Fahrräder sind aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken, sie bringen uns von A nach B, wir fahren damit in Grüne oder Blaue und halten uns damit fit. Für einige Menschen aber ist das Fahrrad mehr als ein Fortbewegungsmittel oder Freizeitsport, es ist eine Leidenschaft.

Zuerst entwickelte Drais eine vierrädrige „Fahrmaschine“, die bei gestiegenen Haferpreisen den Vorteil bot, pferdelos zu fahren, dann erfand er die Draisine – nach ihm benannt, aber auch „Veloziped“ und Laufrad genannt. Das ist nun schon etwa 200 Jahre her. Seitdem hat sich das Fahrrad enorm weiterentwickelt: Es kam das erste Rad mit Pedalen auf die Straße, der Tretkurbelantrieb wurde erfunden, das Hochrad feierte seinen Einzug, dann der Kettenantrieb, der das hohe Rad wieder unnötig machte.

Heute haben wir ultraleichte Rennräder, wahre Kunstwerke und technologische wie biologische Innovationen auf zwei Rädern. Fahrräder, die digital mit ihren Besitzern kommunizieren oder aus Hanf und Sojaöl gefertigt sind, das hätte sich Karl Drais in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Seine Draisine war komplett aus Holz – fast so wie das trendige Waldmeister-Rad.

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Ein Waldmeister aus Buchenholz

Warum nicht mal ohne Gangschaltung strampeln? Nach ganggewaltigen Mountainbikes gelten „Single-Speed-Räder“ als trendig. Wie man diesen technischen Purismus mit herausragendem Design verbindet, zeigt Marcus Wallmeyer: Der Waldmeister – so seine Marke – sieht aus wie ein edles Wohnzimmermöbel. „Wenn ich hier durch Freiburg radle, werde ich meist schon an der ersten Ampel angesprochen“, schmunzelt der 35-Jährige, der in Pforzheim „Transportation Design“ studiert hat. Der Rahmen seines Schmuckstücks entsteht aus nur 0,5 Millimeter dicken Buchenholzplatten – mit Leim verbunden und durch mehrere Tonnen Druck zusammengepresst.

Eine vierlagige Lackschicht schützt das edle Stück vor Wind und Wetter. Um an ein solches Gefährt heranzukommen, dürfte bei den meisten Radlern allerdings das Sparen anstehen: Mit 12.900 Euro kostet ein Waldmeister so viel wie ein Kleinwagen.

Ein Fahrrad wie ein Maßanzug

Als Christoph Hartmann sich meldet, ruft er aus dem Auto an. Ausgerechnet. Ja, früher habe er wirklich alles „mit’m Radl“ gemacht, sagt der Wahl-Berliner, dessen charmante Sprachfärbung die Herkunft aus Landsberg am Lech keine Sekunde verbirgt. „Aber irgendwann habe ich das Autofahren angefangen, der Radsport braucht viel Zeit.“

Und die ist knapp bei Hartmann, denn der 45-Jährige schultert gleich zwei Jobs: Zum einen spielt er Oboe bei den Berliner Philharmonikern, zum anderen hat er mit Freunden die Rennradmarke „Pasculli“ gegründet – benannt nach dem italienischen Oboisten Antonio Pasculli. Die Berliner bauen Rennräder nach Maß, gefertigt zur einen Hälfte in Italien, zur anderen in Deutschlands Hauptstadt. Ein komplettes Maßrad ist so ab etwa 2.000 Euro zu bekommen, ohne Grenze nach oben. Ein elitäres Vergnügen? Christoph Hartmann widerspricht. Für ihn ist die Ergonomie das Wichtigste: „Sie können das beste Fahrrad haben, wenn Sie nicht darauf passen, macht es keinen Spaß!“

Waldmeister Fahrrad

Ein Rad aus Hanf und Sojaöl

Ein passendes Fahrrad, das Spaß macht, wünschte sich auch Triathlet Nicolas Meyer. Doch das Budget des Studenten war knapp. Der angehende Ingenieur saß mit Kommilitonen beim Bier zusammen, als sie die Idee hatten: „Wir bauen das Rennrad selbst – aus Hanf!“ Der Naturstoff besitzt eine hohe Steifigkeit, außerdem bekommt man ihn seit einigen Jahren auch mit minimalem THC-Gehalt, also ohne berauschende Wirkung. „Durch den fragwürdigen Ruf hat Hanf als Material fast acht Jahrzehnte verloren“, sagt Nicolas Meyer.

Das Studententeam zerschnitt Stoffballen aus der Textilindustrie, formte sie, klebte sie mit Epoxidharz zusammen und härtete sie im Ofen zu einem stabilen Rahmen. Kurbelgehäuse und Lenker des nur anderthalb Kilo leichten Rades bestehen aus Aluminium beziehungsweise Carbon.

„Dinge leicht zu machen“ ist und bleibt das Ziel der Firma Onyx, die Meyer 2008 in Osnabrück gründete.

Zum Beispiel den Lasten- und Personentransport in der Stadt. Mit zwei Rädern mehr entsteht der nächste Coup des Unternehmens: ein ultraleichtes Hybrid-E-Mobil, das ab 2016 mit seinem Antrieb-Mix aus Elektromotor und Pedalkraft im städtischen Pendelverkehr für Umweltentlastung sorgen soll. Auch mit dem Hanfbike geht’s weiter. Diesmal sojaölbasiert für mehr Recycling und weniger Abhängigkeit vom Rohstoff Erdöl.

Infografik Fahrradtrends

Das erste Bike in der Cloud

ST2. Diese drei Zeichen lassen Herzen von E-Bike-Fahrern höher schlagen. Für alle anderen: Das neueste Pedelec der Schweizer Firma Stromer ist das weltweit erste digital vernetzte E-Bike. Ausgestattet mit der neuesten digitalen Technologie kommuniziert es mit seinem Besitzer via App. Es lässt sich per Fernbedienung sperren und entsperren. Und natürlich wehrt es sich, wenn ein Unbefugter sich daran zu schaffen macht.

Dann schaltet der Motor auf Diebstahlmodus und ans Fahren ist nicht zu denken. Wird es dennoch gestohlen, hinterlässt es per GPS eine digitale Spur. Das ST2 weiß außerdem, wann es gewartet werden will, und sagt dem Mechaniker, wo das Problem sitzt. Erwähnten wir schon, dass es einfach nobel aussieht? Es gehört zu den Gewinnern des Red Dot Award 2014 für Product Design.

Stromer ist eine echte Schweizer Erfolgsgeschichte, die mit einer Berner Legende anfängt: Gründer Thomas “Thömu” Binggeli soll den Viehbestand seiner Eltern, während diese im Urlaub waren, verkauft haben, um seine eigene Fahrradmarke zu gründen. Mittlerweile müsste er das längst wieder gut gemacht haben können – ein ST2 ist für 5.690 Euro zu haben.

Fahrradtrends Stromerbike

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