27.04.2016

Unfallrisiko Smartphone

Fast alle kennen die Geschichte vom Hans-Guck-in-die-Luft. Fußgänger, die entzückt den Flug der Schwalben verfolgen, während sie die Fahrbahn überqueren, sind hierzulande selten zu beobachten. Passanten, die gebannt auf ihr Smartphone starren und Nachrichten lesen oder schreiben, während sie gesenkten Hauptes den Verkehr behindern, sind hingegen keine Seltenheit mehr. Sie haben sogar schon einen Namen: Aus den Begriffen „Smartphone“ und „Zombie“ entstand Smombies.
Eine nicht ganz ungefährliche Entwicklung dar, finden nicht nur ARAG Experten. Doch was ist erlaubt, mit dem Handy in der Hand?

Handy im Verkehr

Wer im Auto hinter dem Steuer sitzt, darf keinesfalls während der Fahrt telefonieren! Es sei denn, er nutzt eine Freisprechanlage. Dem Fahrer ist es also nicht erlaubt, ein Handy zu nutzen, wenn er es dafür aufnehmen oder halten muss. Dabei ist es unerheblich, um welche der zahlreichen Funktionen eines modernen Handys oder Smartphones es geht. Für Fehlverhalten brummt der Staat dem Fahrer ein Bußgeld auf: 60 Euro sind bisher der Regelsatz. Ab diesem Betrag gibt es auch mindestens einen Punkt im Verkehrszentralregister. Was eine Handynutzung ist, nimmt der Gesetzgeber sehr streng: Fühlt sich ein Autofahrer beispielsweise vom Handyklingeln genervt, nimmt das Gerät auf und drückt den Anrufer weg, ist das schon eine verbotene Nutzung des Handys.

In einem konkreten Fall sollte der Fahrer 50 Euro Strafe zahlen. Auf die Argumentation des Fahrers, dass ein Wegdrücken des Anrufers gerade das Gegenteil einer Benutzung sei, ließ sich das Gericht nicht ein (OLG Köln, Az.: Az. III-1 RBs 39/12).

Wer eine SMS liest und das Mobiltelefon dazu etwa aus der Mittelkonsole nimmt, handelt ordnungswidrig. Dasselbe gilt für Autofahrer, die das Handy hochnehmen, um einen Blick auf die Uhrzeit im Handydisplay zu werfen. Ebenfalls untersagt: Notizen lesen, die man sich vorher auf seinem Handy gemacht hat (OLG Hamm, Az.: 2 Ss OWi 402/06 und Az. 2 Ss OWi 177/05 und Az. 2 Ss OWi 1005/02).

Mit dem Handy am Ohr ist das Radfahren strikt verboten. Radfahrer, die mit einem Mobiltelefon ohne Freisprecheinrichtung am Lenker erwischt werden, müssen 25 Euro zahlen. Das Musikhören oder Telefonieren per Ohrstöpsel oder Kopfhörer ist hingegen erlaubt, solange der Ton nicht so laut gestellt ist, dass Warnsignale nicht mehr wahrgenommen werden können. Für Verkehrsteilnehmer, die auf Schusters Rappen unterwegs sind, gelten solche Regelungen allerdings nicht.

Fußgänger mit Handy

Fußgänger dürfen ihr Handy selbstredend zu jeder Zeit auf der Straße zücken, telefonieren und SMS lesen und beantworten. Die Straßenverkehrsordnung macht da keine Einschränkungen. Trotzdem gilt auch für Fußgänger am Handy §1 der StVO: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Das gilt selbstverständlich auch für Fußgänger. Weiter heißt es: „Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“ Streng genommen kann man dieser Grundregel entnehmen, dass schon ordnungswidrig handelt, wer andere Verkehrsteilnehmer behindert, weil er mit dem Smartphone beschäftigt ist. Auch Fußgänger können daher mit einer Verwarnung von fünf bis zehn Euro belegt werden, wenn sie ihre Sorgfaltspflicht verletzen. Doch dazu kommt es derzeit noch eher selten. Solche teilweise selbstvergessenen bis rücksichtslosen Verkehrsteilnehmer heißen übrigens jugendsprachlich „Smombies“. Dieser Zusammenschluss der Wörter „Smartphone“ und „Zombies“ wurde 2015 im Auftrag des Langenscheidt-Verlags von einer Jury zum so genannten „Jugendwort des Jahres“ in Deutschland gewählt. Mit „Smombies“ sind also Menschen gemeint, die durch den ständigen Blick auf ihr Smartphone so stark abgelenkt sind, dass sie ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen. Im Straßenverkehr ist das ein durchaus gefährlicher Umstand.

Besonders gefährdete „Smombies“ sind laut einer Studie junge Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren. Ihnen scheint nicht bewusst zu sein, dass ihre Beschäftigung mit dem Smartphone für sie ein 16-mal höheres Unfallrisiko bedeutet, wie Forscher errechneten. Wie das ausgehen kann, ist inzwischen leider immer öfter aus Unfallberichten zu erfahren: Da kommen – vielfach junge – Menschen zu Tode oder werden verletzt, weil sie statt auf den Verkehr auf ihr Smartphone geachtet haben. Und wer mit dem Smartphone vor Augen einen Unfall verursacht, handelt unter Umständen fahrlässig und gefährdet so auch seinen Versicherungsschutz, geben ARAG Experten zu bedenken.

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