01.01.2018

Ski-Sturz mit Domino-Effekt

Schon zum zehnten Mal veranstaltete die Ski-Abteilung des Vereins aus S. ihre Winterfreizeit in Italien. Wie immer waren vom jungen Anfänger bis zum Rennläufer alle Leistungsstärken vertreten.

Als die Jugendgruppe der 14-16-Jährigen mit ihrem Übungsleiter in La Villa/ Italien morgens zu ihrem Ski-Tag aufbrach, herrschte strahlender Sonnenschein; keiner konnte ahnen, dass dieser Tag einige unschöne Überraschungen für einige der Teilnehmer bereithielt.

Der Übungsleiter hatte zunächst den Routenplan für die Gruppe ausgegeben; da hier schon durchaus fortgeschrittene, wenn auch nicht sehr erfahrene Skifahrer in ihrer 2. Wintersaison unterwegs waren, sollten ausschließlich „rote“, am Nachmittag auch „blaue“ Pisten gefahren werden. Während die blauen Pisten mit einem Gefälle von höchstens 25 % versehen sind, ist auf einer roten Piste schon erheblich mehr Kraft, Mut und Ausdauer nötig; das Gefälle auf einem Großteil einer roten Piste darf maximal 40 % betragen.

Absolut tabu für einen jungen Skifahrer ist in den ersten Jahren die „schwarze“ Piste; an diese „Königsdisziplin“ mit Gefälle von über 40 % und häufig schmalen, vereisten, engen Pisten sollte sich nur wagen, wer technisch wirklich gut bis perfekt fährt und ausreichend Erfahrung mitbringt.

An diesem Tag hatten aber zunächst nicht die Skischüler aus der Gruppe, sondern der Übungsleiter und Skilehrer Jürgen M. selbst Pech. An einer unübersichtlichen und etwas vereisten Stelle verlor er den Halt und „kugelte“ 20 Meter hangabwärts durch den tiefen Schnee. Verletzt hatte er sich nicht, allerdings war sein Wollpulli, den er statt eines normalen Skianzugs angezogen hatte, nun über und über mit kleinen Schneekügelchen bedeckt; der Großteil der Gruppe feixte, denn Jürgen M. war bekannt für seine Eitelkeit.

Kurzerhand informierte Jürgen kurz darauf die Gruppe, dass alle zusammen den Rest des Tages auf insgesamt 3 blauen Pisten zur Talstation gelangen sollten, während er selbst die schwarze – schnellere Abfahrt zum Hotel nehmen würde, um sich, wie er sagte „aufzuwärmen und umzuziehen".
Die Jugendlichen nahmen diese Vorgabe gerne an, konnten sie doch nun unbeobachtet den Rest des Skitages fahren, wie sie wollten.
Kaum war Skilehrer Jürgen M. allerdings aus dem Sichtfeld verschwunden, entschieden sich die zwei mutigsten 14-Jährigen, es ihm gleichzutun und ebenfalls die schwarze Piste zu fahren, um so vor ihren Freunden im Hotel anzukommen.
Es dauerte nur eine knappe Minute, da wussten beide, dass sie eine falsche Entscheidung getroffen hatten; allerdings gab es nun auch kein Zurück mehr. Als der vordere der beiden mit Namen Tobias wieder anfuhr, nahm er rasch eine Schussfahrt auf, die er nicht mehr mit kontrollierten Schwüngen abbremsen konnte. Er versuchte noch, quer zum Hang zu fahren, konnte aber nicht verhindern, dass er mit hohem Tempo mit einer weiteren Skifahrerin, die ihn nicht sehen konnte, kollidierte.
Einige Stunden später waren Tobias L. und sein Freund, bis auf einige Schürfwunden unverletzt, wieder im Hotel. Die Skifahrerin, mit der Tobias kollidiert war, wurde zu dieser Zeit allerdings schon operiert: Schien- und Wadenbeinbruch.

Die Krankenkasse der Verletzten nahm einige Wochen später nicht nur Tobias- vertreten durch seine Eltern - sondern auch den Skilehrer Jürgen M. im Wege des Regresses auf Erstattung der Behandlungskosten in Anspruch.
Auch die verletzte Skifahrerin selbst forderte ein Schmerzensgeld von Tobias und von Jürgen M.

Die ARAG Sportversicherung als Haftpflichtversicherer sowohl von Tobias L. wie auch des Skilehrers Jürgen M. erstattete die Behandlungskosten und zahlte auch das Schmerzensgeld an die Verletzte aus.

Durch das nicht begründete Verlassen der Jugendgruppe hatte der Skilehrer klar seine Aufsichtspflicht verletzt und war somit gegenüber der Skifahrerin (gesamtschuldnerisch mit dem Unfallverursacher Tobias bzw. dessen Eltern) haftpflichtig.

Beide, sowohl Skifahrer als auch Übungsleiter, waren letztlich froh, dass ihr Fehlverhalten von der Sportversicherung aufgefangen wurde!

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