10.07.2013

Wassersport – Spiel, Spaß, Sicherheit

Für die meisten Deutschen gehört Wasser zum Urlaub – vom Chillen an Strand und Badesee bis zu sportlichen Aktivitäten von Segeltörn bis Wasserski. Nicht immer geht alles glatt. ARAG Experten haben einige interessante Gerichtsurteile rund um beliebte Wassersportarten zusammengestellt.

Wasserski: Lehrer hat Fürsorgepflicht

Ein Wasserskilehrer handelt grob fahrlässig, wenn er den Motor des Bootes bereits in Bewegung setzt, bevor sein Schüler das Bootsinnere vollständig erreicht hat. In einem konkreten Fall sollte ein siebenjähriger Wasserskischüler an seinem zweiten Kurstag aus dem Wasser ins Boot aufgenommen werden. Noch während er mit Hilfe einer Mitschülerin versuchte, ins Schiffsinnere zu gelangen, kuppelte der Lehrer den Vorwärtsgang des Bootes ein, so dass sich der Schüler an der drehenden Schiffsschraube am Fuß verletzte. Trotz einer vorher mit der Mutter des kleinen Unglücksraben vereinbarten Haftungsbeschränkung verurteilten die Richter den Wasserskilehrer wegen grober Fahrlässigkeit (OLG Köln, AZ: 3 U 91/98).

Motorbootsport: Besser nüchtern bleiben

Alkoholisierte Schiffsführer werden nicht anders beurteilt als Autofahrer und können wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr (§ 316 Abs. 1 und 2 StGB) zur Verantwortung gezogen werden. Ein Sportbootführer hatte zunächst erfolglos versucht, seinen Fäkalientank zu leeren. Danach konnte er seinen kurzfristig abgestellten Motor nicht mehr starten und trieb manövrierunfähig auf dem Bodensee. Die vom Sportbootführer selbst herbei gerufene Wasserschutzpolizei stellte einen starken Atemalkohol fest. Die spätere Blutabnahme ließ auf eine Blutalkoholkonzentration von 1,34 Promille bei Fahrantritt schließen – eindeutig zu viel zum Fahren des Bootes.

ARAG Experten informieren in diesem Zusammenhang, dass zwar im Bereich des Schiffverkehrs ein allgemeiner Grenzwert für absolute Fahruntüchtigkeit in der obergerichtlichen Rechtsprechung bisher nicht anerkannt ist, der Vergleich mit dem Straßenverkehr aber vor Gericht üblich ist. Und dementsprechend wird auch auf dem Wasser mittlerweile bei einer Blutalkoholkonzentration von 1,1 (früher 1,3) Promille absolute Fahruntüchtigkeit angenommen (Rheinschifffahrtsobergericht Karlsruhe, AZ: Ns 1/00).

Surfen: Wer zahlt das zerbrochene Brett?

Bei Fahrgastschiffen und Surfern ist der Ärger manchmal vorprogrammiert. ARAG Experten verweisen auf einen konkreten Fall, in dem der Kapitän eines Fahrgastschiffes beim Ablegemanöver einen Wassersportler übersah, der hinter dem Schiff von seinem Surfbrett gestürzt war. Glücklicherweise rammte das Motorschiff nur das Surfbrett, das zerbrach.

Dieser Fall stellt laut Schifffahrtsordnung eine Ordnungswidrigkeit dar – begangen durch den Surfer. Denn dieser hatte sich verbotenerweise mit seinem Sportgerät in der Nähe der Schiffsanlegestelle aufgehalten. Der Surfer fand, dass auch den Kapitän eine Mitschuld trifft, da er abgelegt hatte, ohne sich zu vergewissern, ob das Manöver gefahrlos möglich sei.

Das Urteil der Richter traf beide Parteien. Unvorsichtiges Verhalten des Kapitäns auf der einen Seite, riskantes Surfen im Bereich einer Schiffsanlegestelle auf der anderen Seite – beide mussten jeweils die Hälfte des Schadens am zerstörten Surfbrett ersetzen (OLG Nürnberg – Schifffahrtsobergericht -, AZ: 8 U 2897/90 BSch).

Tauchen: Niemals alleine

Trotz aller modernen Technik bleibt das Sporttauchen eine gefährliche Sportart, bei der schon kleinste Fehler schwere Konsequenzen haben können. ARAG Experten warnen daher: Wer gegen diesen Grundsatz verstößt und dadurch einen Unfall unter Wasser provoziert, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. So wurde ein Taucher (CMAS**, ca. 350 Tauchgänge) wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er seinen unerfahreneren Tauchpartner (PADI-OWD, ca. 75 Tauchgänge) bei einem Alleintauchgang in einer Tiefe von ca. sechs bis acht Metern verließ, um 35 Meter tiefer zu tauchen.

Die beiden Taucher hatten gemeinsam den Entschluss gefasst, dass der Zurückgelassene allein wartet. Als der Taucher jedoch nach 20 Minuten an die Wasseroberfläche zurückkehrte, hatte er zuvor seinen Partner nicht mehr finden können. Dieser wurde nach einer Stunde in der zurück gelassenen Tiefe von sechs bis acht Metern tot geborgen: Er war ertrunken, die Pressluftflasche war leer. Die genaue Todesursache konnte zwar nicht festgestellt werden, doch für das Gericht stand fest, dass der wesentlich erfahrenere Taucher seinen Partner auf keinen Fall hätte allein lassen dürfen, selbst wenn dieser damit einverstanden war. Aufgrund seines überlegenen Sachwissens konnte er das Risiko und die Tragweite der Entscheidung besser erfassen als der Verunglückte. Der Taucher hat damit eindeutig gegen den Grundsatz „Tauche nie allein“ verstoßen. Das Gericht sah bereits darin die Ursache für den Tod des Tauchpartners, ohne die genaue Todesursache zu klären und verurteilte den Taucher (LG Darmstadt, AZ: 34 LS – 7 NS).

Cookies auf ARAG.DE

Wir verwenden verschiedene Arten von Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Details und Widerspruchsmöglichkeiten finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

Hier finden Sie das Impressum.

Vielen Dank für Ihr Vertrauen.

Den Link zu unseren Datenschutzhinweisen finden Sie
jeweils am Ende jeder Seite (im Footer-Bereich).