Es ist beeindruckend, mit welchem Einsatz sich tausende von Freiwilligen als Flüchtlingshelfer engagieren – und jedem von ihnen gebührt die höchste Anerkennung. Viele packen in zahlreichen bestehenden Organisationen und Initiativen mit an. Andere versuchen es mit eigenen Ideen. Ideen, die sie auf die Beine stellen, um Menschen auf ihrem neuen Lebensweg hilfreich zu begleiten.

Cucula – eine besondere Möbelwerkstatt

Cucula – eine besondere Möbelwerkstatt

Wer nach Deutschland flüchtet, weiß oft nicht, ob er hierzulande bleiben darf. Eine Zeit voller Ungewissheit. Die Flüchtlingshelfer vom Verein Cucula bemühen sich darum, diese Zeit mit etwas Sinnvollem zu füllen.

Die Flüchtlingshelfer von Cucula

Sebastian Däschle, Corinna Sy, Barbara Myer und Jessy Medernach arbeiten für das Kulturhaus Schlesische27 in Berlin. Anfangs hatten die Flüchtlingshelfer die simple Idee, Möbel mit und für bedürftigen Menschen zu bauen. Daraus ist Cucula entstanden – eine Werkstatt, in der Flüchtlinge nicht nur an Möbeln, sondern vor allem auch an neuen Perspektiven werkeln.

Einsatz mit einer anderen Entlohnung

Cucula unterstützt in erster Linie Flüchtlinge, die keine Arbeitserlaubnis haben und nicht wissen, ob sie in Deutschland bleiben dürfen. Da es ihnen nicht gestattet ist, Gehalt zu beziehen, werkelt das Team auf Basis von Ausbildungs-Praktikums-Verträgen. Für ihr Engagement erhalten die Menschen Lebensunterhaltungs-Spenden.

Zudem helfen ihnen die Flüchtlingshelfer dabei, Deutsch zu lernen oder begleiten sie bei notwendigen Behördengängen. Entscheidend ist das wichtige Gefühl, gebraucht zu werden und etwas Produktives zu leisten.

Die Flüchtlingshelfer von Cucula
Schreinerarbeiten bei Cucula

Echte Designermöbel

Die Stühle, Tische und Regale, die die Flüchtlinge bei Cucula herstellen, basieren auf dem Konzept des italienischen Designers Enzo Mari. Der Flüchtlingshelfer erlaubte Cucula die Rechte für seine Ideen zu nutzen und weiterzudenken. Und das tun die engagierten Handwerker mit vollem Einsatz. So zimmerten sie zum Beispiel Möbel aus Holz, das von Flüchtlingsbooten stammt oder stellten Bühnen-Requisiten für die Berliner Philharmonie her. Den Erlös nutzen die Flüchtlingshelfer unter anderem für berufsvorbereitende Kurse oder die Finanzierung von Ausbildungsplätzen im Verein.

Stuhl von Cucula
Stühle von Cucula

Flüchtlingshelfer bei Cucula werden

Die Möbelwerkstatt freut sich über jede Unterstützung. Neben Spenden suchen die Flüchtlingshelfer auch Vereinsmitglieder, die sich aktiv engagieren:

Kiron University – die Hochschule für Flüchtlinge

Kiron University – die Hochschule für Flüchtlinge

Eines der entscheidenden Dinge für geflüchtete Menschen: Perspektiven. Und gerade junge Leute sehen diese in einer Universität. Viele haben ein Studium in ihrer Heimat begonnen und möchten es hierzulande fortführen. Andere stehen erst am Anfang und beabsichtigen, ihre Hochschullaufbahn in Deutschland zu starten. Doch es gilt jede Menge Unterlagen vorzuweisen. Nachweise, Beglaubigungen, Zeugnisse. Dokumente, die viele Menschen aufgrund ihrer Flucht zurücklassen mussten. Flüchtlingshelfer Markus Keßler greift diesen Menschen unter die Arme – mithilfe seiner jüngst gegründeten Kiron University.

Unbürokratischer Zugang zur Universität

Die Kiron University ist eine Hochschule, die sich ausschließlich an Flüchtlinge richtet. Studiengebühren? Fehlanzeige. Beglaubigungen oder Zeugnisse? Nicht nötig. Die Interessenten haben die Möglichkeit, die üblichen Nachweise erst später einzubringen. Lediglich eine Bestätigung ihres Flüchtlingsstatus oder ein Asylantrag setzen die Flüchtlingshelfer voraus. Dann geht es los. Zur Auswahl stehen Betriebswirtschaft, Informatik, Ingenieurwesen, Architektur und Interkulturelle Studien.

Anerkannte Abschlüsse dank Partner-System

Damit die Kiron-Studenten anerkannte Abschlüsse erzielen, setzen die Flüchtlingshelfer auf ein ausgeklügeltes Partner-Uni-System. Zunächst besuchen die Hochschüler Online-Kurse in englischer Sprache – sogenannte Massive Online Open Courses. Diese bieten englischsprachige Partner-Hochschulen an. Nach zwei Jahren wechseln die Studierenden für zwei Semester an eine der zahlreichen deutschen Partner-Universitäten.

Dort bekommen sie die Möglichkeit, einen anerkannten Abschluss abzulegen. Zu diesen Hochschulen zählen unter anderem die RWTH Aachen oder die Universität Heilbronn. Doch die Flüchtlingshelfer sind bereits mit zahlreichen weiteren Hochschulen im Gespräch.

Flüchtlingshelfer Markus Keßler

Markus Keßler ist 25 Jahre alt und selbst Student. Die Idee der Kiron Universität entwickelte er gemeinsam mit seinem Kommilitonen Vincent Zimmer. Mit ihrer Crowdfunding Kampagne haben die Flüchtlingshelfer über 218.000 Euro gesammelt. Sie verzeichnen mehr als 15.000 Anmeldungen an ihrer Uni und starteten das erste Semester am 13. Oktober 2015.

Flüchtlingshelfer Markus Keßler

Machen Sie mit!

Auch Sie können die Flüchtlingshelfer der Kiron University unterstützen. Die Hochschule benötigt Spenden, um ihr Konzept erfolgreich zu etablieren. Doch Sie haben auch die Möglichkeit, sofort tätig zu werden. Wie? Durch einen Like der Kiron Facebook-Seite. Oder indem Sie anderen von dem ambitionierten Projekt erzählen: Ihrer lokalen Zeitung, auf Ihrem Blog oder in den Bildungs-Einrichtungen in Ihrer Gegend. Helfen Sie mit und greifen Sie den Flüchtlingshelfern unter die Arme:

Workeer – Jobbörse für Geflüchtete

Workeer – Jobbörse für Geflüchtete

Zwei Studenten – eine wegweisende Idee! David Jacob und Phillip Kühn standen vor einer wichtigen Frage: Welches Thema eignet sich für ihre Bachelor-Abschlussarbeit? Etwas Sinnvolles sollte es sein. Etwas für Menschen. Beide interessieren sich für Politik und beobachten die Flüchtlingssituation mit großer Aufmerksamkeit. Die beiden Flüchtlingshelfer beleuchteten die Thematik und beschlossen am Ende, im Bereich der Arbeitsvermittlung anzusetzen.

„In einem ersten Schritt recherchierten wir ausführlich, um zu erfahren wie die verschiedenen Beteiligten die aktuelle Situation wahrnehmen“, so Jacob und Kühn auf ihrer Website. „Von Interesse war für uns zusätzlich welche Probleme und Lösungspotenziale sie sehen. Wir sprachen mit engagierten Initiativen und besuchten Unterkünfte für Geflüchtete. Wir tauschten uns mit Organisationen und Behörden aus und kamen direkt mit Geflüchteten ins Gespräch.“ Nach dieser intensiven Vorarbeit haben die Flüchtlingshelfer das Thema für ihr Abschlussprojekt gefunden – und Workeer war geboren.

Die erste Jobbörse für Flüchtlinge

Es gibt unzählige Jobbörsen im Internet. Workeer.de ist die erste, die sich gezielt an Flüchtlinge richtet. Seit dem 27. Juni 2015 haben dort sowohl Suchende als auch Arbeitgeber die Möglichkeit, sich anzumelden und in Verbindung zu treten. Dabei erstellen beide Seiten ihr eigenes Profil und machen sich anhand zahlreicher Filterfunktionen auf die Suche.

Kosten entstehen weder für die Bewerber noch für die Flüchtlingshelfer auf Unternehmens-Seite. Jacob und Kühn stellen mit ihrer Plattform den Kontakt zwischen Flüchtlingen und Firmen her.

Ob das Arbeitsverhältnis zu Stande kommt und wie es sich gestaltet, das klären Arbeitgeber und Bewerber unabhängig von Workeer.

Mit der Idee treffen die zwei ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer den Nerv der Zeit: Denn während zu Beginn der Initiative eine Handvoll Angebote zu finden waren, verzeichnet die Seite aktuell mehr als 1.200 Arbeitgeber sowie über 1.000 Bewerber. Dabei bringen die beiden Berliner die verschiedensten Menschen zusammen. Vom Mechatroniker über den IT-Experten bis hin zum Frisör. Von der Autowerkstatt über Hotels bis hin zum Reinigungsservice.

Was hinter dem Namen steckt

Mit Workeer heißen die beiden Flüchtlingshelfer Menschen aus Krisengebieten willkommen und eröffnen ihnen die Tür zu einem der wichtigsten Bereiche im Leben: der Arbeitswelt. Somit setzt sich der Name Workeer aus den beiden englischen Wörtern „Worker“ und „refugee“ zusammen. Zudem transportiert er noch eine weitere Bedeutung. Denn ausgesprochen ähnelt der Name dem Ausdruck „work here“.

Worker + refugee = Wokeer

Portal der unzähligen Möglichkeiten

Bei Workeer geht es nicht allein um Festanstellungen. Flüchtlinge, die ein Praktikum, Minijob oder eine Ausbildung suchen, sind ebenfalls gefragt. Die Flüchtlingshelfer aus Berlin grenzen niemanden aus. Auch der Status des Aufenthalts oder andere Bedingungen bilden keine Ausschlusskriterien auf Workeer. Arbeitsrechtliche Dinge gilt es für Arbeitgeber und Bewerber eigenständig in Angriff zu nehmen.

Hier geht es auch darum, dass Firmen als Flüchtlingshelfer aktiv werden. Ein erster Kontakt über das Portal Workeer sorgt dabei für ordentlichen Antrieb. Denn kommen Unternehmen mit einem geeigneten Bewerber persönlich in Kontakt, erkennen sie ihn möglicherweise eher als Bereicherung an, für die es sich zu kämpfen lohnt. Vor allem bei der Überwindung bürokratischer Hürden.

Wichtig für Arbeitgeber: Arbeitserlaubnis

Ist es Flüchtlingen ohne weiteres erlaubt, in Deutschland eine Arbeit aufzunehmen? Nicht direkt. Laut § 61 des Asylverfahrengesetzes unterliegen Asylsuchende in den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts einem Arbeitsverbot. Danach gilt es, eine Arbeitserlaubnis bei der Ausländerbehörde zu beantragen. Diese ist sowohl für ein Praktikum oder eine betriebliche Ausbildung als auch für jede Arbeitsstelle erforderlich.

Wichtig für Arbeitgeber

Die Vorrangsprüfung

Beim Antrag führen die Behörden eine Vorrangsprüfung durch. Dabei ermitteln sie, ob nicht ein bevorrechtigter Arbeitnehmer für diese Stelle auffindbar ist. Zu dieser Personengruppe zählen Deutsche, EU-Bürger sowie Ausländer mit vorhandener Arbeitserlaubnis.

Wichtiger Hinweis für Flüchtlingshelfer: Halten sich die Menschen seit 15 Monaten ohne Unterbrechung erlaubt, geduldet oder mit einer Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland auf, entfällt die Prüfung. Zudem gibt es Berufsgruppen, die keine Vorrangsprüfung erfordern.

Hierzu zählen vor allem Fach- und Spezialkräfte. Eine aktuelle Auflistung dieser Berufsgruppen finden Sie unter dem folgenden Link:

Workeer Stellensuche
Personenansicht auf dem Jobportal

Workeer in der Entwicklung

Jacob und Kühn betonen, dass es sich beim aktuellen Stand ihrer Seite um eine Beta-Version handelt. Das bedeutet, dass noch viele Baustellen bestehen. So ist das Portal bislang nur in Deutscher Sprache aufrufbar. Doch die beiden Flüchtlingshelfer arbeiten daran und sind mit verschiedenen Übersetzungsbüros im Gespräch. Nichtdestotrotz findet Workeer immensen Zulauf. Vieles soll sich verbessern und bald ist eine fertige Version der Website geplant. Wichtig für die zwei Flüchtlingshelfer war in erster Linie, ein Zeichen zu setzen und eine Entwicklung anzustoßen.

Die Flüchtlingshelfer von Workeer unterstützen

Auch Sie haben Möglichkeiten, als Flüchtlingshelfer die Ärmel hoch zu krempeln. Zum Beispiel indem Sie mit Ihrem Vorgesetzten über die Registrierung Ihres Unternehmens bei Workeer sprechen. Oder sie wenden sich per Mail an die beiden Flüchtlingshelfer Jacob und Kühn. Die Berliner sind über jede Unterstützung dankbar:

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