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Einer meiner Bekannten wird wohl nie erwachsen. Er heiratete im Spätsommer im Freien, weil er die komplette Feier von oben filmen lassen wollte. Ein extra engagierter Profifotograf ließ eine Kameradrohne aufsteigen. Stundenlang brummte das Gerät mit seinen vier Rotoren über der Hochzeitsgesellschaft. Das begeisterte nicht jeden Gast, das spätere Video fanden aber alle toll.

Man mag es kaum glauben, aber handelsübliche Quadrocopter darf bei uns jedermann ohne Genehmigung starten lassen.

Es war meine erste Begegnung mit einer Drohne. Aber sicher nicht die letzte. Derzeit sind Drohnen, in ihrer zivilen und frei verkäuflichen Version meist Quadrocopter genannt, ein Verkaufsschlager. 400.000 Drohnen sollen bereits über den Ladentisch gegangen sein, das Weihnachtsgeschäft 2016 nicht eingerechnet.

Für den Preis eines besseren Handys gibt es schon sehr stabile und vielseitige Quadrocopter, die sogar eine größere Kamera als Nutzlast mit sich tragen können. Man mag es kaum glauben, aber handelsübliche Quadrocopter darf bei uns jedermann ohne Genehmigung starten lassen, sofern das Gerät nicht mehr als fünf Kilo wiegt und eine Haftpflichtversicherung besteht (siehe Hinweis unten). Auch Kinder und Jugendliche dürfen in diesem Fall Drohnen steuern; eine starre Altersgrenze nach unten gibt es nicht. Allerdings müssen Eltern in jedem Fall ihre Aufsichtspflichten beachten. Angesichts der unbestreitbaren Risiken durch Drohnen – zum Beispiel der sich häufenden Annäherung an Verkehrsflugzeuge – empfehlen Experten völlig zu Recht, dass Kinder und Jugendliche nur unter Aufsicht Flugdrohnen steuern dürfen.

Nur bei kommerzieller Nutzung (wie durch den Hochzeitsfotografen) muss bei der zuständigen Luftaufsicht vor dem Drohnenstart eine „Aufstiegserlaubnis“ beantragt werden. Der Freizeitpilot darf seine Drohne dagegen ohne vorherige Genehmigung steigen lassen. Das bedeutet aber nicht, dass man Drohnen tatsächlich auch überall fliegen lassen darf. Vor allem Großstädte, zum Beispiel Berlin, untersagen Drohnenflüge ausdrücklich im Stadtgebiet. Komplett verboten sind Drohnen auch im Umkreis von 1,5 Kilometern rund um Flughäfen und in Naturschutzgebieten. Weiter ist es verboten, größere Menschenansammlungen zu überfliegen. Die Einkaufsstraße oder die Vergnügungsmeile in der Innenstadt sind damit für Quadrocopter ebenso tabu wie ein Sportstadion.

Aber auch in locker bebauten Wohngebieten gibt es keinen Freiflugschein. Vielmehr gilt eine allgemeine Regel, die man auch aus der Straßenverkehrsordnung kennt: Sobald Menschen gefährdet oder belästigt werden, ist Feierabend. Es ist für die Ordnungsämter oder gar die Polizei also durchaus möglich, bei Beschwerden nervige oder leichtsinnige Drohnenpiloten im konkreten Fall in die Schranken zu weisen. Behörden können aber auch allgemein und im voraus Flüge über Kraftwerke, Unfallstellen oder sonstige „Gefahrengebiete“ verbieten. Es ist also wichtig, sich vor einem Drohnenstart zu über die örtlichen Regeln zu informieren.

Icon Drohne überm Weihnachtsbaum

Der Pilot muss die Drohne immer vom Boden aus gut im Auge haben.

Zum Spionieren dürfen Drohnen auf keinen Fall eingesetzt werden. Wer mit dem Gerät beispielsweise bei Nachbarn ein Grillfest oder gar das Sonnenbad filmt, verletzt deren Rechte. Ein No-go ist es auch, mit der Drohne von außen in private Räume zu filmen. Das alles kann schnell zu Klagen oder gar einem Strafverfahren führen.

Außerhalb privater Grundstücke dürfen Drohnen allerdings grundsätzlich Aufnahmen machen. Das heißt, auf einem Feld oder in einem Park kann man als Passant nicht verlangen, dass ein Quadrocopter am Boden bleibt. Wer als Drohnenpilot dann allerdings gezielte Nahaufnahmen einzelner Personen auf Wegen und Plätzen veröffentlicht, verletzt deren Recht am eigenen Bild.

Eine ganz wichtige Regel: Quadrocopter müssen stets auf Sicht geflogen werden, auch wenn eine Fernsteuerung per Video oder GPS je nach Ausstattung schon heute technisch möglich ist. Das heißt, der Pilot muss die Drohne immer vom Boden aus gut im Auge haben. Je nach Größe des Flugobjekts kann die maximale Sichtweite variieren.

Allerdings gehen Experten davon aus, dass eine Drohne nur bis zu einer Entfernung von maximal 300 Metern „auf Sicht“ geflogen werden kann. Für die Flughöhe gelten in einigen Bundesländern derzeit schon Obergrenzen von 30 bis 100 Metern. Aktuell plant das Bundesverkehrministerium, die maximale Flughöhe für Freizeitdrohnen generell auf 100 Meter festzulegen.

Aber auch wer seine Drohne immer ordnungsgemäß steuert, ist damit im Falle eines Absturzes nicht aus dem Schneider. Der Drohnenpilot, bei Minderjährigen möglicherweise auch deren Aufsichtspersonen, müssen im Zweifel nämlich wie jeder andere Unfallverursacher auch ganz normal Schadensersatz leisten.

Drohnen müssen versichert werden

Drohnen fallen – egal, ob hobbymäßig oder gewerblich betrieben – rechtlich unter den Begriff des "Luftfahrzeugs" nach dem Luftverkehrsgesetz (LuftVG). Damit muss für sie eine Haftpflichtversicherung mit der gesetzlich erforderlichen Deckungssumme bestehen. Das ist auch sinnvoll, denn ein Absturz zum Beispiel auf einer vielbefahrenen Straße kann schnell sehr teuer werden.

Private Haftpflichtversicherungen schließen derartige Schäden meist vertraglich aus. Prüfen Sie daher Ihren Versicherungsvertrag, bevor Sie Ihre Drohne in Benutzung nehmen. Ist der Betrieb von Drohnen nicht mitversichert, müssen Sie eine spezielle Versicherung abschließen, wie sie zum Beispiel die Modellflugverbände anbieten.

Unsere Empfehlung

Privater Haftpflichtschutz

Mit unserer Haftpflichtversicherung bewahren wir Sie vor den finanziellen Auswirkungen, wenn Ihnen mal ein Missgeschick passiert. Der Führer der Drohne haftet grundsätzlich für alle Schäden, die bei einem Flug verursacht werden können. Das kann schnell teuer werden, wenn bei einem Absturz beispielsweise ein Unfall verursacht wird. Es empfiehlt sich daher dringend, eine spezielle Versicherung abzuschließen.

Übrigens: Schäden durch motorisierte Flugobjekte bis 5 kg sind bei uns mitversichert.

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