23.07.2009

Schwerbehindertenausweis

Fast 7 Mio. Menschen sind in Deutschland derzeit als schwerbehindert anerkannt – und noch deutlich mehr könnten einen Antrag auf eine offizielle Anerkennung ihrer Handicaps stellen. Aber immer noch scheuen sich viele Arbeitnehmer, einen Antrag auf Anerkennung als Schwerbehinderter zu stellen. Vielleicht befürchten sie Repressalien durch den Arbeitgeber oder in Krisenzeiten gar den Rauswurf. Dabei kann der Schwerbehindertenausweis auch Vorteile bringen; welche das sind, sagen die ARAG Experten.

Kündigungsschutz

Schwerbehinderte genießen einen besonderen Kündigungsschutz. Dieser besondere Schutz gilt laut ARAG Experten, wenn der Betroffenen seinen Arbeitgeber binnen drei Wochen nach Erhalt des Kündigungsschreibens über die Schwerbehinderung informiert (BAG, Az.: 2 AZR 539/05). Bevor ein Arbeitgeber einen Schwerbehinderten entlassen darf, muss er die Zustimmung des Integrationsamtes einholen. Eine Kündigung kann zum Beispiel abgewendet werden, indem das Amt eine behindertengerechte Anpassung des Arbeitsplatzes oder eine Arbeitsassistenz finanziert. Darüber hinaus beträgt für schwerbehinderte die Kündigungsfrist mindestens 4 Wochen.

Urlaub

Außerdem steht dem Inhaber eines Schwerbehindertenausweises mehr Urlaub zu, als den übrigen Mitarbeitern eines Betriebes. In der Regel beläuft sich der zusätzliche Urlaubsanspruch auf eine Woche im Jahr, also 5 Arbeitstage.

Schwerbehindertenrente

Arbeitnehmer mit anerkannter Behinderung die vor 1952 geboren sind, können 2 Jahre früher, also schon mit 63 Jahren ein abschlagsfreies vorgezogenes Altersruhegeld erhalten. Ohne Schwerbehindertenausweis geht das erst mit 65 oder je nach Geburtsjahr erst mit 67. Mit Abschlägen gibt es die Schwerbehindertenrente sogar schon ab 60. Voraussetzung dafür ist laut ARAG allerdings, dass die Betroffenen 35 Versicherungsjahre vorweisen können.

Den Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis stellt man beim Versorgungsamt. Der Arbeitgeber wird über die Antragstellung nicht informiert; auch davon, dass ein Arbeitnehmer offiziell als schwerbehindert anerkannt wird, erfährt er nichts. Wer sich also scheut, seine Schwerbehinderung zu offenbaren, muss dem Arbeitgeber nichts mitteilen. Dann hat er allerdings laut ARAG Experten auch keinen Anspruch auf die oben genannten Vergünstigungen im Betrieb.

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