Aufsteigen, hinfallen, wieder aufs Brett – und weiter. Europa , Afrika, Asien, Zentral- und Südamerika. Titus Dittmann hilft heute in Krisengebieten weltweit. Mit dem Skateboard. Für eine bessere Zukunft.

Manchmal reicht das kurze Aufschnappen einer Geschichte. In den Medien, von Freunden oder Bekannten. Eine reale Geschichte, die nicht loslässt, weil sie begeistert und animiert, selbst aktiv zu werden. Zum Beispiel im Ehrenamt oder in der gemeinnützigen Arbeit – so war es bei Titus Dittmann. Pädagoge, Mehrfach-Gründer – und Macher von skate-aid.

2010 übergab er die Geschäfte an seinen Sohn und las von einem inspirierenden Projekt: Ein Australier, der Kindern in Afghanistan das Skateboarden beibrachte.

Titus und das Skateboarding

Dass Skateboarding wirklich lebensverändernd sein kann, zeigt Titus‘ eigene Geschichte: 1968 machte er Abitur, war geprägt von damaligem Zeitgeist. Also blieben für ihn nur eine Handvoll Berufe: Kindergärtner, Sozialarbeiter, Krankenpfleger – oder Lehrer. Er entschied sich fürs Lehramt. Letztlich die richtige Entscheidung, weil er früh merkte, dass er unglaublich gern mit Jugendlichen arbeitete. 1977 kam er dann das erste Mal mit echten Skateboardern in Kontakt – und war sofort fasziniert: „Ich habe plötzlich gemerkt, dass dort Jugendliche für etwas brennen. Dass sie motiviert sind ohne Ende. Dass sie Schmerzen ertragen, auf die Schnauze fallen, wieder aufstehen. Und diese Kraft, die habe ich sofort gespürt.“ Also brachte Titus das Skateboard in den Schulunterricht und schrieb die erste wissenschaftliche Arbeit zum Thema Skateboarding.

skate-aid: Bretter für die Welt

Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens

Aber es ging noch weiter – schließlich brauchten die Kids und Jugendlichen zum Skateboarden auch gutes Material. Erst in der Schule, dann in Münster und schließlich darüber hinaus. Titus importierte Skateboard-Equipment, schließlich wurde ein Unternehmen daraus: die Titus GmbH. Aus einem Skateboard-Contest, den er mit ins Leben rief, wurde einer der wichtigsten. Aus seinem Skateboard-Magazin, eines der größten in Europa. Er gründete ein Jugendhaus. Große Erfolge, aber es gab auch immer wieder Rückschläge: 2002 scheiterte ein Börsengang, das Unternehmen stand kurz vor dem Ende. Titus machte aber trotzdem weiter und sanierte es.

Hoffnung für eine ganze Generation

2010 übernahm sein Sohn Julius Dittmann die Titus GmbH. Zu genau dieser Zeit las Titus von besagtem Australier, der in Kabul eine Skateboard-Schule eröffnet hatte. Besonders faszinierend für Titus, da er bisher nur in Deutschland mit Jugendlichen gearbeitet hatte, aber nie im Ausland. In diesem Moment wurde klar: „Das Skateboard ist noch zu viel mehr in der Lage, als nur hier jugendliche Persönlichkeitsbildung zu betreiben. Es kann tatsächlich helfen, einer ganzen Generation Hoffnung zu geben. Gerade in Krisen-und Kriegsgebieten.“

skate-aid: Bretter für die Welt

Die Gründung von skate-aid

Als Lehrer und Unternehmer konnte er schon viel für die Jugendkultur Skateboarding tun und bewegen, jetzt wollte er mit dem Skateboard weltweit Jugendlichen helfen. Also gründete er skate-aid. Was anfing mit bloßem Sammeln alter Skateboards, die Titus persönlich und tonnenweise von Deutschland nach Afghanistan brachte, entwickelte sich zu einer Organisation mit über 20 gemeinnützigen Projekten auf vier Kontinenten.

Skateboarding in Kriegs- und Krisengebieten

Heute bauen Titus und seine Unterstützer Sportanlagen, Skateparks, sie geben Skateboard-Unterricht und Workshops in Kriegs- und Krisengebieten. Die Absicht dahinter: Kindern und Jugendlichen mit dem Skateboard ein Ausdrucksmittel an die Hand zu geben, ihnen Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung zu vermitteln: „Wenn die Kinder immer genau das machen würden, was die Eltern machen, würde sich keine Gesellschaft entwickeln. Nur starke Jugendliche sind in der Lage, ihr Wertesystem durchzuboxen.“

Also macht skate-aid weiter, mit dem Skateboard in Afrika, Asien, Amerika und Europa. Seine Arbeit betrachtend sagt Titus: „Das hat mein Leben verändert, weil ich gemerkt habe, dass man auch ohne Geld, mit sehr viel Engagement – oder mit wenig Geld, an der richtigen Stelle angesetzt – unglaublich viel bewegen kann. Wenn man das richtige Werkzeug hat.“

skate-aid: Bretter für die Welt
skate-aid: Bretter für die Welt

Das Afghanistan-Board

Bezeichnend für skate-aid ist ein altes Skateboard: allein Bretter und rostige Nägel halten es zusammen. Es gehörte einem Jungen aus Afghanistan und war einst nagelneu. Titus brachte es persönlich nach Kabul, wo er es drei Wochen später völlig abgefahren vorfand. Titus wollte es unbedingt als Erinnerungsstück mit nach Deutschland zurücknehmen. Aber der Junge klammerte sich daran und gab es erst her, als er ein neues dafür bekam. Seitdem steht es neben Titus‘ Schreibtisch: „um mich daran zu erinnern, was das Wichtigste im Leben ist: Das Herz muss brennen.“

skate-aid: Bretter für die Welt
Die ARAG unterstützt die Stiftung skate-aid.

Echtes Leben. Echte Inspiration.

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