MC Rene gilt als Urgestein des deutschen Hip-Hop. Doch irgendwann kam ein Punkt, an dem er nicht mehr weiterkam. Kurzerhand tauschte er sein altes Leben gegen eine Bahncard, um künftig als Comedian durch die Republik zu ziehen. Eine echte Geschichte, ebenso so verrückt wie inspirierend.

René El Khazraje, geboren 1976 in Braunschweig, deutsch-marokkanische Wurzeln. In den 90er Jahren machte er sich als MC Rene einen Namen im jungen deutschen Hip-Hop, 1995 erschien sein erstes Album „Renevolution“. Es folgten weitere Alben, Features, Tourneen.

René moderierte außerdem das VIVA Hip-Hop-Magazin „Mixery Raw Deluxe“, gründete sein eigenes Label „Marraca$h Music“. Eine erfolgreiche Musik-Karriere, 2005 veröffentlichte er sein bis dato letztes Soloalbum „Der Letzte Marokkaner“. Dann wurde es still um MC Rene.

Wenn schon kaltes Wasser, dann richtig.

Hip-Hop war über die Jahre mehr und mehr zum Business geworden. Doch die Musik allein reichte für René nicht, um sich über Wasser zu halten. Also versuchte er sich an einem klassisch bürgerlichen Leben. Was eine Zeit lang durchaus funktionierte. Unter dem Pseudonym Stefan Eckert arbeitete er in einem Call-Center – doch dann … dann kam die Sehnsucht zurück. Der Wunsch nach einem anderen Leben, raus aus dem Trott, wieder in den Trubel. Weiter als Stefan Eckert arbeiten, Versicherungen an den Mann bringen – eine Sackgasse, aus der René einen Ausweg suchte. Aber zurück zur Musik? Nein.

Dann stand plötzlich eine verrückte Idee im Raum. Aber sie fesselte ihn mehr und mehr: Comedy. Eine neue Karriere als Stand-up-Comedian. Warum auch nicht? Es würde zwar ein Start bei Null, doch wenn schon der Sprung ins kalte Wasser, dann richtig. Also kündigte Rene seine Wohnung, verkaufte und verschenkte Hab und Gut, ließ das alte Leben komplett hinter sich. Mit einer Bahncard 100, einem Koffer und einer groben Idee zog er los.

 

"Es war nur in meinem Kopf. Und auf einmal ist es Realität geworden."

MC Rene

René tourte also wieder durch die Republik. Allerdings füllte er keine Hallen, vor den Türen warteten keine Fans. Er schlug sich durch Landgasthöfe und Fußgängerzonen, zog von Kneipen zu Kleinstadtbühnen, reiste von einem Bahnhof zum nächsten. Feilte an seinem Comedy-Programm, nahm irre Nebenjobs an, lernte Land, Leute und ihre Eigenarten kennen. Eine mehrjährige Reise voller Wahnsinn und Erfolgsmomente. Das Beste: René schaffte es tatsächlich als Stand-up-Comedian zurück auf die Bühne. Eine Geschichte, die er 2012 in einem Buch festhielt. Der treffende Titel: „Alles auf eine Karte“.

Er blieb auf der Schiene, ging mit seinem Buch auf Rap-Lesetour. Berichtete dort in Songs und Storys von seinem Weg zurück auf die Bühne. Denn nur lustig sein – auf Dauer zu wenig. Zumal er sich selbst nicht allein als Comedian versteht. Autor, Musiker, Entertainer: Der Schritt ins Ungewisse und die Zeit als Bahn-Nomade eröffneten ihm neue Chancen. Und René griff zu.

MC Rene

Am Ziel.

Heute ist René vor allem eins: angekommen. Von einer Mammut-Tour, auf der er sich zuerst neu erfand, um schließlich zu sich selbst zurückzufinden. Eine echte Odyssee, auf der er an Niederlagen gewachsen ist und gestärkt seinen ganz eigenen Weg geht. Nicht unbedingt der bequemste Weg. Aber René verfolgt ihn mit Erfolg und Begeisterung.

Er lebt sich heute mehr als je zuvor als Künstler aus, bleibt ein Freigeist und kann davon leben. Aktuell nimmt er ein neues Album auf.

Mehr echtes Leben. Mehr echte Inspiration.

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