05.07.2021

Auch wenn noch nicht ganz klar ist, wann welches (Frei-)Bad wieder voll öffnen darf: Die Temperaturen steigen und der Wunsch, ins kühle Nass zu springen, wächst. Schaut man auf die Online-Plattformen der Bädergesellschaften, sind oft bereits innerhalb weniger Stunden alle verfügbaren Tickets für den Schwimmbadbesuch ausgebucht. ARAG Experten weisen aber darauf hin, dass man sich auch als Badegast an bestimmte Richtlinien und Regeln halten muss. Sie haben außerdem einige Tipps und Gerichtsurteile rund um Wasser und Schwimmen zusammengestellt.

Icon Passendes Gerichtsurteil

Ist Fotografieren im Freibad erlaubt?

Jedes Freibad hat eigene Regeln für das Fotografieren. So sind mancherorts beispielsweise Panoramabilder und Fotos von Bekannten erlaubt, Fotos von Kindern aber gänzlich verboten. Einige Kommunen haben ihre Satzungen für die Freibäder verschärft. Wer hier beim Fotografieren erwischt wird, muss sein Handy abgeben oder das Bad verlassen. Einige Bäder verteilen auch Sticker an Badegäste, mit denen sie die Kameralinsen am Smartphone abkleben müssen.

In den meisten Bädern ist das Personal dazu angehalten, Hobby-Fotografen im Auge zu behalten und sie im Zweifel darauf hinzuweisen, dass Fotografieren nur eingeschränkt oder gar nicht erlaubt ist. Besteht der Verdacht, dass uneinsichtige Badegäste trotzdem munter weiter auf den Auslöser drücken, darf das Bäderpersonal zwar das Handy nicht kontrollieren, doch dann müssen die Hobby-Knipser damit rechnen, dass die Polizei anrückt und das Smartphone checkt.

Viel Freiraum für den Badespaß

Grundsätzlich wird einem Badegast viel Freiraum während seines Besuchs im Schwimmbad eingeräumt. Voraussetzung ist natürlich, dass er oder sie sich an die Vorschriften für öffentliche Räume hält. Darüber hinaus legt jeder Schwimmbadbetreiber eigene Regeln fest, was auf seinem Gelände erlaubt und verboten ist. Meist sind diese Hinweise auf Tafeln am Eingang zu finden. Gerade wenn Kinder dabei sind, empfehlen die ARAG Experten jedem Schwimmbadbesucher, sich zudem die Sicherheitstipps der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. anzuschauen.

Alternative: Badesee

In Ihrer Nähe gibt es kein Freibad oder Sie mögen das Getümmel auf der Liegewiese und im gekachelten Becken nicht? Es gibt natürliche und künstlich angelegte Alternativen. So verlockend es allerdings ist: Nicht jeder Fischteich oder Baggersee darf zum Schwimmen genutzt werden. Viele Seen sind aus Gründen der Sicherheit oder des Naturschutzes für die Öffentlichkeit gesperrt. Das meist vorhandene Schild „Zutritt für Unbefugte verboten“ sollte unbedingt beachtet werden. Im Falle eines Verstoßes kann man nicht nur vom Gelände verwiesen werden, ein unbefugter Zutritt kann unter Umständen sogar strafrechtliche Konsequenzen haben.

Im Schwimmbad: Auf der Treppe aufpassen!

Eine Kommune kann in einem öffentlichen Schwimmbad nicht jeden denkbaren Unfall ausschließen. Der konkrete Fall: Rutscht ein Besucher auf dem Weg zwischen Dusche und Umkleide auf einer nassen Treppe aus und verletzt sich hierbei, kann kein Schadensersatz verlangt werden. Wer Bereiche im Schwimmbad nutze, die von den Badegästen mit nasser Badebekleidung betreten würden, müsse mit Nässe auf dem Boden rechnen (LG Coburg, Az.: 1 C 351/02). Auch für die Verletzung an einer Glasscherbe ist der Betreiber in der Regel nicht verantwortlich zu machen (OLG Düsseldorf, Az.: 18 U 168/86).

Retten – aber mit Bedacht

Wer anderen helfen will, kann einiges tun, um sich nicht selbst zu gefährden. So sollten Sie in Abstimmung mit anderen Anwesenden zuerst eine Rettungskette (Notruf, Rettungswacht) in Gang setzen. Unternehmen Sie Rettungsversuche dann möglichst nur mit anderen Menschen zusammen, am besten mit Auftriebskörpern und auch nur, wenn Sie sich dies körperlich zutrauen.

Noch mehr Gerichtsurteile

Wenn der Badbesuch durch einen Unfall getrübt wird und es sogar zu Verletzungen kommt, stellt sich im Nachgang die Frage, wer dafür die Kosten trägt. Dies lässt sich nicht pauschal beantworten und bedarf immer einer individuellen Prüfung. Die ARAG Experten geben daher einige Fallbeispiele, wie manche Gerichte entschieden haben:

 
  • Bademeister und Badeaufsicht

    Neben vielen Hilfskräften im Schwimmbad sind es vor allem die Bademeister, die für einen sicheren Betriebsablauf sorgen. Diesen zu gewährleisten, bedarf es zum einen eines optimalen Einsatzortes (BGH, Az.: VI ZR 158/99) und zum anderen einer „raschen und wirksamen Hilfeleistung“ durch die Badeaufsicht (BGH, Az.: III ZR 60/16). In diesem Zusammenhang weisen die ARAG Experten auf einen Unglücksfall aus dem Jahr 2017 hin, in dem sich ein zwölfjähriges Mädchen in einem Naturbad im Befestigungsseil einer Boje verfing. Die späte Rettung und somit lange Dauer unter Wasser führte zu Sauerstoffmangel im Gehirn, sodass das Mädchen seitdem schwerstbehindert ist und ihr Leben lang ein Pflegefall bleiben wird. Die beiden Bademeister merkten zwar, dass sich die Boje abgesenkt hatte, befragten aber erst andere badende Kinder und schickten zunächst sie ins Wasser, um zu sehen, was los sei. Das reichte laut Bundesgerichtshof aber nicht aus. Auch sei es keine schnelle und angemessene Hilfe, sich daraufhin zunächst eine Schwimmbrille aus dem Gerätehaus zu holen, um sodann ins Wasser zu gehen und das Mädchen aus dem Seil zu befreien. Bei richtigem Verhalten der Badeaufsicht hätten die massiven, irreparablen Hirnschäden verhindert werden können, so die obersten deutschen Zivilrichter.
  • Fehlende Sicherheitsvorkehrungen

    Ein Kleinkind zog sich bei einem Schwimmbadbesuch Verbrennungen an den Füßen zu, weil es barfuß auf eine durch die Sonne erhitzte Metallplatte in Beckennähe lief. Das Landgericht Koblenz sprach der Klägerin ein Schmerzensgeld in Höhe von 750 Euro wegen Verletzung einer Verkehrssicherungspflicht durch die Schwimmbadbetreiberin zu. Betreiber eines Schwimmbades sind nach Angaben der ARAG Experten verpflichtet, Schutzvorkehrungen zu treffen, um Schwimmbadbesucher vor Gefahren zu schützen. Eine Aufsichtspflichtverletzung der Mutter sah das Gericht dagegen nicht. Die Mutter lief neben ihrem Kind und hätte auf eine Absperrung oder ein Hinweisschild sofort reagieren können. Es gibt keine Verpflichtung der Eltern, ein Kind im Schwimmbad dauerhaft an der Hand zu halten (Az.: 1 O 62/20).
  • Haften Eltern auch in einem Schwimmbad für ihre Kinder?

    Verletzt sich ein Kind in einem Schwimmbad, muss geklärt werden, ob die Eltern ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen sind. Auch wenn die in einem Schwimmbad geltenden Regeln durch eine Badeaufsicht gewährleistet sein sollen, sind Eltern dafür verantwortlich, wo und wie ihr Kind spielt. Je nach Alter sollten sie es unter keinen Umständen aus den Augen lassen. Ein Schwimmbadbetreiber haftet daher nicht, wenn jemand verletzt wird, weil ein Kind die Bank im Umkleidebereich als Klettergerüst nutzt und diese deshalb umkippt, entschied das Amtsgericht München. Der anwesenden Betreuungsperson obliegt die Aufsichtspflicht . Eine Bank im Schwimmbad muss nach Ansicht des Gerichts nicht mit dem Schwimmbadboden fest verankert sein (Az.: 191 C 21259/13).

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