Haben Sie heute in einen Apfel gebissen? Dann können Sie jemandem ganz Bestimmten danken: Bienen. Sie sind für die Bestäubung von Pflanzen unverzichtbar – und doch seit Jahren gefährdet. Johannes Weber kämpft dagegen an und hat für sie ein Zuhause entwickelt, das jeden Balkon-Besitzer zum Imker macht. Und obwohl er auf viele kritische Stimmen stieß, setze er seinen Plan unbeirrt durch – ganz nach der Einstellung, die auch die ARAG tagtäglich fördert: Auf ins Leben!

„Na? Wie geht es euch heute?“ Johannes Weber spricht mit seinen Haustieren. Der Unterschied ist nur, dass Johannes nicht ein oder zwei tierische Freunde hat – sondern 45.000. Weber ist Hobby-Imker und kümmert sich um ein ganzes Bienenvolk. Doch nicht etwa draußen auf dem Land, sondern auf seinem Balkon im Herzen von Berlin. Mit einer eigens entwickelten Box, die den kleinen Insekten das ganze Jahr über als Behausung dient.

Ohne die Biene, gibt es bald keine Menschen mehr

Wie kommt man dazu, ein Heim für Bienen zu errichten und seinen Balkon mit einem summenden Hofstaat zu teilen? Und das noch mitten in der Stadt? Eine der besten Antworten darauf stammt angeblich vom wohl bekanntesten Physiker der Welt: Albert Einstein. „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben: keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Und damit brachte das Genie die Sache auf den Punkt. Bienen sorgen für die Bestäubung von 75 Prozent der Kultur- und Nutzpflanzen in Europa. 4.000 Obst- und Gemüsesorten sind von der Bestäubung durch die Bienen abhängig. Darunter zum Beispiel Äpfel, Kirschen oder Birnen. Nach Rindern und Schweinen landen die Insekten damit auf Platz drei der wichtigsten Nutztiere in Deutschland. Und doch ist ihre Lage bedenklich: Allein hierzulande ist die Zahl der Bienenvölker von 2,5 Millionen im Jahr 1952 auf unter eine Million heute gesunken. Johannes Weber hat sich dessen angenommen – und die Bienenbox entwickelt.

 

Wir möchten die Menschen für das Thema begeistern und eine Mischung zwischen Umweltschutz und einem schönen Hobby schaffen.

Die Bienenbox
 

Johannes entwickelt den ersten Prototypen

Weber hat erneuerbare Energien studiert und kam schon als Kind durch seinen Großvater mit der Imkerei in Berührung. „Als ich nach Berlin gezogen war, habe ich zunächst einen Garten in einem Innenhof einer Mieter-Gemeinschaft aufgebaut“, erzählt Johannes. „Wir hatten dort Tomaten und anderes Gemüse. Dann kam auch die Idee auf, Bienen zu halten, die für die Bestäubung sorgen.“

Die Bienenbox ist so gestaltet, dass sie gerade Anfängern einen ganz einfachen Einstieg bietet.

Was die meisten nicht wissen: Die Stadt bietet den Bienen einen viel besseren Lebensraum als ländliche Gegenden. In Berlin, München oder Hamburg finden die Insekten ein viel größeres Nahrungsangebot als auf dem Land, wo sie in ihrem Sammelgebiet oft nur eine Quelle zur Verfügung haben. Mais zum Beispiel. Zudem ist die Pestizidbelastung in der Stadt gleich null. Und dann wäre da noch die Varroa-Milbe, die im urbanen Umfeld eine viel kleinere Bedrohung für die Bienchen darstellt. Johannes beginnt also zu tüfteln. Er informiert sich bei Imkern, von denen einige mit Stirnrunzeln reagieren. Nur wenige glauben, dass Johannes seine Idee realisieren kann. „Viele sagten, dass das nichts wird und keinen Sinn hat“, erinnert sich Weber. Doch der junge Ingenieur hält an seinem Vorhaben fest. Er liest sich in das Thema ein und entwickelt seinen ersten Prototypen.

So funktioniert die Bienenbox

So funktioniert die Bienenbox

„Die Bienenbox ist so gestaltet, dass sie gerade Anfängern einen ganz einfachen Einstieg bietet“, erläutert Johannes. „Sie ist im Grunde wie ein Ikea-Schrank. Geliefert wird sie als Paket mit den einzelnen Elementen, einer Anleitung und einem Kreuzschlitz-Schraubendreher.“ In wenigen Schritten ist sie aufgebaut und kann an der Brüstung des Balkons angebracht werden. Innen bietet die Box genug Platz für einzelne Holz-Rähmchen, in denen die Bienen ihre Waben bauen. An der Seite haben sie ein Flugloch zum Betreten und Verlassen ihres neuen Zuhauses. Verdeckt wird die Bienenbox durch ein Jute-Tuch und einen Deckel, der sie von oben verschließt.

Und die Bienen? Werden sie auch mit dem Paket mitgeliefert? Nein. Ein Bienenvolk organisiert man von anderen Imkern. Hierzu bietet Johannes eine Karte auf seiner Internetseite www.bienenbox.de an. Dort kann man einsehen, wer gerade einen Schwarm abzugeben hat. Denn nach einer Zeit teilt sich das Bienenvolk in einem Imker-Stock und ist bereit, ein weiteres Zuhause zu beziehen.

Die kleinen Insekten werden dann mit einer speziellen Vorrichtung transportiert und in die Bienenbox auf dem Balkon eingelassen. Die Kosten liegen bei rund 500 Euro. Darin inbegriffen sind die Box, der Schwarm und ein Einstiegs-Kurs, der für die artgerechte Haltung fundamental ist.

Johannes Weber hat mit fünf weiteren engagierten Helfern den Verein Stadtbienen e. V. gegründet. „Wir möchten die Menschen für das Thema begeistern und eine Mischung zwischen Umweltschutz und einem schönen Hobby schaffen.“ Die Erlöse investiert der Verein deshalb direkt in weitere Entwicklungen und bietet sie auf seiner Internetseite www.bienenbox.de an. Dort können die Interessenten aber nicht nur die Bienenbox bestellen, sondern sich auch für entsprechende Vorbereitungs-Kurse anmelden. Schließlich ist es nicht damit getan, die Box einfach nur am Balkon anzubringen.

Im Namen des Volkes

Über das Jahr verteilt erfordert das Hobby rund 20 Stunden Aufwand. Man prüft regelmäßig, wie sich das Bienenvolk entwickelt, und hängt je nach Bedarf neue Rähmchen in die Box ein. Dann gilt es auch, die Box zwei Mal im Jahr gegen die Varroa-Milbe zu behandeln. Wie das funktioniert, erfahren die Balkon-Imker ebenfalls in den Kursen oder auf der Homepage von Johannes. Und natürlich kommt irgendwann der Zeitpunkt der Honigernte, an dem der Überschuss aus der Box entnommen wird. Jeden August ist es soweit.

Honigernte der Bienenbox

Glas? Klar!

Bis zu 15 Kilo Honig lassen die Bienen für die Balkon-Imker übrig. Das sind gut 30 handelsübliche Gläser. Wenn man überlegt, dass wir in Deutschland jährlich rund ein Kilo pro Kopf verzehren, ist das eine beachtliche Menge. Allerdings darf tatsächlich nur der Überschuss ins Glas wandern. Den Rest nutzen die Bienen selbst als Nahrung, um den Winter zu überstehen. Und was ist mit Urlaub? Kann man die Bienen bedenkenlos alleine lassen? Auf jeden Fall. Wurden alle Vorkehrungen getroffen, steht den Ferien außerhalb von Balkonien nichts mehr im Wege.

Ausgezeichnet mit dem GreenTec Award

Wer ein schönes Hobby ohne viel Stress sucht und gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt tun möchte, trifft mit der Bienen-Box ins Schwarze. Oder viel eher: ins Schwarz-Gelbe. Das sehen Experten übrigens genauso. Das Projekt von Johannes Weber ist schon kurz nach seiner Entstehung durch die Decke gegangen: Bereits ein Jahr nach der Gründung wurden die Stadtbienen mit dem renommierten GreenTec Award ausgezeichnet.

Wenn man Johannes fragt, was denn das Wichtigste ist, das er bei seinem Projekt gelernt hat, antwortet er: „Man muss seinen Prinzipien treu bleiben und sich nicht zu stark von anderen Meinungen irritieren lassen. Wenn andere behaupten, das wird nichts, lohnt es sich, trotzdem an seine Sache zu glauben – und sich zu sagen: Wir ziehen das durch.“

Johannes Weber und seine Bienenbox

Behörden und die Nachbarn

Es ist wichtig, seine Nachbarn über die summenden Mitbewohner zu informieren. Die Aussicht auf ein leckeres Glas Honig pro Jahr hat sich dabei als sehr hilfreich bei der Überzeugung bewährt. Dem Vermieter muss man ebenfalls Bescheid geben. Eine weitere Pflicht besteht darin, den Schwarm des Bienenvolks beim Veterinäramt anzumelden. Dann kann es auch schon losgehen.

 
 

Sind Bienen nicht gefährlich?

Johannes Weber betont, dass Bienen absolut harmlos sind und den Menschen im Grunde ignorieren. Sie orientieren sich an der Sonne und fliegen ins Helle. Die Räumlichkeiten einer Wohnung interessieren sie damit also gar nicht. Einzig während der Pflege, wenn die Box geöffnet wird, empfiehlt es sich, einen Schutzanzug zu tragen. „In dem Fall können die Kleinen schon mal nervös werden“, erläutert Johannes. „Wenn man sich aber einfach so auf dem Balkon aufhält, ist es unmöglich, dass die Bienen einem lästig werden. Es wurde noch nie jemand gestochen, der sich nicht an ihrer Behausung zu schaffen gemacht hat.“

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