aber leider nicht! Es gibt keine gesetzliche Definition dafür, was regional ist. Das legt der Produzent oder der Händler nach eigenem Gutdünken fest. Da kann die in Stuttgart gekaufte regionale Birne auch aus dem Alten Land bei Hamburg kommen und die westfälische Leberwurst aus Sachsen-Anhalt.

Fragen Sie Verbraucherschützer!

Ob „Fairtrade“ bei Kaffee, der „Blaue Engel“ bei Duschgel oder „Spiel-gut-Siegel“ bei Spielwaren – jede Branche hat eigene, aber auch übergreifende Siegel.

Dementsprechend schwierig ist es, den Label-Dschungel zu durchschauen. Handelt es sich nicht um staatlich geprüfte oder als vertrauensvoll eingestufte Kennzeichnungen, können Verbraucherschutz­organisationen häufig Auskunft über die Qualität einer entsprechenden Kennzeichnung geben.

Gemüse: Wie regional ist regional?

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Was ist erlaubt im Supermarkt?

Dürfen Sie eine Verpackung öffnen, um sie auf Vollständigkeit zu überprüfen? Müssen Sie eine heruntergefallene Flasche bezahlen? Antworten auf Fragen wie diese lesen Sie im Rechtsstipp.

Erzeugercode auf Eiern: Was steckt dahinter?

Jedes Ei der Güteklasse A muss einen EU-weit einheitlichen Stempel tragen. Wir verraten Ihnen, was sich dahinter verbirgt.

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