Der Titel der Autobiografie von Katherine Switzer lautet „Marathon Woman“. Und das zu Recht. Denn Switzer war die erste Frau, die offiziell einen Marathon absolvierte. Wer jetzt glaubt, dass das über hundert Jahre her sein muss, irrt: Noch vor 44 Jahren waren Damen von diesem Sport ausgeschlossen. Katherine Switzer lehnte sich dagegen auf und leistete mit viel Mut wahre Pionierarbeit.

Die frauenunfreundlichen 60er

Frauen und Laufsport? Unzumutbar. Das ist zumindest die gängige Meinung in den 1960er Jahren. Man(n) traut dem weiblichen Geschlecht höchstens 800 Meter zu. Soviel beträgt damals die längste olympische Laufdistanz der Damen. Alles was darüber hinausgeht, ist tabu. Erst recht ein Marathon. Einige Herren glauben sogar, dass auf Grund der Strapazen einer solchen Distanz die Gebärmutter herausfallen könnte. Die damals 20 Jahre alte Katherine Switzer kann das nicht fassen und beschließt allen Verboten zum Trotz an einem der traditionsreichsten Läufe überhaupt teilzunehmen: dem Boston-Marathon.

Bestens vorbereitet

Der erste Mann, den Katherine Switzer überzeugt, ist ihr Coach. Als ihm die begeisterte Läuferin von ihrem Vorhaben erzählt, ist er alles andere als begeistert. Und doch erklärt er sich bereit, sie zu unterstützen, wenn Katherine es schafft, die 42,195 Kilometer vorab im Training zu absolvieren. Das lässt sich Switzer nicht zweimal sagen und bringt die Strecke ohne Schwierigkeiten und – welch Wunder – ohne verlorene Organe hinter sich.

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Katherine Switzer - Marathon Woman
Kathrine_Switzer_Boston_past
Kathrine_Switzer_Boston_past_friend

Ein historischer Lauf

Der 19. April 1967, der Tag an dem Katherine Switzer Geschichte schreibt, ist kalt – für die junge Frau ein wahrer Glücksfall. Denn die frostigen Temperaturen ermöglichen es der Läuferin, ihr langes Haar unter einer Mütze und ihre weiblichen Rundungen in einem dicken Trainingsanzug zu verstecken. Um das Teilnahmeverbot zu umgehen meldet sie sich mit den Initialen K.V Switzer an und kann ohne Widerstände mit der Laufnummer 261 antreten. Um sicher zu gehen, bringt die mutige Frau Verstärkung mit: ihren Freund Tom Miller sowie ihren Coach Arnie Briggs. Zwei stämmige Jungs, die ihr im Fall der Fälle den Rücken frei halten sollen. Eine Entscheidung, die sich kurz nach dem Startschuss als goldrichtig herausstellt.

Unaufhaltsam zum Ziel

Zu Beginn des Marathons läuft alles glatt. Katherine Switzer taucht in der laufenden Menge unter und nimmt ohne Schwierigkeiten teil. Doch alles ändert sich, als ein Rennleiter sie als Frau erkennt. Der Mann ist fassungslos und stürmt auf die Läuferin zu, um sie zur Not mit Gewalt von der weiteren Teilnahme abzuhalten. Wütend versucht er Katherine Switzer die Startnummer vom Körper zu reißen, bemerkt jedoch nicht, dass diese einen wirksamen Geleitschutz im Petto hat: ihren Freund – einen kräftigen Footballspieler. Mit seinem ganzen Körpergewicht stoppt er den rasenden Rennleiter und sorgt nebenbei unbewusst dafür, dass Katherine Switzer Berühmtheit erlangt.

Ein Foto, das um die Welt geht

Die Szene, bei der Switzer’s Freund den rasenden Rennleiter stoppt, halten Journalisten mit ihren Kameras fest. Die Aufnahmen verbreiten sich später nicht nur in der Welt des Laufsports wie ein Lauffeuer und bringen eine breite öffentliche Debatte in Gang. Katherine Switzer bleibt von der Aktion des Rennleiters unbeeindruckt und läuft unaufhaltsam weiter. Nach vier Stunden und 20 Minuten erreicht sie als erste offizielle Teilnehmerin das Ziel.

Das Vermächtnis von Katherine Switzer

Der Mut von Katherine Switzer ruft jede Menge Stimmen auf den Plan, die sich gegen das Teilnahmeverbot von Frauen aussprechen. Dennoch darf die Damenwelt erst ab dem Jahr 1972 offiziell bei Marathonläufen mitmachen. Katherine Switzer’s Courage wird seitdem gebührend gewürdigt. So kommentiert sie Jahr für Jahr den traditionellen Boston-Marathon, bei dem sie solch bedeutungsvolle Pionierarbeit leistete.

Der 261 Women’s Marathon

Seit 2014 findet der 261 Women’s Marathon und 10000 Meter Lauf auf Mallorca statt. Ein Rennen, das im Zeichen von Katherine Switzer’s unbändigem Mut und ihrer damaligen Startnummer steht. Switzer wartet dabei auf der Ziellinie und nimmt die Läuferinnen mit einer herzlichen Umarmung in Empfang.

Roberta Gibb

Kathrin Switzer ist offiziell die erste Marathon-Teilnehmerin. Doch bereits ein Jahr vor ihr wagte sich eine andere Frau ganz im Verborgenen an die Starlinie: Roberta Gibb. Dabei versteckte sie sich bis zum Startschuss hinter einem Gebüsch und lief den Boston-Marathon ohne Anmeldung und Startnummer mit. Ihre benötigte Zeit: drei Stunden und 30 Minuten.

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