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01.10.2014

12-jähriger beim Drachen steigen lassen verletzt

Laut Polizeibericht handelte es sich eher um eine sogenannte „Lenkmatte“, die die Kinder dabei hatten. Das sind Drachen wie sie eigentlich von Kite-Surfern verwendet werden. Vielleicht wäre die Geschichte mit einem kleineren, kindgerechteren Drachen weniger schlimm ausgegangen.

Der TSV hatte zur Jugendfreizeit in den Herbstferien an die Nordsee eingeladen. Weil es dort eine riesengroße Wiese gibt, auf der man hervorragend Drachen steigen lassen kann, stand in der Ausschreibung: „Wer einen Drachen besitzt, kann ihn gerne mitbringen.“

Als die zwölfjährigen Zwillinge Jan und Kathrin das lasen, verschwanden sie augenblicklich im Keller, um den Drachen ihres großen Bruders zu holen. Der war im Urlaub und konnte leider nicht gefragt werden. So kam es, dass der Drachen mit einer Spannweite von vier Quadratmetern mit auf die Jugendreise kommen durfte.

Am Tag der Ankunft an der Nordsee herrschte Windstärke 5, das heißt, eine mittlere Windgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Da wollten die Kinder sich kaum noch die Zeit zum Koffer auspacken nehmen.
Reiner und Orhan, die beiden Betreuer, wurden bedrängt, am selben Tag noch mit der Gruppe auf die Wiese zu gehen und die bunten Drachen steigen zu lassen.

Die beiden ließen sich trotz einiger Bedenken wegen des ziemlich starken Winds breitschlagen. Sie mahnten die Kinder zur Vorsicht. Die Wetterlage sei nicht zu unterschätzen, der Wind war unbeständig und erreichte in Böen eine Windgeschwindigkeit bis zu 50 Stundenkilometern, also Stärke 7.

Leinen los

Jan und Kathrin waren mit Feuereifer bei der Sache. Jan kannte sich aus: „Wenn der Wind stark genug ist, braucht man gar nicht mitzulaufen. Man stellt sich mit dem Rücken zum Wind, und wickelt die Schnur ab.“

Kathrin nahm ihrem Bruder die Haspel aus der Hand und ging rückwärts, bis die Schnur sich spannte. Im selben Moment erfasste ein Windstoß den Drachen und riss das Mädchen fünf Meter in die Höhe. Beim Sturz erlitt das Kind schwere Kopf- und Brustverletzungen.

Die Betreuer hatten die Gefahr unterschätzt. Drachen mit derart großen Spannweiten sind keine Kinderspielzeuge, sondern echte Sportgeräte. Selbst bei drei bis vier Quadratmeter großen Lenkdrachen ist es bei stärkerem Wind fast normal, dass sogar kräftige Erwachsene mehrere Meter mitfliegen.

Für unerfahrene Nutzer, erst recht für Kinder ein gefährliches Hobby. Es sollten zudem unbedingt Handschuhe und ein Schutzhelm getragen werden.

Orhan hatte sofort nach dem Sturz einen Notruf abgesetzt, und Kathrin wurde mit dem Hubschrauber in die Klinik gebracht.

Durch die Sorglosigkeit der Betreuer war es zu dem schweren Unfall gekommen. Die ARAG Sporthaftpflicht- wie auch die Sport-Unfallversicherung traten für den entstandenen Schaden ein.
Kathrin erholt sich recht schnell und wird schon bald wieder mit den anderen Kindern toben können.

Wenn Sie, wie die beiden jungen Männer, Kinder und Jugendliche beim Drachen steigen lassen begleiten, machen Sie sich unbedingt vorher mit den Gefahren vertraut.


*Namen von der Redaktion geändert

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