Mit Superlativen sollte man vorsichtig sein, doch im Fall von Sigrid Eichner können wir ohne falsche Bescheidenheit sagen: Diese Frau ist ultra! Seit 1981 lief sie 1871 Marathons und Ultramarathons und sicherte sich damit einen Weltrekord, der schwer zu knacken sein wird.

Erster 42er in den 80ern

Wir schreiben das Jahr 1981, als Sigrid Eichner durch ihre Heimatstadt Berlin spaziert und zufällig am Zacherstadion vorbeikommt. Dem Startpunkt eines Marathons. Aus einer Laune heraus entschließt sie sich mitzumachen, zieht sich ihre Trainingsjacke aus und rennt los. Dabei ist sie noch nie 42 Kilometer gelaufen und wusste bis dato nicht, wie lang ein Marathon ist. Aber es läuft wie am Schnürchen, sodass Sigrid Eichner nach vier Stunden und 20 Minuten ans Ziel kommt. Von da an will sie nichts anderes mehr machen.

Sigrid Eichner – 1871 Läufe in 34 Jahren

Einfach super

Superhelden sind in der Regel gewöhnliche Menschen. Wie zum Beispiel Peter Parker, der ein schüchterner Junge ist und gerne fotografiert, wenn er nicht gerade als Spiderman auf Verbrecherjagd geht. Superman sitzt tagsüber als unscheinbarer Reporter in einer Zeitungsredaktion. Bei Sigrid Eichner sieht es ähnlich aus. Sie ist dreifache Mutter, sechsfache Oma und ausgebildete Schwimmmeisterin. Sie spielt gerne Klavier und liest am liebsten Harry Potter. Wirklich verhext wurde sie aber durch das Laufen. Nach ihrem ersten Marathon im Jahr 1981 tastet sie sich langsam ran und läuft zunächst zwei Marathons im Jahr. Doch irgendwann beweist auch sie ihre Superkräfte. So nimmt Sigrid Eichner die schwierigsten Läufe der Welt in Angriff oder rennt 97 Marathons in einem Jahr.

Ultra schwer

Kann sich die Dame nach 1871 absolvierten Läufen überhaupt noch an die Höhepunkte erinnern? Sie kann. Gerade die schwierigen Rennen bleiben der Berlinerin im Gedächtnis. Wie zum Beispiel die Diagonale der Verrückten, die Sigrid Eichner im Jahr 2004 hinter sich bringt. Bei dem Rennen, das auf der französischen Überseeinsel Réunion stattfindet, müssen die Läufer 140 Kilometer am Stück meistern. Dabei stellen 8000 Meter Höhenunterschied auf der Strecke eine besondere Herausforderung dar. Für Sigrid Eichner erweist sich etwas anderes als Stolperstein: ein Wald. Mitten im Rennen verirrt sie sich dort, doch ans Aufgeben oder Hilfeholen denkt sie keine Sekunde. Sie kämpft sich durch und schafft es zum Ziel – allerdings fünf Stunden später als erwartet.

Abenteuer am laufenden Band

Vor allem der Grand Union Canal ist erwähnenswert. Ein Ultramarathon über umgerechnet rund 241 Kilometer vom Englischen Birmingham nach London mit nur vier Verpflegungsstationen. Mit 44 Stunden ist Sigrid Eichner bislang die einzige Frau, die die Strecke in dieser Zeit bewältigte. Letztes Jahr wagt sie sich an den Ultramarathon „100 Meilen Berlin“. Im Regen kämpft die Berlinerin gegen schwere Bauchschmerzen und die Müdigkeit, die nach hundert Kilometern unvermeidlich ist. Zu guter Letzt stellen sich ihr noch Wildschweine in den Weg, die Sigrid Eichner durch ein schrilles Pfeifen verscheucht. Nach 28 Stunden und zwölf Minuten läuft sie durchs Ziel.

Wie eine Sucht

Ganz gleich ob Marathon oder Ultramarathon – jeder Lauf ist für die fitte Seniorin ein einzigartiges Erlebnis. Sigrid Eichner schwärmt von den vielen interessanten Leuten, die sie trifft sowie von den zahlreichen unvergesslichen Momenten. Was sie motiviert, ist der Augenblick beim Überqueren der Ziellinie, bei dem die Menschen ihre Achtung zollen. Kein Wunder, schließlich haben es die Läufe von Sigrid Eichner in sich.

Der ein oder andere Rekord

Der Spaß am Laufen ist das A und O, das i-Tüpfelchen bilden Titel und Rekorde. 1996 errang Sigrid Eichner den EM-Titel mit der Mannschaft im 24-Stunden-Lauf und lief zwei Jahre später 100 Kilometer in 09:57:36 Stunden. In ihrer Altersklasse ein Weltrekord. Und dann wäre da noch die Anzahl ihrer gelaufenen Marathons und Ultramarathons: 1871. Ein Rekord, den bislang noch niemand anderes auf der Welt aufstellen konnte.

Läuft und läuft und läuft

Stillstand kennt die heute 75-Jährige nicht. Erst im März absolvierte sie ihren 1871 Marathon, den sie nach fünf Stunden beendete. Aufhören? Keine Chance. Passend zum ihrem Geburtsjahr plant Sigrid Eichner 1940 Rennen zu machen. Wenn man bedenkt, dass sie alleine im Jahr 2003 110 Marathons abschloss, wird das eher kein Problem für sie sein.

Sigrid Eichner – 1871 Läufe in 34 Jahren

Ultramarathons

Ultramarathons sind Läufe, die deutlich länger sind als die gewöhnliche Marathon-Distanz von 42,195 Kilometern. Die Rennen finden im unwegsamen Gelände statt oder gehen über zahlreiche Runden, die die Läufer wiederholen müssen. Zu den Bekanntesten zählen der Marathon des Sables über 250 Kilometer in der marokkanischen Sahara oder der Guts-Muths-Rennsteiglauf über 72,7 Kilometer in Deutschland.

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