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Endlich Ferien. Der Koffer ist eingepackt, die Zeitung abbestellt und die Nachbarin hat den Schlüssel zum Blumengießen. Ab zum Flughafen. Und dann: Die Fluglotsen streiken. Der Flug hat drei Stunden Verspätung. Oder er ist überbucht – und man lässt Sie gar nicht erst an Bord. Erfahren Sie mehr über Ihre Rechte.

In einer solchen Situation sind Sie nicht so machtlos, wie oft geglaubt wird – wenn Sie wissen, welche Fluggastrechte Sie haben und wie Sie Ihre Ansprüche durchsetzen können. Sie müssen Ihre Fluggastrechte also überhaupt erst einmal kennen.

Weil Sie sich aber auf Ihren Urlaub freuen wollen und sicher keine Lust haben, sich mit der „Verordnung (EG) Nr. 261/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 über eine gemeinsame Regelung für Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung von Flügen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 295/91“ zu beschäftigen, haben wir das für Sie getan.

Folgend also eine kurze Übersicht für Sie über die wichtigsten Rechte und Ansprüche, die Sie Ihrer Fluggesellschaft gegenüber geltend machen können.

Streik am Flughafen: Das sind Ihre Rechte

Streik ist höhere Gewalt – zumindest dann, wenn keine Airline-Angestellten, sondern Beschäftigte des öffentlichen Dienstes streiken. Bei einem gebuchten Flug gibt es in diesem Fall von der Airline grundsätzlich keine Entschädigungszahlungen. Trotzdem gibt es einige Rechte, die wartende Fluggäste einfordern sollten.

Bei internationalen Flügen muss die Airline versuchen, einen anderen Flug zum gebuchten Zielort zu beschaffen. Das kann bedeuten, dass Passagiere auch einen Umweg und Zwischenstopp in Kauf nehmen müssen. Gäste müssen dabei auch auf andere Fluggesellschaften umgebucht werden, sofern dort noch Plätze frei sind. Vom Streik betroffene Gäste von innerdeutschen Flügen werden auf Züge der Deutschen Bahn umsteigen können. Die Tickets müssen dazu am Check-in-Automaten in einen Reisegutschein umgewandelt werden.

Kunden haben nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung außerdem einen Anspruch auf Betreuung während der Wartezeit. Diese Betreuungsrechte sind unabhängig davon, wer die Wartezeit verursacht oder verschuldet hat. Wer stundenlang am Flughafen warten muss, hat darüber hinaus Anspruch auf Verpflegung und Unterkunft. Dazu gehören Mahlzeiten, Getränke, zwei kostenlose Telefonate bzw. E-Mails und bei längeren Aufenthalten über Nacht auch ein Hotel.

Ob Kunden diese Ansprüche haben, hängt von der Streckenlänge und der Dauer der Verspätung ab:

  • Bei Flügen innerhalb der EU bis 1.500 Kilometer reichen schon zwei Stunden Wartezeit aus, damit Airline-Kunden sich auf diese Regel beziehen können.
  • Bei Distanzen von bis zu 3.500 Kilometern gelten sie ab drei Stunden Verzögerung.
  • Bei Distanzen von mehr als 3.500 Kilometern gelten sie ab vier Stunden Verzögerung.
  • Beträgt die Verzögerung mehr als fünf Stunden, ist die Airline zur Erstattung des Flugpreises und bei Verspätung eines Anschlussfluges auch zum kostenlosen Rückflug verpflichtet.

Wer eine Pauschalreise mit Flug und Hotel gebucht hat, kann bei einer längeren Verspätung seines Abflugs unter Umständen zusätzlich eine Minderung des gezahlten Reisepreises beim Veranstalter geltend machen. In der Regel gilt hier: Ab einer Verspätung von fünf Stunden kann der Tagesreisepreis für jede weitere Stunde um fünf Prozent gemindert werden. Storniert werden kann die Reise erst, wenn sich die Reise durch den Streik erheblich verkürzt, was zum Beispiel bei Kurzurlauben der Fall sein kann.

Das sind Ihre Fluggastrechte bei Verspätung, Annullierung und Überbuchung

Ansprüche bei Verspätung

Ist Ihr Flug verspätet, hängen Ihre Ansprüche gegen die Airline zunächst einmal von der Länge des gebuchten Fluges und von der Dauer der Verspätung ab:

Für eine Flugstrecke kürzer gleich 1.500 km haben Sie Ansprüche, wenn sich der Abflug über zwei Stunden verspätet,
für weitere Strecken innerhalb der EU oder zwischen 1500 und 3.500 km muss sich der Abflug um mehr als drei Stunden verspäten und
bei einer Flugstrecke über 3.500 km muss die Abflugverspätung mehr als vier Stunden betragen.

Im konkreten Fall stehen Ihnen dann zunächst Unterstützungsleistungen zu. Das bedeutet: Die Fluggesellschaft muss Sie vor Ort mit einer angemessenen Verpflegung sowie der Möglichkeit, zweimal kostenlos zu telefonieren oder zu faxen, unterstützen. Und wenn es ganz lange dauert auch mit einer Über­nachtungsmöglichkeit.

Zum anderen haben Sie nach der EU-Verordnung über Fluggastrechte folgende pauschale Ausgleichsansprüche in Geld, wenn Ihr Flug mit mehr als drei Stunden Verspätung am Endziel ankommt:

250 Euro für eine Flugstrecke kürzer gleich 1.500 km
400 Euro für eine weitere Strecke innerhalb der EU oder kleiner gleich 3.500 km
600 Euro bei Flugstrecken länger als 3.500 km

Dieser Anspruch ist in der Fluggastrechte-Verordnung eigentlich nicht vorgesehen – er geht auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zurück: Die Luxemburger Richter waren der Auffassung, dass eine derart große Verspätung einer Annullierung des Fluges gleichkommt.

Bei einer Verspätung von mehr als fünf Stunden können Sie die Reise abbrechen. Sie haben Anspruch auf eine Erstattung des Ticketpreises innerhalb von sieben Tagen und gegebenenfalls einen kostenlosen Rückflug zum Startflughafen.

Ansprüche bei Annullierung

Wird Ihr Flug von der Fluggesellschaft gestrichen, muss Ihnen die Gesellschaft zunächst die Wahl zwischen folgenden Möglichkeiten anbieten:

Einen Flug, der zeitlich nah an der gebuchten Abflugzeit liegt. Entscheiden Sie sich für diese Variante, muss die Airline auch in diesem Fall für Versorgung, Möglichkeiten zur Telekommunikation und gegebenenfalls eine Unterkunft sorgen.
Einen Flug zu einem späteren Datum.
Und die Erstattung Ihres Ticketpreises.

Daneben steht Ihnen eine pauschale Ausgleichszahlung (siehe Verspätung) zu – aber hier wird es oft kompliziert. In vielen Fällen berufen sich die Airlines auf außergewöhnliche Umstände (zu denen neben Schneechaos auch ein Fluglotsenstreik zählt), die oftmals nicht vorliegen.

So gelten technische Probleme oder die Erkrankung eines Piloten nicht als außergewöhnliche Umstände, werden von den Unternehmen aber gerne als Grund angeführt.

Ansprüche bei Überbuchung

Oft verkaufen Airlines im Vorfeld des Fluges mehr Plätze, als an Bord überhaupt zur Verfügung stehen. So wollen sie teuren Leerstand in ihren Maschinen vermeiden. Wenn alle Fluggäste auftauchen, steht das Unternehmen vor einem Problem – und greift in vielen Fällen in die Trickkiste: Sie bieten Gutscheine oder Bargeld für einen späteren Flug an. Das Problem: Nehmen Sie dieses Angebot an, wird Ihr Fall automatisch zu einem freiwilligen Beförderungsverzicht, der eine spätere finanzielle Entschädigung ausschließt.

Nehmen Sie das Angebot nicht an, wird Ihr Fall zur unfreiwilligen Nichtbeförderung. Dann haben Sie dieselben Anrechte auf alternative Angebote, Rücktritt, angemessene Verpflegung und finanzielle Entschädigung wie bei einer Verspätung oder einem Ausfall Ihres Fluges.

Verjährungsfrist

Ihre Fluggastrechte bei Verspätungen oder Annullierungen können Sie noch bis zu drei Jahre später geltend machen.

Zu früh, zu spät: zwei aktuelle Gerichtsurteile

Ausgleichsanspruch wegen Flugvorverlegung möglich

Wer mehr als neun Stunden früher als geplant per Flugzeug starten muss, darf auf einen finanziellen Ausgleich hoffen, sagt ein aktuelles Gerichtsurteil. Die Kläger hatten Flüge von Düsseldorf nach Fuerteventura und zurück gebucht. Der Rückflug sollte dann statt um 17.25 Uhr bereits um 8.30 Uhr sein. Das Ehepaar verlangte 400 Euro als Ausgleich, weil es fand, dass die Vorverlegung einer Annullierung gleichkomme. Nach Schluss der mündlichen Revisionsverhandlung hat das beklagte Unternehmen den Anspruch anerkannt. Lesen Sie weitere Detailsin unserem Rechtstipp.

Ersatz bei technischem Defekt

Der Europäische Gerichtshof musste klären, ob technische Probleme zu den außergewöhnlichen Umständen zählen können, die Luftfahrtunternehmen von ihrer Ausgleichspflicht befreien. Im konkreten Fall erhielt die Klägerin eine Entschädigung. Ihr Flug von Quito nach Amsterdam hatte 29 Stunden Verspätung, weil die defekte Kraftstoffpumpe und die hydromechanische Einheit erst per Flugzeug aus Amsterdam besorgt werden musste. Den kompletten Fall finden Sie in unseren Rechtstipps.

Info

Fluggastrechte verjähren erst nach drei Jahren

Ihre Fluggastrechte bei Verspätungen oder Annullierungen können Sie noch bis zu drei Jahre später geltend machen. Auf der englischen Seite www.flightstats.co.uk finden Sie aktuelle Verspätungen – aber auch solche, die bereits Monate und Jahre zurückliegen.

Airlines dürfen keine Stornogebühren erheben

Nach einem aktuellen Urteil des europäischen Gerichtshofs dürfen Fluglinien ihren Fluggästen künftig keine Extragebühren berechnen, wenn diese ihren Flug stornieren.

flugverspaetungen

Recht haben heißt nicht Recht bekommen

Wenn Sie Ihre Fluggastrechte kennen, kommt der wichtigste Teil – Recht zu haben heißt schließlich nicht, auch Recht zu bekommen. Um Ihre Fluggastrechte gegenüber der Fluggesellschaft durchzusetzen, haben Sie drei Möglichkeiten: Den Gang zum Anwalt, die Beauftragung eines auf Fluggastrechte spezialisierten privaten Unternehmens und den Gang zu einer öffentlichen Schlichtungsstelle.

Fluggastrechte mit einem Anwalt durchsetzen

Der Gang zum Rechtsanwalt ist auch bei der Durchsetzung Ihrer Fluggastrechte der Klassiker – der allerdings zunächst mit Kosten verbunden ist: Das Honorar für Ihren Juristen bezahlen Sie selbst. Erst nach einem erfolgreichen Gerichtsverfahren muss die Gegenseite Ihnen diese Kosten zusätzlich zur Entschädigung zurückzahlen. Sollten Sie vor Gericht unterliegen, bleiben Sie auf den Kosten sitzen. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie einen Privatrechtsschutz besitzen: Diese übernimmt von Anfang an alle Kosten und Sie gehen keinerlei Risiko ein.

Tipp

Wichtige Unterlagen aufbewahren

Besonders wichtig: Bewahren Sie alle Unterlagen auf, die mit Ihren Unannehmlichkeiten zusammenhängen: Von der Buchungsbestätigung bis hin zu Restaurant- oder Hotelquittungen müssen Sie all Ihre Kosten dokumentieren, um Ihre Fluggastrechte durchzusetzen.

Ein privates Unternehmen für Fluggastrechte beauftragen

Wenn Sie kein Risiko eingehen wollen, gibt es eine zweite Möglichkeit: Private Dienstleister wie flightright, EUclaim oder Fairplane vertreten Sie gegenüber den Airlines – und falls die Klage scheitert, tragen sie die Kosten für das Verfahren. Allerdings ist hier nicht alles Gold was glänzt: Zum einen picken sich die privaten Inkassodienste gerne die Rosinen heraus und übernehmen nur Erfolg versprechende Fälle. Zum andern lassen sie sich im Erfolgsfall ihre Dienste gut bezahlen – mit Provisionen bis zu 30 Prozent der ausgezahlten Entschädigung.

Inkassodienst
Provision bei Erfolg
Euclaim 27 % der anfangs geforderten Summe, plus pauschal 25 Euro
Fairplane Abhängig von der tatsächlich gezahlten Summe, maximal 29,4 % der Entschädigungssumme
Flightright 29,75 % der Entschädigungssumme
Refund.me 17,85 % der Entschädigungssumme

Eine öffentliche Schlichtungsstelle für Fluggastrechte anrufen

Seit dem 1. November 2013 gibt es die Möglichkeit, sich für die Durchsetzung seiner Fluggastrechte an eine öffentliche Schlichtungsstelle zu wenden. Eine attraktive Variante – sie ist kostenlos und bietet Fluggästen die Chance auf eine Entschädigungszahlung ohne Abzüge.

Voraussetzung: Sie müssen zunächst versuchen, Ihre Ansprüche direkt bei der Fluggesellschaft geltend zu machen. Gelangen Sie daraufhin zwei Monate lang nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis, wenden Sie sich an die Schlichtungsstelle. Die notwendigen Formulare finden Sie auf www.soep-online.de oder www.bundesjustizamt.de

Die Schlichtung ist freiwillig

Allerdings ist die erfolgreiche Durchsetzung Ihrer Fluggastrechte nicht garantiert: Die Schlichtung ist eine freiwilliges Verfahren beider Parteien. Ihr Ergebnis ist rechtlich nicht bindend. Wenn eine der beiden Seiten unzufrieden ist, kann sie noch immer ein Zivilverfahren anstrengen.

Gut zu wissen: Die Schlichtungsstelle hat nicht den Auftrag, die Ansprüche der Fluggäste zu vertreten. Sie arbeitet neutral – kann also auch zu einem für Sie ungünstigen Urteil kommen.

Die richtige Reihenfolge

Wollen Sie Ihre Fluggastrechte kostengünstig durchsetzen, ist folgende Reihenfolge am sinnvollsten: Zunächst melden Sie Ihre Ansprüche direkt bei Ihrer Airline an.

Reagiert die Gesellschaft nicht oder unzureichend, wenden Sie sich an eine Schlichtungsstelle. Und wenn Sie auch mit deren Ergebnis unzufrieden sind, helfen Ihnen ein privater Dienstleister oder Ihr Anwalt.

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