Das Sorgerecht ist in den §§ 1626 ff. BGB geregelt und spielt vor allem bei Scheidungen eine wichtige Rolle. Sorgerecht bedeutet, dass die Eltern die Pflicht und das Recht haben, sich um das minderjährige Kind zu kümmern. Außerdem hat das Kind ein Recht auf Schutz und Hilfe, damit es sich entwickeln kann. Der Umfang der elterlichen Sorge ist deshalb ebenfalls im Gesetz geregelt.

Arten von Sorgerecht

Das Sorgerecht besteht aus drei Teilen, der Personensorge, der Vermögenssorge und der gesetzlichen Vertretung. Die Personensorge garantiert, dass das Kind gewaltfrei und behütet aufwächst. Die Vermögenssorge umfasst die Vertretung der finanziellen Interessen. Die gesetzliche Vertretung betrifft Rechtsgeschäfte und Entscheidungen, wie z.B. die medizinische Versorgung. Den elterlichen Rechten sind aber auch Grenzen gesetzt: Ein Kind kann eigene Interessen notfalls vor Gericht durchsetzen.

Geteiltes oder Gemeinsames Sorgerecht

Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen dem gemeinsamen und dem alleinigen Sorgerecht. Miteinander verheiratete Eltern haben grundsätzlich das gemeinsame Sorgerecht für ihr Kind. Auch nach einer Trennung oder Scheidung der Eltern bleibt es nach dem Willen des Gesetzgebers im Regelfall beim gemeinsamen Sorgerecht.

Umgangssprachlich ist auch vom geteilten Sorgerecht die Rede, wenn die Eltern getrennt sind, sich aber das Sorgerecht teilen. Faktisch handelt es sich aber um gemeinsames Sorgerecht.

Alleiniges Sorgerecht

In folgenden Fällen kann ein Elternteil allein sorgeberechtigt sein:

  • Tod des anderen Elternteils
  • Kein Interesse des anderen Elternteils am Kind
  • Gemeinsames Sorgerecht ist schädlich für das Kindeswohl
  • Der andere Elternteil ist unbekannt oder
  • unfähig, das Sorgerecht und die Pflichten wahrzunehmen.

Persönliche Auseinandersetzungen zwischen den Elternteilen genügen zunächst nicht als Grund für das alleinige Sorgerecht.

Umgangsrecht

Mit Umgangsrecht ist das Recht eines Elternteils gemeint, Kontakt mit dem Kind zu pflegen. Allerdings ist das es nicht nur Recht, sondern auch die Pflicht zum Umgang, denn es gilt beidseitig. So hat auch das Kind das Recht, eine Beziehung zu dem Elternteil zu haben. Wie das Umgangsrecht aussehen soll, muss individuell vereinbart werden. Eine gesetzliche Formulierung dafür gibt es nicht.

Das Umgangsrecht entspricht allerdings nicht dem Sorgerecht. Auch beinhaltet es nicht das Recht, Entscheidungen für das Kind zu fällen.

Aufenthalts­bestimmungsrecht

Das Aufenthaltsbestimmungsrecht ist das Recht, zu bestimmen, wo sich das Kind aufhält. Das Aufenthalts­bestimmungs­recht kann nach der Trennung auf beide Eltern oder nur auf einen Elternteil übertragen werden. Auch bei gemeinsamem Sorgerecht darf der Elternteil, der das Aufenthaltsbestimmungsrecht hat, allein über den Wohnort des Kindes entscheiden. Das wirkt sich vor allem bei einem Umzug aus oder bei einem Aufenthalt im Krankenhaus.

 

Sorgerecht bei Unverheirateten

Bei unverheirateten Paaren ist das gemeinsame Sorgerecht nicht so selbstverständlich wie bei Eheleuten. Für das gemeinsame Sorgerecht müssen die Eltern bei einem Notar oder dem Jugendamt eine sogenannte Sorgeerklärung abgeben. Das entspricht der Erklärung, dass sie das gemeinsame Sorgerecht wünschen und ist auch möglich, wenn das Kind noch nicht geboren ist. Auch wenn die Eltern nach der Geburt des Kindes heiraten, entsteht ein gemeinsames Sorgerecht für das Kind. Eine weitere Möglichkeit besteht über das Familiengericht. Dieser Weg betrifft vor allem Väter, die vor dem Gericht die elterliche Mitsorge beantragen. Die Voraussetzung für das gemeinsame Sorgerecht ist, dass es sich um das leibliche Kind handelt. Das Einverständnis der Mutter ist nicht zwingend erforderlich. Entscheidend ist, dass das gemeinsame Sorgerecht dem Wohl des Kindes entspricht.

Sorgerechtsfälle aus dem Leben

Auseinandersetzungen rund um das Sorgerecht sind häufig und für alle Beteiligten eine große Belastung. Die Geschiedenen sind gezwungen, mit einem Menschen Einigungen zu erzielen, mit dem sie meist keinen Kontakt mehr wünschen. Besonders problematisch werden die Streitigkeiten, wenn die Kinder hineingezogen werden. Für einen fairen Umgang miteinander können die Eltern einen Mediator einschalten. Auch Kurse sind möglich, in denen die Eltern sich mit Vertrauensübungen und Gesprächen auf die neue Herausforderung vorbereiten.

Sorgerecht beantragen

Wer das alleinige Sorgerecht für sich beantragen will, muss sich an das Familiengericht wenden und ein Sorgerechtsverfahren in die Wege leiten. Seit einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2013 haben Väter das Recht, das gemeinsame Sorgerecht zu beantragen, auch wenn die Mutter dem nicht zugestimmt hat. Bis dahin war das Einverständnis der Mutter zwingend notwendig.

Sorgerecht einklagen

Ist das Kindeswohl beim sorgeberechtigten Elternteil gefährdet, ist die Chance groß, dass der Richter das Sorgerecht auf den anderen Elternteil überträgt. Beantragt ein Elternteil das Sorgerecht, der es zuvor nicht hatte, ohne das Sorgerecht des anderen infrage zu stellen und steht dabei das Kindeswohl im Vordergrund, sind die Aussichten ebenfalls gut. Die Klage wird vor dem zuständigen Familiengericht verhandelt.

Sorgerecht abgeben

Wer das Sorgerecht abgibt, verliert das Recht, über das Kind mitzubestimmen. Trotzdem kann es gute Gründe dafür geben, z. B. weil sich der Betroffene nicht in der Lage sieht, Entscheidungen zu fällen. Ein vernünftiger Grund ist aber auch lange Abwesenheit, z.B. im Ausland bei schlechter Erreichbarkeit. Um das Sorgerecht abzugeben, ist ein Antrag mit Angabe des Grundes beim Familiengericht nötig. Die Unterhaltspflichten ändern sich dadurch nicht.

Sorgerecht übertragen

Das Sorgerecht kann auch übertragen werden. Ein möglicher Grund ist, dass ein Elternteil nicht mehr in der Lage ist, die elterliche Sorge auszuüben. Zuständig ist das Familiengericht, das das Sorgerecht auf Antrag übertragen kann. Eine Übertragung des Sorgerechts ist nur möglich, wenn die Eltern dauerhaft getrennt leben.

Sorgerecht entziehen

Das Sorgerecht kann entzogen werden, wenn das Kindeswohl gefährdet ist. Das ist bei Gewalt in der Familie der Fall oder bei Drogen- oder Alkoholsucht. Weitere Gründe sind:

  • Gefährliches Lebensumfeld (Milieu)
  • Straftaten
  • Verletzung der elterlichen Sorgfaltspflicht
  • Behinderung des anderen Elternteils bei der Wahrnehmung des Sorgerechts

Sorgerecht für den Vater: Was das Gesetz vorsieht

Väter haben heute weitaus mehr Rechte als früher. Um Diskriminierung zu vermeiden, können auch Väter das Sorgerecht erhalten, die mit der Mutter keine Beziehung (mehr) führen. Daran sind aber nicht nur Rechte gebunden, sondern auch Pflichten, wie die Fürsorge und Einflussnahme auf die Erziehung. Väter können deshalb auch gegen den Willen der Mutter vor Gericht das Sorgerecht beantragen.

Sorgerecht und Unterhaltspflicht

Unterhaltspflichtig sind die Eltern eines Kindes, ebenso wie auch die Adoptiveltern. Als Berechnungsgrundlage gilt die Düsseldorfer Tabelle. Sie berücksichtigt das Alter der Kinder und das Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils. Das Sorgerecht ist davon nicht berührt. Die Unterhaltspflicht ist an keine Rechte gebunden. Wer also für den Unterhalt zahlt, kann daraus keine Rechte auf Einflussnahme auf das Kind ableiten.

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