02.01.2013

Streit ums Erbe

Enterbt ein Vater seinen Sohn testamentarisch, drängt sich die Vermutung auf, dass sich die Mitglieder dieser Familie schon länger nicht sonderlich liebevoll zugetan sind. Mit so einem Zwist hatte sich das OLG Hamm zu befassen. Nach dem Tod des Vaters kam für den Sohn bei der Testamentseröffnung die böse Gewissheit. Er war von seinem alten Herrn enterbt worden, weil er angeblich ca. 14.000 Euro veruntreut hatte.

Der Sohn hatte sich das Geld geliehen, angeblich um die zweite Etage des Familienhauses zu renovieren. Tatsächlich wurden die Euros für eigene geschäftliche Zwecke verwand. Ein weiterer Grund dafür, dass der Sohn leer ausgehen sollte, war der Vorwurf, er habe sich nie um seinen Vater gekümmert. Der Enterbte focht das Testament an und verlangte von seiner Schwester, der Alleinerbin, den Pflichtteil.

ARAG Experten wissen, dass sich der Pflichtteil auf die Hälfte dessen beläuft, was einem Enterbten ohne Testament laut Gesetz zugestanden hätte. Dieser Teil kann nur unter engen Voraussetzungen entzogen werden. Die Oberlandesrichter entschieden, dass diese im konkreten Erbstreit nicht vorgelegen haben, und die Veruntreuung des Geldes durch den Sohn keine grobe Missachtung des Eltern-Kind-Verhältnisses dargestellt hat. Dem Sohn sei daher sein Pflichtteil zuzusprechen (OLG Hamm, Az.: 10 U 111/06).