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Selbstverteidigung & Notwehr: Welche Mittel sind legal?

Bei einem Überfall oder Einbruch ist Notwehr eine natürliche Reaktion. Was Sie aus rechtlicher Sicht dazu wissen müssen.

Auf den Punkt

  • In Deutschland haben Sie das Recht, sich selbst oder andere bei einem Angriff auf fast alle Rechtsgüter (Leben, Freiheit, Eigentum oder Ehre) zu verteidigen.
  • Damit Notwehr gerechtfertigt ist, muss sie als erforderliche Abwehr eines gegenwärtigen und rechtswidrigen Angriffs dienen.
  • Die Verteidigung muss erforderlich und geboten sein. Stehen mehrere gleich wirksame Mittel zur Verfügung, müssen Sie das mildeste wählen.
  • Ist ein Angriff beendet, besteht keine Notwehrlage mehr. Weitere Gewalt kann dann strafbar sein. Auch bei einem flüchtenden Täter kommt es darauf an, ob der Angriff tatsächlich schon abgeschlossen ist.
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Notwehrrecht in Deutschland: Habe ich ein Recht auf Selbstverteidigung?

Nach § 32 StGB (Notwehrparagraf) und § 227 BGB dürfen Sie sich gegen einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff, gegen sich oder andere, verteidigen. Voraussetzung ist, dass Ihre Verteidigung erforderlich und geboten ist. Aber was bedeutet das genau?

Der Angriff muss gegenwärtig sein

Gegenwärtig ist ein Angriff, wenn er unmittelbar bevorsteht, gerade stattfindet oder noch andauert. Sie müssen also nicht warten, bis Sie bereits verletzt wurden. Setzt jemand unmittelbar zu einem Schlag an, kann die Notwehrlage schon begonnen haben.

Eine bloße Befürchtung reicht dagegen nicht. Rechnen Sie lediglich damit, dass eine Person möglicherweise später angreifen könnte, dürfen Sie sich nicht vorsorglich auf Notwehr berufen.

Der Angriff muss rechtswidrig sein

Rechtswidrig ist ein Angriff, wenn Sie ihn nicht hinnehmen müssen. Notwehr kann sich gegen Angriffe auf unterschiedliche Rechtsgüter richten. Dazu zählen beispielsweise Leben, körperliche Unversehrtheit, Freiheit, Eigentum und Ehre.

Nicht jede Beeinträchtigung begründet deshalb automatisch ein Notwehrrecht. Entscheidend ist, ob tatsächlich ein rechtswidriger Angriff vorliegt.

Die Verteidigung muss erforderlich sein

Eine Verteidigung ist erforderlich, wenn sie geeignet ist, den Angriff zu beenden, und Ihnen kein milderes gleich wirksames Mittel zur Verfügung steht.

Sie müssen sich also nicht für eine weniger einschneidende Abwehr entscheiden, wenn diese den Angriff voraussichtlich nicht ebenso sicher beendet. Haben Sie dagegen mehrere gleich geeignete Möglichkeiten, müssen Sie diejenige wählen, die den Angreifer voraussichtlich weniger beeinträchtigt.

Welche Reaktion erforderlich ist, lässt sich nicht pauschal bestimmen. Kräfteverhältnisse, Anzahl der Angreifer, Intensität des Angriffs und die verfügbaren Abwehrmöglichkeiten können dabei eine Rolle spielen.

Die Verteidigung muss geboten sein

Auch eine erforderliche Verteidigung kann in besonderen Situationen rechtlich eingeschränkt sein. Juristen sprechen dann von fehlender Gebotenheit.

Das kann beispielsweise bei einem unerträglichen Missverhältnis zwischen einem geringfügigen Angriff und einer besonders schweren Abwehrhandlung eine Rolle spielen. Einschränkungen kommen außerdem unter bestimmten Voraussetzungen bei Angriffen erkennbar schuldlos handelnder Personen oder bei einer vom Verteidiger selbst provozierten Notwehrlage infrage.

Ob eine Verteidigung geboten war, wird immer anhand der konkreten Situation beurteilt.

Notwehr bedeutet nicht: Angriff und Verteidigung müssen gleich stark sein

Für die Notwehr gilt keine allgemeine Regel nach dem Muster „Faust gegen Faust“ oder „leichter Angriff nur gegen leichte Abwehr“. Entscheidend ist, welches Mittel in der konkreten Situation erforderlich ist, um den Angriff sicher zu beenden.

Wie weit darf man bei Selbstverteidigung gehen?

Notwehr soll den laufenden Angriff stoppen. Ihre Verteidigung darf deshalb grundsätzlich so weit gehen, wie es zur sicheren Abwehr erforderlich ist.

Das kann auch bedeuten, dass die Folgen für den Angreifer schwerer ausfallen als der Schaden, der Ihnen bis zu diesem Zeitpunkt entstanden ist. Entscheidend ist nicht der nachträgliche Vergleich zweier Verletzungen, sondern die Situation im Moment der Verteidigung.

Ein gefährlicheres Mittel darf allerdings nicht eingesetzt werden, wenn Ihnen ein milderes Mittel zur Verfügung steht, das den Angriff ebenso zuverlässig beendet.

Auch beim Einsatz eines Messers, Elektroschockers, Pfeffersprays oder einer anderen Waffe gelten diese Grundsätze. Dass Sie einen Gegenstand legal besitzen oder mitführen dürfen, bedeutet nicht automatisch, dass sein Einsatz gegen einen Menschen gerechtfertigt ist.

Muss ich vor einem Angriff fliehen?

Grundsätzlich müssen Sie einem rechtswidrigen Angriff nicht durch Flucht ausweichen, wenn Sie sich wirksam verteidigen können. Auch ein vorheriger Versuch, den Angreifer durch Gespräche zu beruhigen, gehört nicht generell zu den Voraussetzungen der Notwehr.

Ausnahmen sind möglich. Haben Sie die gefährliche Situation beispielsweise selbst in vorwerfbarer Weise provoziert, kann Ihr Notwehrrecht eingeschränkt sein. Dann kann von Ihnen verlangt werden, zunächst auszuweichen oder weniger gefährliche Möglichkeiten der Verteidigung auszuschöpfen.

Unabhängig von der Rechtslage kann es für die eigene Sicherheit sinnvoll sein, eine Auseinandersetzung zu vermeiden, Abstand zu gewinnen oder Hilfe zu holen. Rechtliche Pflicht und persönliche Gefahrenvermeidung sind jedoch nicht dasselbe.

Was passiert, wenn ich einen Angriff nur irrtümlich annehme?

Wenn Sie irrtümlich davon ausgehen, angegriffen zu werden, obwohl tatsächlich keine Notwehrlage besteht, spricht man von Putativnotwehr. Beispiel: Eine Person greift in ihre Jackentasche und Sie glauben, sie wolle eine Waffe ziehen. Tatsächlich wollte sie nur ihr Handy herausholen.

Da kein Angriff vorlag, ist die Handlung nicht durch Notwehr nach § 32 StGB gerechtfertigt. Wer sich einen Angriff jedoch irrtümlich vorstellt, befindet sich in einem sogenannten Erlaubnistatbestandsirrtum. Eine Strafbarkeit wegen einer vorsätzlichen Tat scheidet dann in der Regel aus. Je nach Umständen kann aber eine fahrlässige Straftat vorliegen.

Wann endet das Recht auf Notwehr?

Notwehr setzt einen gegenwärtigen Angriff voraus. Sobald dieser beendet ist, dürfen Sie Gewalt nicht als nachträgliche Bestrafung oder Vergeltung fortsetzen.

Lässt ein Angreifer endgültig von Ihnen ab und geht von ihm kein weiterer Angriff mehr aus, entfällt deshalb grundsätzlich die Notwehrlage.

Bei einer Flucht ist die Lage allerdings nicht immer so eindeutig. Flieht beispielsweise ein Dieb mit dem gerade weggenommenen Eigentum, kann der Angriff auf das Eigentum noch andauern. Erst wenn der Angriff tatsächlich abgeschlossen ist, fällt auch diese Grundlage für eine Verteidigung weg.

Ein Urteil des Bundesgerichtshofs zeigt den Unterschied: In einem Fall durfte das Tatgericht eine Notwehrlage annehmen, solange ein Angreifer noch eine weggenommene Geldtasche bei sich hatte. Nachdem er Geld und Tasche fallen gelassen hatte, war der Angriff beendet. Weitere Gewalthandlungen konnten danach nicht mehr mit Notwehr gerechtfertigt werden.

Wichtig bleibt: Dass eine Notwehrlage noch besteht, beantwortet noch nicht die Frage, welches Verteidigungsmittel erforderlich und geboten ist.

Wenn aus einer Situation ein Rechtsstreit wird

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Was ist Nothilfe?

Verteidigen Sie nicht sich selbst, sondern eine andere Person gegen einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff, spricht man von Nothilfe. Sie ist in § 32 StGB ausdrücklich von der Notwehr erfasst.

Für die Nothilfe gelten dieselben Grenzen: Die Verteidigung muss erforderlich und geboten sein. Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie sich in jeder Gefahrensituation selbst körperlich einmischen müssen. Davon zu unterscheiden ist die unterlassene Hilfeleistung nach § 323c StGB. Danach müssen Sie bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not Hilfe leisten, wenn dies erforderlich und für Sie zumutbar ist. Sie müssen sich dabei insbesondere nicht selbst in erhebliche Gefahr bringen.

Je nach Situation kann es deshalb ausreichen, den Notruf zu wählen, andere Personen gezielt um Unterstützung zu bitten oder Rettungskräfte zu verständigen.

Notwehrrecht und Grenzüberschreitung

Sobald Sie die Grenzen der Notwehr überschreiten, also Ihre Verteidigung nicht mehr erforderlich ist, kann aus einer erlaubten Verteidigung eine strafbare Handlung werden. Man spricht vom Notwehrexzess. Ab wann die Grenze überschritten ist, muss im Einzelfall untersucht werden. Fest steht jedoch:

„Überschreitet der Täter die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken, so wird er nicht bestraft.“ So steht es in § 33 StGB. Das bezeichnet man als entschuldigenden Notwehrexzess.

Ist der Angriff bereits beendet und geht vom Angreifer keine weitere Gefahr mehr aus, besteht keine Notwehrlage mehr. Wer beispielsweise einen flüchtenden Angreifer aus Rache verfolgt und verletzt, kann sich nicht auf Notwehr berufen.

Überschreitung der Notwehr: Übertriebene Abwehr

Nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung, in der das Opfer sein rechtes Auge verlor, hat das Oberlandesgericht Koblenz ein Schmerzensgeld von 27.000 € zugesprochen. Der Vorfall entstand aus einem Streit, bei dem der Beklagte behauptete, aus Notwehr gehandelt zu haben, nachdem das Opfer zuerst seine Ehefrau angegriffen hatte. Das Gericht stellte jedoch fest, dass die Handlung des Beklagten einen Notwehrexzess darstellte und sein Schlag nicht gerechtfertigt war, wodurch er die Schadensersatzforderungen des Opfers erfüllen musste. (OLG Koblenz, Urteil vom 26.01.2012 – 1 U 1245/08)

Keine Notwehr mehr: Schuss auf flüchtenden Täter

Ein 82-jähriger Rentner wurde für schuldig befunden, einen 16-jährigen Jungen getötet zu haben und wegen Totschlags verurteilt. Bei dem Vorfall brachen 5 junge Männer in die Wohnung des Rentners ein. Einer der Eindringlinge hielt ihm laut Aussage eine Softair-Pistole an den Kopf. Als die Räuber versuchten, den Tresor zu öffnen und die Alarmanlage auslösten, gerieten sie in Panik und flohen. Der Rentner griff zu einer geladenen Pistole und schoss, wobei einer der flüchtenden Jungen in den Rücken getroffen wurde. Das Landgericht Stade sowie der Bundesgerichtshof kamen zu dem Schluss, die Reaktion als Totschlag zu bewerten. Zum Zeitpunkt des Schusses ging von den flüchtenden Tätern kein gegenwärtiger Angriff auf Leben oder Gesundheit des Mannes mehr aus. Die Schüsse auf die flüchtenden Täter waren daher nicht durch Notwehr gerechtfertigt. (BGH, Urteil vom 27.10.2015 – 3 StR 199/15)

Waffe zur Selbstverteidigung? Das sagt das Waffengesetz

In Deutschland ist die Selbstverteidigung mit Waffen rechtlich streng reguliert und erfordert eine genaue Kenntnis des Waffengesetzes. Der Gebrauch einer Waffe zur Selbstverteidigung kann gerechtfertigt sein, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Entscheidend ist, ob der Einsatz zur Abwehr des Angriffs erforderlich und geboten ist. Bevor Sie also auf Pfefferspray, Elektroschocker & Co. zurückgreifen, sollten Sie sich über geltende Bestimmungen und die Gefahren beim Hantieren mit einer Waffe informieren.

Das deutsche Waffengesetz (WaffG) regelt den Umgang mit Waffen und bestimmt, wer sie besitzen, führen und benutzen darf. Es legt auch fest, welche Arten in Deutschland erlaubt sind.

  • Messer: Einhandmesser mit feststellbarer Klinge und feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm dürfen nach § 42a WaffG nicht geführt werden. Weitere Messerverbote gelten z. B. bei öffentlichen Veranstaltungen, im öffentlichen Personenfernverkehr und in ausgewiesenen Waffen- und Messerverbotszonen. Springmesser sind seit dem 31. Oktober 2024 grundsätzlich verbotene Gegenstände. Ausnahmen gibt es etwa für den sicheren Transport in einem verschlossenen Behältnis sowie für berufliche, sportliche oder jagdliche Zwecke.
  • Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen: Diese dürfen nur mit dem Kleinen Waffenschein geführt werden. Das gilt für entsprechend zugelassene Waffen. Erwerb und Besitz sind ab 18 Jahren grundsätzlich erlaubnisfrei.
  • Schusswaffen: Für Erwerb und Besitz von Schusswaffen benötigen Privatpersonen je nach Waffenart eine Erlaubnis, etwa eine Waffenbesitzkarte. Eine solche Erlaubnis können beispielsweise Jäger oder Sportschützen erhalten, wenn sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Erlaubnisfrei ab 18 Jahren sind beispielsweise bestimmte entsprechend gekennzeichnete Druckluft-, Federdruck- und CO₂-Waffen.

Anscheinswaffen: Keine Schusswaffe, trotzdem verboten?

Anscheinswaffen sehen echten Schusswaffen zum Verwechseln ähnlich. Dazu können zum Beispiel bestimmte Softair-Waffen und Nachbildungen von Schusswaffen gehören. Nicht jedes Spielzeug, jede Softair-Waffe oder jede Schreckschusswaffe ist jedoch automatisch eine Anscheinswaffe. Ausschlaggebend sind die gesetzlichen Kriterien und das äußere Erscheinungsbild.

Laut § 42a Waffengesetz ist das Führen von Anscheinswaffen grundsätzlich verboten. Unter „Führen“ versteht man dabei vereinfacht gesagt, die Waffe außerhalb des eigenen Grundstücks, der eigenen Wohnung oder eigener Geschäftsräume zugriffsbereit bei sich zu haben. Der Transport in einem verschlossenen Behältnis ist dagegen erlaubt.

Besitz, Führen und Transport sind nicht dasselbe

Besitz bedeutet, dass Sie die tatsächliche Gewalt darüber ausüben, etwa wenn Sie die Waffe zu Hause aufbewahren.

Von Führen spricht man, wenn Sie die Waffe außerhalb der eigenen Wohnung, Geschäftsräume oder des eigenen Grundstücks bei sich haben. Für bestimmte Waffen und Messer ist das Führen verboten oder nur mit einer Erlaubnis möglich.

Transportieren dürfen Sie manche dieser Gegenstände trotzdem, z. B. ein feststehendes Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm in einem verschlossenen Behältnis.

Kann ich eine Waffe zur Selbstverteidigung nutzen?

Als Waffen gelten nach dem Waffengesetz u. a. Schusswaffen sowie bestimmte Gegenstände, die dazu bestimmt sind, Menschen anzugreifen oder abzuwehren, wie beispielsweise Schlagstöcke oder Elektroschocker.

Die Verwendung einer Waffe zur Selbstverteidigung kann erlaubt sein, wenn sie erforderlich und geboten ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff abzuwehren. Steht Ihnen ein milderes, gleich wirksames Mittel zur Verfügung, müssen Sie dieses wählen. Das Recht, sich zu Hause mit einer Waffe zu verteidigen, fällt ebenfalls unter § 32 StGB: Für die Notwehr in den eigenen vier Wänden gelten grundsätzlich dieselben Voraussetzungen wie außerhalb.

Sind Elektroschocker in Deutschland erlaubt?

In Deutschland gelten Elektroschocker laut Waffengesetz als verboten, allerdings mit einigen Ausnahmen. Erlaubt sind Geräte, die das PTB-Prüfzeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt tragen. Das Prüfzeichen bestätigt, dass der Elektroschocker die vorgeschriebenen Anforderungen an die gesundheitliche Unbedenklichkeit erfüllt. Dazu gehört beispielsweise, dass die Stromabgabe zeitlich begrenzt wird und bei entsprechenden Geräten nach spätestens 10 Sekunden unterbrochen werden muss. Um ein solches Gerät zu erwerben oder zu besitzen, muss man mindestens 18 Jahre alt sein.

Achtung: Einige Elektroschocker sind strikt verboten – insbesondere Distanz-Elektroimpulsgeräte sowie Geräte, die nicht amtlich zugelassen sind und kein entsprechendes Prüfzeichen tragen. Das Mitführen eines erlaubten Elektroschockers bei öffentlichen Veranstaltungen ist ebenfalls untersagt, es sei denn, man hat eine Ausnahmegenehmigung. Bei Zuwiderhandlung droht eine Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe.

Ist ein Schlagstock legal?

Schlagstöcke werden als Waffen klassifiziert und unterliegen somit den Vorschriften des Waffengesetzes. Ob ein Schlagstock verboten ist, hängt von seiner jeweiligen spezifischen Art ab. Die Unterschiede können drastisch sein: vom einfachen Gummiknüppel bis hin zum Teleskopschlagstock aus Metall. Während auf öffentlichen Veranstaltungen generell ein Verbot für das Führen aller Schlagstöcke herrscht, sieht es außerhalb von Veranstaltungen etwas anders aus. So dürfen z. B. Personen über 18 Jahren Teleskopschlagstöcke besitzen und erwerben, aber in der Öffentlichkeit nicht mit sich führen. Ausnahmen gelten etwa für den Transport in einem verschlossenen Behältnis oder bei berechtigtem Interesse (z. B. für Berufsausübung, Sport oder Brauchtumspflege). Das Mitführen eines Teleskopschlagstocks allein mit der Begründung, ihn im Fall eines Angriffs zur Selbstverteidigung einsetzen zu wollen, reicht dafür nicht aus.

Für Totschläger und Stahlruten – beides flexible und potenziell besonders gefährliche Schlagstockvarianten – besteht ein absolutes Verbot.

Ist ein Kubotan legal?

Der Besitz und das Führen eines Kubotan sind in Deutschland erlaubt. Dies geht auf einen Feststellungsbescheid des Bundeskriminalamts aus dem Jahr 2008 zurück. Demnach wird das Kubotan nicht ausdrücklich als Hieb- und Stoßwaffe im Sinne des Waffengesetzes eingestuft. Seine Anwendung sollte auf äußerste Notfälle beschränkt bleiben, da es schwere Verletzungen verursachen kann.

Für Flugreisen können trotzdem Einschränkungen gelten, insbesondere für die Mitnahme im Handgepäck. Wenn Sie mit einem Kubotan reisen, informieren Sie sich vorab über die Sicherheitsbestimmungen am Flughafen, die Vorgaben der Fluggesellschaft und die Rechtslage im Zielland.

Übersicht: Legale Mittel zur Selbstverteidigung in Deutschland

Verteidigungsmittel

Anmerkungen

Pfefferspray (Tierabwehrspray)

Ist das Spray eindeutig als Tierabwehrspray gekennzeichnet, fällt es nicht unter das Waffengesetz und kann ohne Altersbeschränkung oder Waffenschein erworben und mitgeführt werden. Gegen Menschen darf Tierabwehrspray nur in einer Notwehr- oder Nothilfesituation eingesetzt werden.

Schrillalarm / Taschenalarm

Ein Taschenalarm dient zur Selbstverteidigung und Abschreckung. Bei Betätigung erzeugt das Gerät einen extrem lauten und schrillen Ton, der darauf abzielt, potenzielle Angreifer zu verschrecken und umstehende Personen auf die mögliche Gefahrensituation aufmerksam zu machen. Für Besitz und Verwendung ist keine Genehmigung nötig.

Gegenstände des täglichen Gebrauchs

In Notsituationen können Sie sich auch mit alltäglichen Gegenständen verteidigen. Die Verwendung von Schlüsselbund, Taschenlampe oder Regenschirm ist legal – solange dies in der konkreten Notwehrsituation erforderlich und geboten ist.

Strafen bei einem Verstoß gegen das Waffengesetz

Bei Verstößen gegen das Waffengesetz können je nach Tat Bußgelder, Geldstrafen oder Freiheitsstrafen drohen. Ordnungswidrigkeiten können nach § 53 WaffG mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 € geahndet werden.

Für Straftaten sieht das Waffengesetz unterschiedliche Strafrahmen vor. Wer beispielsweise eine erlaubnispflichtige Schusswaffe ohne die erforderliche Erlaubnis erwirbt, besitzt oder führt, riskiert nach § 52 WaffG eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren. Bei bestimmten schwereren Waffendelikten drohen 6 Monate bis 5 Jahre Freiheitsstrafe, in besonders schweren Fällen sogar bis 10 Jahre.

Ein Verstoß kann außerdem die waffenrechtliche Zuverlässigkeit infrage stellen und damit zum Verlust einer waffenrechtlichen Erlaubnis führen. Ein Eintrag ins Führungszeugnis folgt dagegen nicht bei jeder Verurteilung: Eine erstmalige Geldstrafe von höchstens 90 Tagessätzen oder Freiheitsstrafe von höchstens 3 Monaten wird grundsätzlich nicht in das Führungszeugnis aufgenommen, wenn keine weitere Strafe im Bundeszentralregister eingetragen ist.

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