25.08.2021

Beruf Fußball-Schiedsrichter: Aufgaben, Voraussetzungen, Ausbildung

Kein Sport funktioniert ohne Schiedsrichter. Der Mann oder die Frau mit der Pfeife sorgt für einen fairen und reibungslosen Spielablauf – auf und neben dem Spielfeld.

„Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Niederlage oder unentschieden“ – das berühmte Zitat von Franz Beckenbauer bringt es auf den Punkt:
Wer sich für Sport begeistert, der weiß, wie schwer der Job eines Schiedsrichters oft ist. Ein Spiel dauert 90 Minuten und der Schiedsrichter muss die gesamte Spielzeit über möglichst nah am Geschehen sein, um das Spiel beurteilen zu können. War der Ball noch auf der Linie? War das gerade ein Foul? Gibt es dafür eine Gelbe Karte? Und: Stand der Spieler im Abseits oder nicht? Eine einzige Fehlentscheidung kann spielentscheidend sein. Dabei sind Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen die einzigen auf dem Platz, die kein Team und keine Fans hinter sich haben und oft einsame Entscheidungen fällen müssen.

Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen sind weitaus mehr, als Unparteiische auf dem Feld. Sie übernehmen vielmehr die Funktion von Spielmanagern. Dabei sind die Aufgaben und Anforderungen immer umfangreicher geworden. Moderne Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen sind „fit wie ein Turnschuh“ und laufen pro Fußballspiel ca. zwölf Kilometer, treffen dabei 200 Entscheidungen und wenden währenddessen mehr als 120 DFB-Regel-Seiten an. Weiterhin vermitteln sie zwischen 22 Charakteren auf dem Spielfeld, den Mannschafts-Offiziellen und den anwesenden Fans. Ein verantwortungs- und anspruchsvoller Job also.

Wie wird man Schiedsrichter?

Der Beruf des Schiedsrichters ist kein alltäglicher. Genau deshalb sollte man auch besondere Voraussetzungen erfüllen, denn nicht jeder eignet sich für diesen Beruf.

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Wichtige Eigenschaften eines guten Schiedsrichters sind:

Selbstbewusstsein
Durchsetzungsvermögen
Kommunikationsstärke
Gute Ausdrucksweise
Zuverlässigkeit
Körperliche Fitness
Reaktionsschnelligkeit
Entscheidungsschnelligkeit

Sobald Schiedsrichter das Spielfeld betreten, agieren sie als neutrale Personen. Die eigene Meinung steht während des Spiels nicht im Mittelpunkt, sondern einzig und allein die Spielleitung. Äußere Einflüsse durch Trainer oder Zuschauer dürfen sich nicht auf Entscheidungen auswirken. Nichtsdestotrotz kommt es oft zu Konflikten auf dem Spielfeld. Als Unparteiischer greift man frühzeitig ein, kommuniziert mit den Spielern auf neutraler Ebene und sorgt als Konfliktschlichter für einen reibungslosen Ablauf des Spiels.

Schiedsrichter als Beruf – Aufgaben und Voraussetzungen

Man muss Mitglied eines Vereins sein. Um überhaupt Schiedsrichter werden zu können, bedarf es einer qualifizierten Ausbildung mit anschließenden Prüfungen, welche durch intensive Betreuung von Schiedsrichter-Obleuten auf Lehrgängen gewährleistet wird.

Die Karriere als Schiedsrichter oder Schiedsrichterin beginnt im Fußball ganz unten, in den Spielklassen der Jugend. Bevor man sich für höhere Aufgaben des DFB qualifizieren kann, muss man erst sein Können unter Beweis stellen, gerade zu Anfang, unter Aufsicht eines erfahrenen Schiedsrichters. Stellt sich heraus, dass man Talent mitbringt und über einen längeren Zeitraum konstant gute Leistungen zeigt, besteht eine gute Chance, schnell aufzusteigen.

Damit die eigene Leistung mit denen anderer verglichen werden kann, findet jede Saison ein Wettbewerb statt, ähnlich zum Ligabetrieb. Auf der Grundlage von Bewertungen erstellt die zuständige Organisation ein Ranking aller Schiedsrichter, beispielsweise auf Kreisebene. Entscheidend für die Bewertung, sowie Auf- und Abstiege, sind neben Alter und guten Leistungen vor allem die Anzahl der Fortbildungen, an denen die Schiedsrichter teilgenommen haben. Gerade Schiedsrichter im jugendlichen Alter haben genügend Zeit, um ihr Potential voll ausschöpfen zu können.

Um Schiedsrichter-Leistungen bewerten zu können, hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) insgesamt sieben Kategorien entwickelt, woran sie eine gute Schiedsrichter-Leistung messen.

Dazu zählen:

  • 1. Beschreibung des Spiels

  • 2. Regelanwendung, Regelauslegung, Spielkontrolle, taktisches Verhalten

  • 3. Disziplinarkontrolle/Anzahl der persönlichen Strafen

  • 4. Persönlichkeit, Körpersprache, Umgang mit Spielern und Offiziellen, Einsatz

  • 5. Körperliche Verfassung und Stellungsspiel

  • 6. Zusammenarbeit mit den Schiedsrichterassistenten

  • 7. Zusammenfassende Bemerkungen und Verbesserungsvorschläge

Voraussetzung für eine Schiedsrichter-Kariere sind überdurchschnittliche Leistungen und Spitzenplatzierungen im jeweiligen Wettbewerb. Wer es in die oberen Ligen schafft, kann mehr als gut von dem verdienten Gehalt leben.

Ähnlich wie bei den beteiligten Mannschaften, welche sich schon eine gewisse Zeit vor dem Spiel treffen, um ihr Aufwärmprogramm durchzuführen und vielleicht gewisse Taktiken zu besprechen, beginnt die Arbeit eines Schiedsrichters ein bis zwei Stunden vor Spielbeginn. Zu Beginn steht eine Platzbegehung an, bei der Abmessungen und Spielfeldbegrenzungen, Tore sowie Tornetze kontrolliert werden. Anschließend werden die Teams auf das Spielfeld geführt. Nach der Begrüßung der Spieler erfolgt die Seitenwahl, die mit den Spielführern beider Mannschaften durchgeführt wird. Sind die Seiten verteilt, folgt der Anpfiff.

Der Videobeweis

Um Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern entgegenzuwirken, wurde der sogenannte Videobeweis in der ersten Bundesliga eingeführt. Mittlerweile findet dieser in allen großen europäischen Ligen Anwendung und wird auch bei den internationalen Pokalwettbewerben genutzt. Keine Frage, der Videobeweis macht den Fußball gerechter. Das belegen auch die Quoten: In der ersten Videobeweis-Saison 2017/2018 wurden laut DFB 82 Fehlentscheidungen korrigiert. Aber Schiedsrichter werden in allen Spielen und in Ligen gebraucht. Dort gibt es den Videobeweis nicht und sie müssen allein entscheiden.

 

Mit dem fachlichen Knowhow über Regeln und Spielsituationen, sowie einem geschulten Auge für kritische Spiel-Situationen, leitet der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin das Spiel im Hintergrund des Spielgeschehens. Je höher die Liga, desto schneller das Spiel. Deshalb wird es mit der Zeit schwieriger, jedes Foul oder Fehlverhalten situationsgerecht zu bewerten und dementsprechend zu reagieren. Ab einer bestimmten Spielklasse wird der Hauptschiedsrichter von zwei Schiedsrichter-Assistenten an der Seitenlinie unterstützt, welche besonders bei Abseitsentscheidungen unterstützen.

Natürlich kann es während eines Spiels auch mal zu unschönen Szenen kommen. In solchen Situationen ist der Schiedsrichter als Streitschlichter und Ruhepol gefordert, und wirkt deeskalierend auf die beteiligten Spieler ein. In solchen Spielszenen muss der Schiedsrichter mitunter knallhart durchgreifen und auch ein ums andere Mal eine gelbe oder in besonders harten Szenen eine rote Karte verteilen, denn jeder Spieler muss wissen, wann die Grenze des Erlaubten überschritten ist.

Im Anschluss an die Spielzeit steht die Nachbereitung des Spiels an. Jeder Schiedsrichter erstellt den Spielberichtsbogen, auf dem Einzelheiten des Spielgeschehens festgehalten werden. Dazu zählen neben der minütlichen Eintragung von Einwechslungen, Toren und Karten außerdem besondere Vorkommnisse, falls sich beteiligte Spieler oder Zuschauer regelwidrig verhalten haben. Diese können mit Geldstrafen oder Sperren für Spieler und Verein geahndet werden.

Die Aus- und Fortbildung zum Schiedsrichter – Schulung und Eignungs-Prüfung

Seminare, die in den meisten Fällen an Wochenenden stattfinden, gliedern sich in theoretische und praktische Teile. Mithilfe von modernen Lernmethoden vermitteln die Verantwortlichen das Regelwerk und die Umsetzung der Spielregeln. Ein weiterer Bestandteil der Ausbildung ist die Schulung und die Stärkung der Schiedsrichter-Persönlichkeit.

BERUF SCHIEDSRICHTER/SCHIEDSRICHTERIN - VORAUSSETZUNGEN

Mindestalter Die Schiedsrichter-Ordnung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) empfiehlt ein Mindestalter von zwölf Jahren. In einzelnen Landesverbänden wird hiervon abgewichen. Meist ist das Mindestalter 14 Jahre.
Voraussetzungen Die Schiedsrichter-Bewerber und Bewerberinnen müssen Mitglieder in einem Fußballverein sein und die Einsatzbereitschaft mitbringen, jährlich mindestens 20 Spielleitungen zu übernehmen und an Weiterbildungsveranstaltungen an acht bis zwölf Tagen pro Jahr teilzunehmen.
Ausbildung Je nach Landesverband fallen 20 bis 50 Unterrichtsstunden im Zeitraum von drei bis zwölf Ausbildungstagen innerhalb von einer bis sechs Wochen an. Thema: Die Fußballregeln.
Prüfung Es folgt eine schriftliche (Beantwortung von Regelfragen) und auch körperliche Prüfung (zum Beispiel 1.300-Meter-Lauf in sechs Minuten).
Einsätze Nach der Prüfung starten die Einsätze je nach Alter im Junioren- und auch schon im Senioren-Bereich, beginnend in den Basisklassen. Hierbei erfolgt in der Anfangsphase möglichst eine Betreuung durch erfahrene Kollegen ("Paten").
Aufstieg Bei Eignung können gegebenenfalls auf Kreis- und Bezirksebene zwei Klassen in einem Jahr übersprungen werden. Die Eignung für die höhere Spielklasse wird durch Schiedsrichter-Beobachter festgestellt.

Aufstieg in die Bundesliga in etwa acht Jahren möglich

Direkt nach dem Absolvieren der Prüfungen ist man natürlich noch nicht bereit für den ersten Einsatz als Schiedsrichter in der Bundesliga. Der Aufstieg in höhere Spielklassen erfolgt Schritt für Schritt. Ab den Spielklassen der Landesverbände ist ein Verbleib von einem Jahr in einer Klasse notwendig, bevor der nächste Aufstieg möglich ist; zuvor kann es auch etwas schneller gehen. Bis man also in die Bundesliga aufsteigen kann, wird ein Zeitraum von sechs bis acht Jahren notwendig sein. Über den Aufstieg in die nächst höhere Liga entscheiden auch hier die Schiedsrichter-Beobachter. Wer sich nun entschieden hat, die Ausbildung zum Schiedsrichter oder zur Schiedsrichterin zu machen, sollte sich an seinen Fußball-Landesverband wenden.

 

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