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Das ist auch bei Familien angekommen, die ein Au-pair-Mädchen suchen. Denn während früher meist junge Küken in dieser Funktion die Welt erkundeten, haben jetzt auch Ältere die Möglichkeit dazu. ­Frauen, die in ihren jungen Jahren nicht ins Ausland ­gehen konnten. Zu verdanken haben sie das ­Michaela Hansen – der Gründerin von Granny Aupair.

Neue Ideen der Gründerin

Martina Schneider ist Au-pair-Mädchen. Aktuell lebt sie bei einer Familie in Australien, betreut die Kinder und liebt es, am Strand zu spazieren. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Eigentlich. Denn Frau Schneider ist kein Teenie, sondern eine Dame von 77 Jahren. Wie viele andere sogenannte „Leih-Omas“ hat auch sie sich entschlossen, endlich ihren Traum von einem längeren Auslandaufenthalt wahr zu machen. Bei Granny Aupair. Einem Online-Portal, das Frauen über 50 mit Gastfamilien auf der ganzen Welt zusammenbringt – und von Michaela Hansen gegründet wurde.

Auch Hansen wollte schon immer die Welt bereisen. Einfach die Koffer packen und für Monate verschwinden. Doch die Erfüllung dieses Wunsches war ihr nicht vergönnt. Denn die heute 55-Jährige musste schon in jungen Jahren viel Verantwortung übernehmen: Mit 20 wird sie das erste Mal Mama. Ein Jahr später kommt das nächste Baby zur Welt. Familie und Job nehmen also jede Menge Zeit in Anspruch. Die große weite Welt? Die muss warten.

Wie alles begann

So wie Michaela Hansen geht es vielen Frauen im fortgeschrittenen Alter. Eine frühe Mutterschaft, mangelnde finanzielle Möglichkeiten oder die Karriere ließen wenig Raum, um sich in ein Auf-und-davon-Abenteuer zu stürzen. Die Sehnsucht danach vergeht aber meistens nicht. Und genau diese Sehnsucht war bei Michaela Hansen eines Abends wieder da. „Ich habe eine Sendung geschaut“, erinnert sich die Hamburgerin. „Es war eine Reportage über junge Au-pairs, die sich mit den Kindern und dem Haushalt abgemüht haben. Da dachte ich: 'Mensch, das könnten ältere, lebenserfahrene Frauen doch viel besser als die jungen Mädchen, die vielleicht lieber reisen oder feiern wollen.' “

Gleichzeitig denkt die Unternehmerin, dass es bestimmt jede Menge Frauen gibt, die den unerfüllten Wunsch von der großen weiten Welt haben. Ältere Frauen, die genau wie Hansen früh Mutter wurden oder jung heirateten und ihren Lebenstraum vom Ausland zur Seite schieben mussten. „Dieser Gedanke hat mich wie ein Donner getroffen“, erklärt Michaela Hansen. Sie recherchiert also im Internet, ob es auch Au-pair-Angebote für ältere Semester gibt. Doch Fehlanzeige. Eine ähnliche Idee hat noch niemand umgesetzt. Hansen nimmt das als willkommene Einladung: Sie denkt sich den Namen „Granny Au­pair“ aus und lässt ein Logo und eine Website entwickeln. Doch die Initialzündung kommt bei einem Gespräch mit einer befreundeten Familie aus Kanada. Sie findet ihre Idee großartig und würde liebend gern eine Leih-Oma aufnehmen.

 

Das könnten ältere, lebenserfahrene Frauen doch viel besser als die jungen Mädchen, die vielleicht lieber reisen oder feiern wollen.

Interesse von der Presse

Die Hamburgerin schickt eine Pressemeldung raus, in der sie ihre Idee vorstellt und ältere Damen dazu aufruft, sich für die Au-pair-Stelle in Kanada zu bewerben. Die Reaktionen übertreffen alle Erwartungen: „Schon nach 20 Minuten haben die ersten Journalisten angerufen und nach Interviews gefragt“, erzählt die Gründerin. „Dann erschienen verschiedene Berichte und jede Menge Frauen meldeten sich, die unbedingt als Leih-Oma ins Ausland wollten.“

Und so geht’s

Der Weg zur Traum-Granny

Das Portal funktioniert wie eine Partner-Börse: Die Interessenten legen ein Profil an, stellen sich vor und suchen nach Kontakten. Die potenziellen Leih-Omas sehen, welche Familien in welchen Ländern gerade eine Granny suchen, und umgekehrt können sich die Familien über die Omis schlaumachen. Gegen eine Gebühr wird dann der Kontakt hergestellt. Verstehen sich beide Seiten gut, kann es losgehen. Und damit die Leih-Omis perfekt vorbereitet sind, bietet Hansen entsprechende Workshops an, in denen die interessierten Damen alles Wichtige rund um ihren Auslandsaufenthalt erfahren.

Eine der ersten Damen, die vermittelt wurde, war eine ehemalige Landwirtin, die drei Kinder großgezogen hat und immer schon davon träumte, ins Ausland zu gehen. Ihre Tochter entdeckt das Portal von Michaela Hansen und gibt den entscheidenden Tipp. Die Dame besorgt sich extra einen Laptop, macht bei ihrem Neffen einen Crash-Kurs in Sachen Internet und besucht sogar einen Englisch-Kurs in der Volkshochschule. Über Granny Aupair findet sie schließlich eine Familie in Kanada, bei der sie dann fünf Monate als Leih-Oma verbringt – und ein Jahr darauf gleich nochmal hinreist.

Michaela Hansens Idee ist also mehr als nur ein Online-Portal. Oft ist es ein echter Anstoß, der ganz neue Horizonte eröffnet. Viele der älteren Damen beginnen sich intensiver mit einem Computer und dem Internet auseinanderzusetzen. Sie lernen eine weitere Sprache und setzen sich neue Ziele. „Bei der Gründung von Granny Aupair wollte ich, dass die Menschen nicht nur die Welt entdecken können, sondern sich auch einbringen“, erläutert Hansen. „Dass sie Dinge machen, die auch Jüngere tun, statt möglicherweise wegen ihres Alters auf dem Abstellgleis zu landen.“

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Lebenserfahrung zahlt sich aus

Viele Leih-Omas haben selbst Kinder großgezogen. Daher ist für sie die Kinderbetreuung meist ein Klacks. Sie backen und kochen gerne und freuen sich auch auf Ausflüge oder Spieleabende mit der Familie, statt bis in die Puppen feiern zu gehen. Bei jungen Au-pairs sieht das oft anders aus. Michaela Hansen beobachtet, dass viele Leih-Omas zum festen Teil der Familie werden. Nicht wenige Kinder haben keine Oma mehr, sodass tiefe Bindungen entstehen. „Eine Granny, die in Belgien untergekommen ist, erzählte mir, dass der fünfjährige Junge aus der Gastfamilie sein Sparschwein geschlachtet hat, als die Leih-Oma nach ihrem mehrmonatigen Aufenthalt wieder nach Hause fahren wollte. Er hat sie gefragt, ob das Geld reichen würde, damit er mitkommen könnte“, erinnert sich die Gründerin. Der Kontakt zwischen Familie und Leih-Oma bleibt in den meisten Fällen noch weit über den Auslandsaufenthalt hinaus bestehen. Viele Damen wiederholen ihr Au-pair-Jahr bei den Familien. Andere bleiben gleich über mehrere Jahre. Dass es sie dabei manchmal bis ans Ende der Welt verschlägt, ist vielen willkommen.

Granny Aupair vermittelt die Omis in aller Herren Länder, u.a. auch in exotische Länder wie Südamerika, Uganda, China oder die Seychellen. Mehrere Omis fanden es interessant, in den Ural zu gehen – auch wenn dort minus 30 Grad herrschten. Mittlerweile stehen sind mehr als 1000 Damen in über 50 Länder gereist. Dafür erhielt Granny Aupair zahlreiche Preise. Darunter die Auszeichnung „Deutschland – Land der Ideen“, die von der Bundesregierung verliehen wird.

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Neue Ideen der Gründerin

Michaela Hansen ruht sich auf ihren Erfolgen nicht aus. Viel eher nutzt sie sie als Ansporn, um weitere Einfälle zu realisieren. So können die Leih-Omis auch soziale Projekte im Ausland begleiten, statt bei einer Gastfamilie zu wohnen. Oder sie werden Mitglied beim Granny-Sprachenclub. Einem Programm, bei dem die Interessentinnen längere Sprachreisen in einem von 30 Ländern unternehmen können – und zwar in Schulen, die spezielle Kurse für Senioren anbieten. Und für alle Omis, die keine Lust haben, ins Ausland zu gehen, gründete Michaela Hansen das Portal „Granny als Nanny“. Dort haben Frauen über 50 die Möglichkeit, Kinder in der eigenen Stadt zu betreuen, ohne bei der Familie wohnen zu müssen.

Und wie sieht es mit den Fernweh-Träumen von Michaela Hansen aus? Konnte sie sich mittlerweile den Wunsch von einer längeren Reise erfüllen? „Bei den vielen Projekten kam ich noch nicht dazu“, erklärt die Gründerin. „Aber wenn ich die Zeit hätte, würde ich mir London aussuchen – oder Indien.“ Doch im Grunde ist es egal, wohin ihre Reise gehen sollte – denn das richtige Online-Portal, um eine passende Gastfamilie zu finden, hat sie ja schon mal zur Hand.

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