Wenn die Reiseversicherung nicht zahlt

Angenommen, Sie sind auf dem Weg zum Flughafen und werden bestohlen. Ticket weg, Reisepass weg, Geld weg. Sie sind im Ausland, können keine Ersatzpapiere mehr besorgen, verpassen den Flug und müssen ein neues Ticket kaufen. Kosten rund 1.800 Euro. So in etwa passierte es einem Mann in Chile auf dem Rückweg nach Deutschland. Er besaß eine Reiseversicherung, die eigentlich laut Versicherungsbedingungen für „erhebliche Schäden am Eigentum unter anderem durch strafbare Handlungen im Verlauf der Reise“ aufkommt. Diese wollte die Kosten aber nicht übernehmen. Und bekam vor Gericht Recht.

So hätte die ARAG dem Reisenden geholfen

Wir haben uns gefragt, warum das so ist und wie wir hätten helfen können. Unser Kollege Wolfgang Baum aus der Hauptabteilung Produktmanagement National und Experte für Sachversicherungen hat uns zunächst erklärt, warum wahrscheinlich kaum eine Versicherung die Kosten laut ihrer Bedingungen bezahlt hätte: „Die Richter des Landgerichts Hildesheim haben die Klage abgewiesen, weil kein erheblicher Schaden unmittelbar am Eigentum der versicherten Person vorlag. Es ging allein um den Sachwert der Papiere. Und der ist leider nur sehr gering, denn ein Reisepass kostet nicht viel. Für die Folgekosten, also den Flugpreis für den nächsten Flug, musste die Versicherung also nicht aufkommen.“ Das ist der rechtliche Hintergrund.

Willi Merta, Geschäftsführer der ARAG Service Center GmbH, der ARAG Gesellschaft, wo die Notrufe unserer Kunden ankommen, erläutert, wie wir unsere Kunden unterstützen:

Herr Merta, wie hätte die ARAG denn den Reisenden unterstützen können?

"Wäre der Kläger unser Kunde, hätten wir ihm in jedem Fall weiter geholfen. Aus vielen tausenden Notfällen wissen wir, wie wichtig gerade in Stress-Situationen organisatorische Hilfe ist. Der Kunde hätte uns nach dem Überfall jederzeit – Tag und Nacht – kontaktieren können. Wir hätten ihm zunächst gesagt, was jetzt zu tun ist. Dann hätten wir ihn mit der Umbuchung des Fluges oder der Suche nach einem Hotel unterstützt und ihm geholfen, dass er schnellstmöglich neue Papiere bekommt."

Und wer bezahlt die Kosten?

"Im Rahmen des ARAG Top-Schutzbriefes haben wir einen Spielraum. In einem solchen Fall übernehmen wir grundsätzlich die Kosten für die Ersatzpapiere, die vor Ort beschafft werden müssen, und für die Neubeschaffung zurück in Deutschland. Wer im Ausland erkrankt, erhält von uns die Mehrkosten ersetzt und im Fall des überfallenen Reisenden ist ähnliches denkbar. Einige Tarife sehen eine Soforthilfe in Höhe von 250 Euro bis 1.000 Euro vor – auch für zusätzlich entstehende Reisekosten."

Noch ein Tipp: Viele wissen übrigens nicht, dass auch unsere Hausratversicherung sie unterwegs schützt. Werden beispielsweise Gegenstände aus einer Schiffskabine oder einem Schlafwagen gestohlen oder kommen sie bei einem Trickdiebstahl abhanden, erstatten wir unseren Kunden den Sachwert, hier aber nicht die Folgekosten. Ergaunert jemand Ihre Kredit- und Geldkarte, ersetzen wir deren Missbrauch bis zu 3.000 Euro.

Unsere Tipps für sicheres Reisen

Grundsätzlich sollten Sie nur so viel Bargeld bei sich zu tragen, wie Sie tagsüber brauchen. Bei einem Verlust können Sie mit der im Hotel eingeschlossenen Kreditkarte schnell für Nachschub sorgen. Am besten bleiben teurer Schmuck und andere entbehrliche Wertsachen zu Hause. Kleiden Sie sich eher unauffällig und leisten Sie bei einem Raubüberfall keinen Widerstand. Eine Kamera können Sie ersetzen, Ihr Leben nicht.

Papiere und Kreditkarte verloren. Was nun?

  • Wenn Sie im Ausland Ihre Papiere verlieren oder wenn diese gestohlen werden, melden Sie sich bei der örtlichen Polizei. Dort wird ein Protokoll erstellt. Mit diesem können Sie sich über das nächstgelegene Konsulat Ersatzdokumente ausstellen lassen. Die Adressen kennt die Deutsche Botschaft in Ihrem Reiseland. Es erleichtert die Wiederbeschaffung, wenn Sie Fotokopien der Dokumente vorweisen können. Scannen Sie sie ein und senden Sie sie per Mail an sich selbst. So haben Sie von überall her Zugriff.
  • Wenn Ihnen Ihr neuer Personalausweis abhandenkommt, können Sie die aktivierte Online-Ausweisfunktion über den Sperrnotruf 0180-1-33 33 33 unverzüglich sperren lassen. Sie brauchen dazu Ihr Sperrkennwort, das Ihnen im PIN-Brief mitgeteilt wurde. Falls Sie den Personalausweis auch für die elektronische Signatur nutzen, müssen Sie die Unterschriftsfunktion bei dem Anbieter, bei dem Sie das Signaturzertifikat erworben haben, separat sperren lassen. Grundsätzlich muss der Verlust eines Personalausweises bei der zuständigen Ausweisbehörde gemeldet werden.
  • Wenn Ihnen Fahrzeugpapiere verloren gehen oder gestohlen werden, müssen Sie die zuständigen Behörden informieren. Führerschein oder Fahrzeugschein können nur von der Verwaltungsbehörde in Deutschland ausgestellt werden. Im Urlaubsland gibt es nur vorübergehend gültige Papiere.
  • Kredit- oder EC-Karten, Mitarbeiter-Ausweise oder Kundenkarten lassen sich im Fall eines Verlustes schnell über den gebührenfreien Sperrnotruf 116 116 (aus dem Ausland 0049 116 116) sperren, wenn Ihr Kreditinstitut bei diesem System mitmacht. Fragen Sie danach und tragen den Notruf oder die Sperrnotrufnummer Ihres Anbieters in Ihrem Handy ein.
 

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