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Die meisten Menschen geraten schon ins Schwitzen, wenn sie nur an eine Wüste denken. Anne-Marie Flammersfeld hat vier davon in Angriff genommen. Sie hat 1000 Kilometer hinter sich gebracht und beim 4-Deserts-Race als erste Frau der Welt alle Etappen für sich entschieden. Von der Atacama-Wüste über die Sahara und die Wüste Gobi bis hin zur Schneewüste Antarktis.

Anne-Marie Flammersfeld

Anne-Marie Flammersfeld ist 1978 geboren und besitzt ein Diplom in Sportwissenschaften. Und doch gehörte das Laufen lange nicht zu ihren Leidenschaften. Viel eher brannte sie für Handball. Dann verschlägt es sie aus beruflichen Gründen in die Schweiz, doch in ihrer Nähe findet sie keinen Handball-Verein. Also beginnt sie zum Ausgleich in der Natur zu rennen. Eines Tages kehrt Anne-Marie Flammersfeld nach drei Stunden Dauerlauf nach Hause zurück und merkt, dass sie ohne große Schwierigkeiten 46 Kilometer bewältigt hat. Ein Schlüsselerlebnis, das in ihr die Idee aufkeimen lässt, größere Herausforderungen ins Auge zu fassen.

The 4-Deserts-Race

Der Vier-Wüsten-Lauf gehört zu den härtesten Läufen der Welt. Das Time Magazine bezeichnete es einst als den ultimativen Ausdauertest. Das Rennen umfasst vier Strecken mit einer Länge von jeweils 250 Kilometern. Jede Strecke unterteilt sich in einzelne Etappen. Die längste führt über 80 Kilometer. Wurde eine Wüste absolviert, haben die Teilnehmer mehrere Wochen Zeit, bis es zum nächsten der vier Rennen geht. Der Lauf fand das erste Mal im Jahr 2003 statt. Zunächst in der Wüste Gobi. Jahr für Jahr kam eine neue Wüste hinzu, bis im Jahr 2006 alle vier Wüsten im selben Jahr gelaufen wurden.

Anne-Marie Flammersfeld

Ich bin dann mal in der Wüste

Wie kommt man eigentlich darauf, bei einem solch extremen Rennen wie dem 4-Deserts-Race teilzunehmen? Bei Anne-Marie Flammersfeld war es die Begegnung mit einem Ultralauf-Teilnehmer, der ihr im Jahr 2010 von dem Wettkampf erzählt. Anne-Marie Flammersfeld ist sofort begeistert und beginnt intensiv zu recherchieren. Die vier Wüsten mit jeweils 250 Kilometer Gesamtdistanz sind eine echte Hausnummer, doch die junge Frau ist sich sicher, dass sie sich dieses Abenteuer zumuten kann. Sie zögert nicht lange – und meldet sich für das Rennen im Jahr 2012 an.

Die Vorbereitung

Gut zwölf Monate vor dem Start beginnt Anne-Marie Flammersfeld mit der Vorbereitung. Beim 4-Deserts-Run erwarten sie Tagesstrecken von bis zu 80 Kilometern, sodass das Training kein Zuckerschlecken ist. Anne-Marie Flammersfeld absolviert zwei Marathons pro Woche und steigert kontinuierlich die Intensität. Zudem geht sie nebenbei in die Sauna. Dort stellt sie sich auf einen Stepper, um ein Gefühl für die extremen Anforderungen in der Wüste zu bekommen.

Anne-Marie Flammersfeld
Anne-Marie Flammersfeld

Acht Kilo Zusatzgewicht

Während der Trainings-Läufe in der freien Natur darf ein vollgepackter Rucksack nicht fehlen. Beim 4-Deserts-Race ist er schließlich ebenfalls Pflicht. Gut gepackt mit Nahrung, Schlafsack sowie Verbandszeug und damit gut acht Kilo schwer. Für Anne-Marie Flammersfeld kein Problem: Sie stopft bei ihrer Vorbereitung Brennholz, Tetra-Packs oder Tomatendosen in ihren Rucksack und legt unbeeindruckt los.

Mentales Training

Eine wichtige Rolle nimmt das mentale Training ein. Mit einem professionellen Coach entwickelt Anne-Marie Flammersfeld spezielle Lösungen. Diese sollen ihr später während des Laufs helfen, mit Stress, Druck und ihren Ängsten zurecht zu kommen. Dabei lernt sie, solchen Hindernissen mit ihrer Vorstellungskraft zu begegnen. Eine Strategie, die ihr später noch das Rennen retten wird.

Der Start

Am 04. März 2012 ging es endlich los. Kurz nach dem Start in der Atacama Wüste in Chile ist Anne-Marie Flammersfeld klar: Es läuft. Bereits nach der ersten Etappe hat sie einen Vorsprung von 32 Minuten auf die Zweitplatzierte. Und das trotz der ungewöhnlichen Überraschung, die die trockenste Wüste der Welt für die junge Frau bereit hält: einen heftigen Sturm. Anne-Marie Flammersfeld überwindet dieses Hindernis. Nachts belohnt sie sich mit einem himmlischen Ausblick auf den sternenklaren Himmel, der die Milchstraße zum Greifen nahe erscheinen lässt.

Anne-Marie Flammersfeld
Anne-Marie Flammersfeld

In der Wüste Gobi mit Grobi

Das zweite Rennen führt sie nach Zentralasien. Dort, in der Wüste Gobi, kämpft sie das erste Mal mit einer echten Bewährungsprobe: 25 Kilometer vor dem Etappenziel macht sich bei ihr ein Magen-Darm-Virus bemerkbar und bringt Anne-Marie Flammersfeld an ihre Grenzen. Doch gerade ihr mentales Training lässt sie jegliche Zweifel in die Wüste schicken. Sie denkt nicht ans Aufgeben, sondern an etwas, das sie schmunzelnd durchhalten lässt: Grobi von der Sesamstraße. Abgeleitet vom Namen der nördlichsten Wüste der Welt stellt sie sich vor, wie das zottelige blaue Wesen neben ihr joggt. Ein Trick, der Anne-Marie Flammersfeld die großen Strapazen durchhalten lässt.

Durch die Sahara

Die Sahara erlebt Anne-Marie Flammersfeld wie in Trance. Es kann rund 50 Grad heiß werden. Der Sand weht ihr durchs Gesicht und die Landschaft ist unwirklich monoton. Bis zu 14 Liter Wasser trinkt die Läuferin an einem Tag. Zur Toilette muss sie trotzdem nicht: Unter solch extremen Bedingungen schwitzt der Körper die aufgenommene Flüssigkeit aus. Die mangelnde Abwechslung in der größten Wüste der Welt lässt Anne-Marie Flammersfeld erneut auf ihre Vorstellungskraft zurückgreifen. Diesmal malt sie sich aus, mit einer Wüstenrennsemmel zu laufen, die sich mit ihr unterhält. Eine Phantasie, die der Läuferin ein Lächeln ins Gesicht zaubert und sie erneut als Erstplatzierte ins Etappenziel einlaufen lässt.

Anne-Marie Flammersfeld

Eine Wüste aus Schnee und Eis

Die Antarktis ist die letzte Etappe des 4-Desert-Race. Doch diese Etappe ist anders: Längere Strecken gibt es dort nicht. Die Läufer müssen Runden drehen – bis zu zwölf Stunden am Tag. Bei minus zehn Grad und oftmals im knietiefen Schnee. Was sie dabei lernt? Geduld haben. Immer wieder muss der Lauf wegen Schneestürmen unterbrochen werden und Anne-Marie Flammersfeld bleibt nichts anderes übrig, als zu warten. Am Ende lohnt sich aber auch das. Die Extremläuferin entscheidet das Antarktis-Rennen für sich und hat es endgültig geschafft: In der Klasse der Damen geht Anne-Marie Flammersfeld als klare Siegerin hervor. Sie ist die erste Frau, die alle vier Rennen in einem Jahr gewinnt. Dabei läuft sie vielen männlichen Mitstreitern davon und kann in der Gesamtplatzierung den vierten Platz belegen.

Photocredits:
www.4deserts.com

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