08.03.2013

Schulden erben

Nach dem Tod eines Verwandten müssen bereits nach kurzer Zeit Entscheidungen formaler Natur getroffen werden. Da nicht nur Vermögenswerte, sondern auch Verbindlichkeiten übernommen werden müssen, raten ARAG Experten, sich im Kreise der Erbberechtigten den Antritt des Nachlasses wohl zu überlegen. Zu den finanziellen Verpflichtungen zählen neben den privaten Verbindlichkeiten des Verstorbenen auch die Kosten für Bestattung, ein angemessenes Grabmal, die Anlage der Grabstätte und ähnliche Nebenkosten.

Frist für die Ausschlagung des Erbes beachten

Für die Entscheidung pro oder contra Erbe ist eine gesetzliche Frist von sechs Wochen angesetzt, während dieser der Nachlass auch ausgeschlagen werden kann. Die Frist beginnt mit dem Tag, an dem die Hinterbliebenen vom Tod des Erblassers erfahren haben. Sind entferntere Verwandte erbberechtigt, beginnt der Ausschlagungszeitraum mit dem Zeitpunkt der Kenntnis über ihr Erbrecht. Kommen die Erben nach Überschlag der Erbmasse zu dem Entschluss, den Nachlass abzuweisen, muss dies fristgerecht vor Ablauf der sechs Wochen dem Nachlassgericht beim Amtsgericht erklärt werden. Diese so genannte Erbausschlagung kann auch durch ein notariell beglaubigtes Schreiben an das Nachlassgericht erfolgen.

Haben die Hinterbliebenen bei der Höhe des zu erwartenden Erbes geirrt, bleibt ihnen noch die Möglichkeit der Annahmeanfechtung. Sie erklären sodann vor Gericht, dass sie von den Schulden im Nachlass überrascht wurden, sich also diesbezüglich geirrt haben. Hier gilt eine Frist von sechs Wochen, beginnend mit dem Zeitpunkt, an welchem die Hinterbliebenen von der Überschuldung erfahren haben.

Bevor das Erbe angetreten wird, haftet der Nachfahre nur mit dem Nachlassvermögen und nicht mit dem eigenen. Er darf währenddessen nicht von möglichen Gläubigern verklagt werden. Oft genug ist eine genaue Übersicht über die finanziellen Verhältnisse des Verstorbenen schwer zu ermitteln, so dass es sich lohnte, per Aufgebotsverfahren die Außenstände zu ermitteln. Dadurch wird in einem gerichtlich festgelegtem Zeitraum den Gläubigern die Möglichkeit geboten, ihre Ansprüche anzumelden. Zu spät vorgetragene Forderungen werden nur durch das Nachlassvermögen beglichen. Dieses Verfahren muss durch den Erbnehmer spätestens ein Jahr nach Antritt des Erbes beantragt werden.

Einen Nachlassverwalter bestellen

Während der Erbe bei dem Aufgebotsverfahren selbst mit den Gläubigern über deren Ansprüche verhandelt, kann der Unsichere die Bestellung eines Nachlassverwalters beantragen. Durch die Nachlassverwaltung, die gleichwohl mit Kosten verbunden ist, bleibt das eigene Vermögen vor finanziellen Zugriffen geschützt. Nach Regulierung aller angemeldeten Verbindlichkeiten wird das verbleibende Erbe ausgezahlt. Allerdings darf während der Nachlassverwaltung natürlich nicht auf das Erbe zugegriffen werden und die Dauer des Prozedere beträgt gemeinhin zwei Jahre oder länger.

Sollte das Gericht bei der Überprüfung des Antrags auf Nachlassverwaltung eine tatsächliche Überschuldung feststellen, lehnt es den Antrag rundweg ab. An Stelle dessen empfiehlt es dem bedauernswerten Erben, ein Nachlassinsolvenz-Verfahren einzuleiten, welches aber binnen dreier Tage nach Kenntnis der Überschuldung zu beantragen ist. Im Rahmen des Insolvenzverfahrens bleibt das Vermögen des Erben unangetastet, die Gläubigeransprüche werden, so- weit möglich, nur aus dem Nachlass beglichen. Genehmigt das Gericht besagtes Vorgehen, bestellt es den Insolvenzverwalter, der allen Bedürfnissen Rechnung zu tragen hat.

Guter Rat von ARAG Experten

ARAG Experten empfehlen, entweder die benannten Fristen auszuschöpfen oder sich von vornherein dem Rat eines Fachmannes anzuvertrauen. Es will bedacht sein, dass nicht nur mögliche finanzielle Hinterlassenschaften begehrlich erscheinen – oftmals liegt der persönliche Schatz im ideellen Wert einiger Erbstücke. Mit der Ausschlagung der Erbschaft geht allerdings jeder Anspruch auf Teile der Erbmasse verloren, wie Briefe, Erinnerungsfotos oder sonstige Devotionalien.