Eltern haben laut Bürgerlichem Gesetzbuch die Pflicht, ihre Kinder zu pflegen, zu erziehen und zu beaufsichtigen. Die Erziehung verantwortungsbewusster Eltern bewegt sich zwischen Kontrolle und Loslassen, zwischen Aufsichtspflicht und der Selbstständigkeit des Nachwuchses. Und dann sind da noch die Zeiten, in denen Eltern ihre Kinder mitsamt der Aufsichtspflicht in fremde Hände abgeben. In der Kita, in der Schule und auch beim Vereinssport. Wo genau die Aufsichtspflicht von den Eltern an andere Personen übergeht und was diese dann wissen sollten, erklären wir in unserem Artikel.

 

Wann beginnt die Aufsichtspflicht von Trainern und Übungsleitern?

Im Fall von Sportvereinen ist es so, dass die Eltern ihre Aufsichtspflicht für Kinder und Jugendliche an den Verein übertragen. Dieser delegiert sie wiederum an seine Trainer und Übungsleiter. Diese Übertragung geschieht per Vertrag. Das muss aber kein schriftlicher Akt sein. Eine Absprache reicht. Oder ein Signal: Der Übungsleiter signalisiert, dass er in dem Moment die Aufsichtspflicht übernimmt, in dem er die Tür zur Turnhalle aufschließt. Wann genau die Aufsichtspflicht von Eltern an Übungsleiter übergeht, bedarf also einer präzisen Absprache.

Unser Praxistipp: Elternabend für mehr Sicherheit und Transparenz

Wir empfehlen regelmäßige Elternabende, besonders aber einen zu Saisonbeginn, wenn neue Kinder dazustoßen. Hier kann unmissverständlich und transparent geklärt werden, wo die Aufsichtspflicht der Eltern aufhört und die des Vereines beginnt.

Im Grunde genommen beginnt bei Sportveranstaltungen mit Minderjährigen die Aufsichtspflicht mit dem Kommen der ersten Kinder und endet, wenn das letzte Kind abgeholt worden ist. Für den Hin- und Rückweg von zu Hause zur Sportstätte besteht übrigens keine Aufsichtspflicht für den Verein.

Machen Sie Eltern darauf aufmerksam, dass eine Unfallversicherung für Kinder eine optimale Absicherung bietet. Diese kann privat abgeschlossen werden und die Basisabsicherung des eventuell über den Verein bestehenden Unfallschutzes ergänzen.

 
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Checkliste für den Elternabend zum Thema Aufsichtspflicht

  • Informieren Sie über den genauen Beginn und das Ende der Sportveranstaltung.
  • Legen Sie fest, welcher Übungsleiter wann vor Ort ist und wer ihn vertritt, wenn er sich verspäten sollte oder ausfällt.
  • Notieren Sie, welche Kinder gebracht und geholt werden beziehungsweise, wer die Eltern dabei vertreten darf.
  • Besprechen Sie, was passieren soll, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht. Wenn beispielsweise das Training auf dem Sportplatz frühzeitig abgebrochen werden muss, weil plötzlich ein Unwetter aufzieht. Oder wenn das Training wegen eines Notfalls ausfallen muss.
  • Sprechen Sie ab, ob und unter welchen Voraussetzungen die Aktivitäten oder der Ort der Übungsstunde kurzfristig verlegt werden dürfen. Ein Beispiel: Ob der Übungsleiter die Kinder nach dem Sport spontan auf ein Eis in der nahe gelegenen Eisdiele einladen darf. Unser Tipp: Wenn Sie sich die schriftliche Erlaubnis der Eltern für solche Aktivitäten einholen und solche Ausflüge vom Vorstand genehmigen lassen, handelt es sich um eine Vereinsveranstaltung, die versichert ist.
  • Legen Sie fest, was geschehen soll, wenn ein Kind von einer Veranstaltung ausgeschlossen werden muss, etwa, weil es stört oder den Anweisungen des Übungsleiters nicht folgt.

Was müssen Trainer und Übungsleiter tun, um ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen?

Aufsichtspflichtige sollten

  • beobachten,
  • überwachen,
  • belehren und
  • aufklären.

Es kommt dabei immer auf das Alter, die Kenntnisse und die Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen an. Konkret bedeutet das, dass die Gruppe weiß, wie sie sich verhalten soll, wenn der Übungsleiter kurz abwesend ist, möglicherweise nur, um die Toilette aufzusuchen.

Im Fall der Fälle sollten Trainer gefährliche Beschäftigungen beenden, gefährliche Gegenstände wegschließen und das älteste oder vernünftigste Kind auffordern, Hilfe zu holen, wenn etwas passiert. Selbstredend darf man seine Schützlinge nur aus einem wichtigen Grund alleine lassen; eine schnelle Zigarette neben der Turnhalle gehört nicht dazu.

 
 
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Wertvolle rechtliche Tipps für Übungsleiter, Trainer, Jugendleiter und Betreuer

Der Landessportbund Nordrhein-Westfalen hat zusammen mit dem Versicherungsbüro bei der Sporthilfe NRW e.V., der ARAG Sportversicherung und der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft die umfassende Broschüre „Wie soll ich mich verhalten?“ herausgegeben. Dort werden 50 Fragen zu den Themen Recht und Versicherung beantwortet, darunter einige auch zur Aufsichtspflicht.

 

Wer haftet, wenn die Aufsichtspflicht verletzt wurde?

Denken Sie beim Thema Aufsichtspflichtverletzung auch zuerst an das gelbe Baustellen-Schild „Betreten verboten. Eltern haften für ihre Kinder“? Doch so einfach, wie es sich die Baustellenbetreiber damit machen wollen, ist es nicht. Es kommt immer auf den Einzelfall an, also auf die Situation und das Alter der Kinder. Und darauf, ob die Eltern oder auch die Übungsleiter die Kinder aufgeklärt haben, was sie dürfen oder nicht. Schließlich haften Eltern wie Übungsleiter beziehungsweise deren Vereine nur, wenn sie ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind.

Wenn ein Kind verletzt wird, etwas beschädigt oder einen Dritten schädigt, geht man aber erst einmal davon aus, dass der Aufsichtspflichtige seine Aufsichtspflicht verletzt hat und für den Schaden verantwortlich ist. Dieser muss dann beweisen, dass dem nicht so ist oder der Schaden auch bei ausreichender Beaufsichtigung und ständiger Belehrung entstanden wäre.

Die Regeln

  • Eltern haften nur, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.
  • Kinder unter sieben Jahren haften nie selbst. Für Schäden, die sie verursacht haben, müssen Eltern nur aufkommen, wenn sie ihre Pflichten verletzt haben. Der Geschädigte geht ansonsten leer aus.

Auch Übungsleiter haften

Als Übungsleiter haften Sie persönlich, wenn Sie die Aufsichtspflicht verletzen. Gut zu wissen: Sie sind über eine gegebenenfalls bestehende Vereinshaftpflichtversicherung mitversichert. Da Sie im Regelfall vom Verein beauftragt sind, steht Ihnen ein Freistellungsanspruch gegen den Verein zu. Dies bedeutet, dass der Verein Sie von Schadensersatzansprüchen Dritter freistellen muss. Nach außen haften Sie allerdings möglicherweise erstmal.
Zusätzlich können Sie sich privat haftpflichtversichern. Achten Sie bei einem Abschluss darauf, dass Ihre Privathaftpflichtversicherung auch im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeit für einen Verein gilt.

Verletzen Sie die Aufsichtspflicht, hat das strafrechtlich Folgen. Sie können wegen fahrlässiger Körperverletzung oder im Extremfall fahrlässiger Tötung angeklagt werden. Hier hilft ein Rechtsschutzvertrag des Vereins oder eine private Rechtsschutzversicherung.

Der passende Praxisfall

Lesen Sie, was der kleinen Vicky beim Ausflug der Turngruppe in einen Kletterpark passierte und wie die ARAG Sportversicherung helfen konnte.

Heikle Themen

Die Aufsichtspflicht in Umkleide und Dusche

Wenn die Aufsichtspflicht mit dem Kommen und Gehen der Kinder zu tun hat, schließt sie selbstverständlich auch die Umkleideräume und Duschen in Turnhallen und Schwimmbädern mit ein. Auf der anderen Seite steht selbstverständlich der Respekt vor der Intimsphäre der Sportler.

Unsere Praxistipps:

  • Gemischtgeschlechtliche Gruppen sollten im Idealfall einen weiblichen und einen männlichen Übungsleiter haben.
  • Wer als Aufsichtspflichtiger die Umkleidekabine betritt, sollte einen guten Grund dafür haben und es durch Ansagen oder Anklopfen ankündigen.

Die Aufsichtspflicht bei einer Ferienfreizeit

Verreisen minderjährige Vereinsmitglieder, besteht die Aufsichtspflicht grundsätzlich rund um die Uhr. Sie ruht allerdings, wenn die Begleiter sicher sein können, dass alle Kinder und Jugendlichen schlafen. Aber auch nur so lange alles ruhig bleibt. Hört man nachts verdächtige Geräusche aus den Schlafräumen, startet auch die Aufsichtspflicht wieder.

In Absprache mit den Eltern kann die Aufsichtspflicht für gewisse Aktivitäten gestoppt werden. Der Klassiker: Die Kinder dürfen unbeaufsichtigt den nahe gelegenen Ort besuchen. Lassen Sie sich solche Dinge vor der Abreise stets von den Eltern unterschreiben. Nur wenn die Eltern zugestimmt haben, erlischt die Aufsichtspflicht der Begleitpersonen.

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