Ihre Welt ist der Wald

Die Augen von Simone Niggli-Luder studieren nervös die harsche Landschaft. Sie ist irgendwo im nirgendwo. Jenseits begehbare Pfade, mitten im unberührten Wald. Eingeschlossen vom dichten Gestrüpp. Ihr Puls rast. Die Äste knacken unter ihren Füßen, während Nadelbäume versuchen, die Läuferin zu stoppen. Doch Simone Niggli-Luder rennt unbeirrt weiter. Sie ist nicht auf der Flucht – sie ist zuhause. Hier, mitten im Orientierungslauf. Das Ziel kennt sie noch nicht lange. Sie erfuhr erst kurz vor dem Startschuss wo es liegt. Um es zu erreichen, richtet sie sich nach ihrem Kompass und wirft einen prüfenden Blick auf die Landkarte. Ihren Laufweg kann sie frei wählen – und wird auch dieses Mal die Schnellste von allen sein.

Simone Niggli-Luder – die 23-fache Weltmeisterin
Simone Niggli-Luder – die 23-fache Weltmeisterin

Der Orientierungslauf

Der Orientierungslauf ist eine Sportart, die aus Skandinavien stammt. Der Lauf findet im Gelände statt, in dem sich mehrere Kontrollpunkte befinden. Diese gilt es in einer festgelegten Reihenfolge mit Hilfe von Kompass und Landkarte zu erreichen. Andere Hilfsmittel sind tabu. Auf welcher Route der Läufer die einzelnen Posten erreicht, ist ihm selbst überlassen. Geistige Fitness ist daher neben der sportlichen Ausdauer das A und O. Die Karte, auf der die einzelnen Stationen markiert sind, erhalten die Läufer in der Regel erst unmittelbar vor dem Start. Die Länge der Strecken gemessen an der Luftlinie variiert und beträgt üblicherweise zwischen zehn und 15 Kilometern.

Im Sprint zur Spitze

Simone Niggli-Luder ist 1978 geboren. Die Begeisterung für den Orientierungslauf übernahm sie von ihren Eltern. Schon als Zehnjährige macht sie bei den Läufen im Gelände mit. Mit 18 Jahren kommt sie ins Nationale Jugendkader der Schweiz. Schnell wird klar, welches Ausnahmetalent in ihr steckt. Nach und nach erreicht sie alles, was man im Orientierungslauf erreichen kann. Die Schweizer Meisterschaften, die Europameisterschaft und den Welttitel. Im Jahr 2003 erringt sie die Weltmeisterschaft in allen vier Kategorien des Orientierungslaufs. Experten sagen voraus, dass dieser Erfolg einmalig in der Geschichte der Sportart bleiben wird, doch sie irren sich: Simone Niggli-Luder wiederholt diesen Triumph zwei Jahre später – und wird damit zur lebenden Legende.

Warum es so gut läuft

Das Erfolgsgeheimnis von Simone Niggli-Luder? Die Freude am Orientierungslauf – und der Hunger sich mit anderen zu messen. Doch natürlich war auch das Training der Schweizerin entscheidend. Zweimal am Tag hielt sich Simone Niggli-Luder bis zu ihrem Karriereende im Jahr 2013 fit. Dabei standen nicht nur Laufeinheiten auf dem Plan, sondern auch andere Sportarten wie Aqua-Jogging, Spinning oder Krafttraining. Neben dem Körper trainierte die Sportlerin ihren Kopf. Vor allem das Kartenlesen nahm dabei eine zentrale Rolle ein. Hierfür suchte sich Simone Niggli-Luder für sie unbekannte Waldstücke aus und schärfte dort ihren Orientierungssinn.

Simone Niggli-Luder – die 23-fache Weltmeisterin

Panne mit der Kontaktlinse

Ein Sportler ohne Niederlage ist wie ein Orientierungsläufer ohne Kompass. Simone Niggli-Luder hatte ebenfalls mit Misserfolgen zu kämpfen. Wie zum Beispiel bei der Weltmeisterschaft über die Langdistanz im Jahr 2004. Bei dem Rennen durch den dichten Wald schlägt ihr ein Ast ins Auge, sodass die Schweizerin eine Kontaktlinse verliert. Der Zwischenfall kostet sie gut zweieinhalb Minuten – und damit einen Platz auf dem Siegertreppchen. Doch schon im nächsten Jahr rennt sie allen davon und sichert sich souverän den ersten Platz.

Simone Niggli-Luder heute

Im Jahr 2013 beendete Simone Niggli-Luder mit 35 Jahren ihre sportliche Karriere. Die dreifache Mutter wollte sich ihrer Familie zuwenden und neuen Herausforderungen stellen. Schon bei dieser Bekanntgabe war klar: Auch das gelingt Simone Niggli-Luder mit Sicherheit. Schließlich hat sie schon oft bewiesen, dass sie sich meisterlich neu orientieren kann.

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